Urlaub in Aserbaidschan: Verborgene Schätze jenseits von Öl und Formel 1

Das Wahrzeichen der Hauptsadt Baku: die Flame Towers. Nachts erleuchten sie in den Farben der aserbaidschanischen Flagge: blau, rot und grün.
Janine Reinschmidt- Urlaub in Aserbaidschan: Kultur und Natur abseits von Öl und Formel 1.
- Hauptattraktionen: Baku, Flame Towers, İçəri Şəhər.
- Kulinarische Highlights: Schwarztee, Baklava, Dolma, Lüle Kebab.
- Sehenswürdigkeiten: Qız Qalası, Deniz-Mall, Schlammvulkane.
- Politischer Kontext: Präsident Ilham Aliew und Krieg um Bergkarabakh.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wie ein Labyrinth schlängeln sich die verwinkelten, unebenen Kopfsteinpflastergassen zwischen alten Steingebäuden. Ab und zu blinzeln sanfte Strahlen der Frühlingssonne durch die Fassaden der eng aneinander gebauten Häuser, deren Mauern wie ein grüner Teppich von üppigen Efeuranken überwuchert sind. Vorbei an Hamams und Moscheen lassen sich in İçəri Şəhər, der Altstadt von Baku, die Spuren der Schirwanschahs entdecken - einer muslimischen Dynastie, die im Mittelalter in der Region Schirwan, heute Aserbaidschan, regierte.
In Baku errichteten die Herrscher den „Palastkomplex der Schirwanschahs“ (Şirvanşahlar sarayı), der sich über weite Teile der Altstadt erstreckt. Dazu zählen unter anderem ein Mausoleum, mehrere Moscheen und der bei Touristen beliebte Jungfrauenturm (Qız Qalası).
Der 30 Meter hohe Turm bildet das Herz der Altstadt und gehört wie der gesamte historische Stadtkern seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine schmale Wendeltreppe im Inneren des Turms führt zu einer Aussichtsplattform, von der aus sich ein weitläufiger Panoramablick über die gesamte Skyline von Baku eröffnet. Unter dem Qız Qalası befindet sich ein 21-Meter tiefer Brunnen, der sich durch eine Glasscheibe erspähen lässt.
Diese Leckereien bietet die Küche Aserbaidschans
In den kleinen Innenhöfen und auf den Plätzen der İçəri Şəhər laden traditionelle Teehäuser und Restaurants zum Verweilen ein. Für Besucher ist ein aserbaidschanischer Cay (Schwarztee mit Kräutern), der klassisch mit verschiedenen Marmeladen serviert wird, ein Muss. Dazu isst man traditionell Gebäck wie Paxlava (Baklava) oder Şəkərbura (Shekarbura). Letzteres ist ein halbmondförmiges Dessert aus einer Zucker-Nuss-Mischung und Teig. Wer es lieber deftig mag, bekommt meist Lammgerichte serviert. Beliebt sind unter anderem aserbaidschanische Dolma, mit Fleisch und Reis gefüllte Weinblätter und Lüle Kebab (angebratener Hackfleischspieß). Dazu dürfen frisch gebackenes Tendir-Brot und regionale Kräuter wie Tarxun (Waldmeister), Reyhan (rotes Basilikum) oder Petersilie nicht fehlen.
Für Feinschmecker, die mit Blick auf die Altstadt von Baku speisen möchten, empfiehlt sich das Restaurant „La Quzu“ (zu Deutsch: Das Lamm). Hauptgerichte für zwei Personen liegen bei umgerechnet 15 Euro.
Nach dem Essen braucht es einen Verdauungsspaziergang. Entlang des 20 Kilometer langen Boulevards am Kaspischen Meer gibt es viel zu sehen: luxuriöse Wohnhäuser, Museen, ein Riesenrad und ein langer Pier, der sich als Fotospot eignet. Neben dem berühmten Teppichmuseum ist die Deniz-Mall ein echter Blickfang. Sie erinnert in ihrem Design an das Opernhaus in Sydney, geht architektonisch allerdings auf den achtzackigen Stern, das Staatswappen Aserbaidschans, zurück.
Hotel Fairmont: Schlafen in den Flammentürmen von Baku
Von dort aus geht die Erkundungstour weiter zu den Flammentürmen (Alov qüllələri), die unweit der Deniz-Mall mit einer Seilbahn für 50 Cent pro Person erreicht werden können. Insgesamt drei flammenförmige Türme symbolisieren das Element des Feuers und verweisen damit auf den Beinamen Aserbaidschans: „das Land des Feuers“. Nachts lassen sich an der Außenfassade verschiedene Lichtspiele beobachten. In den Türmen befinden sich Bürogebäude, Apartments und das Fairmont Hotel. Die Zimmerpreise starten ab 200 Euro pro Nacht, zentrale AirBnBs gibt es bereits ab 30 Euro pro Nacht.
