Wohl kaum ein Geräusch klingt mehr nach Weihnachten, als das Ringen von Schlittenglöckchen. Passend also, dass das sanfte Rasseln in der Berliner Verti Music Hall Samstagabend gar nicht mehr aufhören wollte. Sarah Connor, Deutschlands wohl erfolgreichste Sängerin, hatte zu ihrem „The Christmas Concert“ geladen. Das erste von vier Konzerten in Folge. Und die Fans ließen sich nicht zweimal bitten. Der bis Dienstag gehende Live-Reigen ist komplett ausverkauft.
Und das Ambiente hätte nicht weihnachtlicher sein können. Rieselnder Schnee, warmer Kerzenschein, bunt verzierte Socken am Kaminsims – auf dem animierten Bühnenbild strotzte es nur so vor Festtags-Symbolik. Am hellsten strahlte jedoch Sarah Connor selbst. Im schulterfreien, knallig rotem Kleid lud sie das Publikum ein, in ihren „Schlitten einzusteigen“. Gemeint war damit eine Fahrt, die vom smooth-jazzigen „The Christmas Song“, über ein Medley aus Klassikern wie „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“ und „Let It Snow“ bis zu Balladen wie „Christmas in My Heart“ beinahe jede Facette kommerzieller Festtagsmusik umfasste.
Dass Connor das Fest der Liebe als Aufhänger für eine ganze Konzertreihe nimmt, gab einen Tag vor dem 1. Advent nicht nur hinsichtlich der Jahreszeit Sinn. Auch an eigenem Material für eine abendfüllende Weihnachstfeier mangelt es der Sängerin nicht. Erst vergangene Woche veröffentlichte sie mit „Not So Silent Night“ ihr mittlerweile zweites Weihnachtsalbum und landete direkt auf Platz 1 der offiziellen deutschen Charts.

Mit „Not So Silent Night“ sprachlich zurück zum Karrierebeginn

Anders als noch auf dem Langspieler „Christmas in My Heart“, der vor 17 Jahren erschien und viele Cover weihnachtlicher Hits enthielt, schrieb die 42-Jährige die Songs diesmal selbst – und zwar alle auf Englisch. Nach ihren beiden auf Deutsch eingesungenen Alben „Muttersprache“ und „Herz Kraft Werk“ kehrt Connor sprachlich damit an ihren Karrierebeginn zurück. „Auf Englisch zu texten geht mir einfach leichter von der Hand, man hat mehr Worte, die schön klingen und sich reimen“, begründete sie die Entscheidung jüngst in einem Interview.
Ausschnitt aus dem neuen Musikvideo von Sarah Connor zu Weihnachtssingle "Not So Silent Night"
Ausschnitt aus dem neuen Musikvideo von Sarah Connor zu Weihnachtssingle "Not So Silent Night"
© Foto: Sonja Müller
Auch das Set am Samstagabend war vollständig auf Englisch. Sollte es Fans gegeben haben, die deutschsprachige Songs vermissten, ließen sie sich jedoch nichts anmerken. In der Verti Music Hall wurde euphorisch mitgesungen, mitgeklatscht und getanzt. Bei dieser kollektiven Ausgelassenheit dürfte selbst der hartnäckigste Grinch schwach geworden und in Weihnachtsstimmung verfallen sein. Und so stimmte nicht nur zum Refrain zu Mariah Carey’s Mega-Hit „All I Want for Christmas“ die gesamte Halle lauthals mit ein.

Konzert in „kleiner und mukkeliger“ Atmosphäre

Connor zehrte sichtlich von der Energie im Raum. Und obwohl darin knapp 4500 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz finden, gelang es ihr, eine intime Atmosphäre zu kreieren. Oder wie sie selbst das Setting beschrieb: „Klein und mukkelig.“ Besonders spürbar war dies bei Schuberts „Ave Maria“, das sie zu völliger Stille als bedächtiges Gesangssolo interpretierte. Zwischen ihren Songs richtete die Sängerin das Wort immer wieder direkt ans Publikum. Sie teilte Anekdoten von den Aufnahmen zu ihrem jüngsten Album auf der griechischen Insel Santorini, erzählte von der innigen Beziehung zu ihrer verstorbenen Großmutter oder gestand offen, dass ein leiser Konzertbeginn im starken Kontrast zu ihrer vergangenen Tour steht. „Daran müssen wir uns heute noch gewöhnen. Aber nicht ganz. Es wird beides geben.“
Empfohlener Inhalt der Redaktion

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich diesen mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt

Sie erklären sich damit einverstanden, dass Ihnen externe Inhalte von Youtube angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

A cappella-Einlage mit dem Publikum

Und Connor hielt Wort. Nach ihrem Schlittenritt durch eine Jahrzehnte umspannende Kulturgeschichte von Weihnachts-Hits flutete die Sängerin die Halle noch einmal mit ihrem kräftigen Belt zu den pop-punkigen Riffs der titelgebenden Single ihres aktuellen Albums. Die besinnlichen Schlittenglöckchen waren da kaum noch zu hören – wäre da nicht noch eine A cappella-Einlage von „Wish You a Merry Christmas“ gemeinsam mit dem Publikum angestimmt worden. Mit ihr verabschiedete Sarah Connor ihre Fans in die neblige Berliner Nacht. Und so blieb der Konzertauftakt der ultimativen Natur, die einer Überschrift wie „The Christmas Concert“ unweigerlich innewohnt, durchaus gerecht. Weihnachtlicher geht es schließlich wirklich nicht.

Konzert von Sarah Connor in der ARD und ARD-Mediathek

Das Konzert in der Berliner Verti Music Hall wird am 11. Dezember um 1.20 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist danach 30 Tage lang in der ARD Mediathek abrufbar.