Tucholsky-Museum Rheinsberg
: Akademie und Kulturrat protestieren gegen Sparpläne

Die Stelle des Museumsleiters in Rheinsberg soll nicht mehr besetzt, sondern mit der Toruismusbehörde zusammengelegt werden. Um das deutschlandweit einzigartige Literaturmuseum sorgen sich nun viele.
Von
Christina Tilmann
Rheinsberg
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Bangt um sein Museum: Peter Böthig, Leiter des Kurt Tucholsky Museums in Rheinsberg. Der Museumsleiter geht im März 2024 in den Ruhestand. Seine Stelle soll nach einem Beschluss der Stadtverordneten nicht nachbesetzt werden.

Holger Rudolph

Wann kommen hiesige Kulturinstitutionen schon mal auf eine Rote Liste? Mit der Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen, einer Analogie zu den bekannten „Roten Listen“ bedrohter Tier- und Pflanzenfamilien, weist der Deutsche Kulturrat auf gefährdete Kulturinstitutionen, -vereine und -programme hingewiesen. Nun hat es das Kurt Tucholsky Museum in Rheinsberg auf diese traurige Liste geschafft.

Am 23. Oktober 2023 beschloss die Stadtverordnetenversammlung Rheinsberg, dass die Stelle des Museumsleiters des Kurt Tucholsky Literaturmuseums, die seit 30 Jahren Peter Böthig innehat, nach dessen Verrentung im März 2024 nicht wieder besetzt werden soll. Touristinformation und Literaturmuseum könne man unter einer Marketingleitung zusammenlegen. Wissenschaftliche Expertise über Tucholsky ließe sich einkaufen, wenn wieder Geld da sei, hieß es aus der Stadtverordnetenversammlung. So berichtet es zumindest der Kulturrat in einer Pressemitteilung.

Kulturrat-Geschäftsführer Olaf Zimmermann, erklärt dazu: „Der Kultur bläst der Wind wieder deutlich rauer ins Gesicht. Selbst große Kultureinrichtungen wie Goethe-Institute stehen vor der Schließung. Doch über diese geplanten Kultureinsparungen wird immerhin im Feuilleton und darüber hinaus bundesweit berichtet. Kleine Kultureinrichtungen sterben dagegen fast lautlos. Mit der Wiederauflage unserer Roten Liste wollen wir ab sofort wieder auf beide - kleine und große - bedrohte Kultureinrichtungen hinweisen. Mit dem Kurt Tucholsky Literaturmuseum in Rheinsberg machen wir den Anfang und rufen die Stadt Rheinsberg, aber auch das Land Brandenburg auf, die weitere wissenschaftliche Leitung des Museums sicherzustellen.“

Offener Brief der Akademie der Künste

Auch die Akademie der Künste in Berlin, die mit dem Tucholsky-Museum regelmäßig bei Ausstellungen und Veranstaltungen kooperiert, warnt in einem Offenen Brief der Präsdentin Jeanine Meerapfel vom 9. November: „Ohne qualifizierte und wissenschaftliche Leitung wird das Museum nicht weiter existieren können und sein hochwertiges Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm mit überregionalen Künstlern, Autoren von Rang und Namen, aus Ost und West, und Wissenschaftlern fortsetzen können.“

Auch die Zukunft des seit 30 Jahren existenten Stadtschreiber-Programms, dessen Stipendiaten u.a. Bert Papenfuß, Wolfgang Hilbig, Regina Scheer, Antje Ravic Strubel, Wiglaf Droste, Manja Präkels und Torsten Schulz gehören, stehe in Frage, so die Akademie. Das Tucholsky-Museum sei ein „Juwel in Rheinsberg, das weltweit kein Pendant kennt.“ Deshalb trete die Akademie für die Revidierung des Stadtverordneten-Beschlusses ein: „für Rheinsberg, für den Erhalt und das Wirken des Werkes von Kurt Tucholsky in nachfolgende Generationen hinein, für alle ehemaligen und zukünftigen Stadtschreiber, für die Kulturlandschaft Brandenburg und für die Ausstellungen in der Galerie für zeitgenössische Kunst.“