Wer es lieber sportlicher mag, kann einen Fußweg samt Treppenstufen bezwingen. Tipp: Ein frisch gepresster Granatapfelsaft liefert vorher die nötige Energie und schmeckt hervorragend. Oben angekommen, lädt zudem die Allee der Märtyrer zu einem Rundgang ein. Vorbei am Friedhof der Märtyrer, gelangt man zum Monument des ewigen Feuers, welches an die von der Sowjetarmee ermordeten Zivilisten des Schwarzen Januar 1990 erinnert. Der Rundgang führt weiter zum Baku Panoramic View, der vor allem bei Nacht einen atemberaubenden Blick über die gesamte Stadt bietet.
Generell wird die Stadt von Touristen als sehr sicher und sauber empfunden, die Gewaltkriminalität ist gering. Das Auswärtige Amt rät jedoch von Reisen in die Region Karabach und das gesamte Grenzgebiet zu Armenien ab. Aserbaidschan wird von Präsident Ilham Aliew autokratisch als präsidiale Republik regiert. In den vergangenen Jahren stand die Präsidentenfamilie wiederholt wegen Korruptionsvorwürfen in den Schlagzeilen.
Der Krieg um Bergkarabakh
Sowohl Armenien als auch Aserbaidschan wurden 1920 in die Sowjetunion integriert - darunter auch Bergkarabakh. Drei Jahre später wurde Bergkarabach von der Sowjetunion als autonome Region innerhalb Aserbaidschans und nicht Armeniens festgelegt. Die Mehrheit der Bevölkerung war jedoch armenisch. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion riefen die Armenier in Bergkarabach die Republik Arzach aus, welche offiziell nicht anerkannt wurde. Dies führte 1993 zu bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Armenien und Aserbaidschan. Armenien gewann den Konflikt und besetzte zudem weitere Gebiete Aserbaidschans. Rund 25.000 bis 50.000 Menschen verloren ihr Leben, über 1,1 Millionen Menschen wurden auf beiden Seiten vertrieben.
In den darauffolgenden Jahren kamen es zwischen Armeniern und Aserbaidschanern immer wieder zu Unruhen und Ausschreitungen. Im Herbst 2020 eroberte Aserbaidschan Gebiete zurück, die von Armenien besetzt worden waren. Im Sommer 2023 schnitt Aserbaidschan den Latschin-Korridor ab, über den Bergkarabach mit Armenien verbunden war. Eine Hungersnot brach aus. Im Frühherbst nahm Aserbaidschan schließlich ganz Bergkarabach ein. Rund 100.000 Armenier mussten fliehen.
Wem das Stadtleben zu viel wird und trotzdem atemberaubende Ausblicke und eine vielfältige Natur genießen möchte, der hat in Aserbaidschan die Qual der Wahl. Denn das Land verfügt über neun von elf Klimazonen: von einem Halbwüsten- und steppenartigen Klima um die Hauptstadt bis hin zu subtropischen Klima im Süden des Landes. In den Kaukasusgebieten im Norden herrscht teilweise Tundrenklima mit hohen Niederschlägen.
Dazu zählen die Wanderorte Quba und Sheki sowie der Shahdag-Nationalpark, zu dem das größte Skigebiet Aserbaidschans zählt. Der höchste Berg des Landes, der Bazardüzü Dağı, ragt an der Grenze zur russischen Republik Dagestan 4466 Meter in die Luft.
Ein Ausflug in die Kaukasus-Berge: Şamaxı
Doch so weit muss eine Reise nicht gehen, um frische Bergluft zu schnuppern. Die Kleinstadt und ehemalige Hauptstadt des Landes Şamaxı (Schamachi) liegt etwa eine Autostunde von Baku entfernt in Richtung Kaukasus und ist reich an kulturellen Schätzen. Zu den ältesten Bauwerken gehört die Djuma-Moschee aus dem 8. Jahrhundert. Nach einem schweren Erdbeben im Jahr 1191, das Şamaxı stark zerstörte, verlegten die Schirwanschahs ihre Hauptstadt nach Baku.
Ein weiteres Highlight dort ist das Astrophysikalische Observatorium, das mehrere Sternwarten, darunter ein Zeiss-Spiegelteleskop mit zwei Metern Durchmesser, und ein Museum beherbergt.
Ab zehn Personen besteht die Möglichkeit, die Sternwarte mit einem Guide zu besichtigen und die Planeten durch eines der Teleskope zu bewundern. Voraussetzung ist allerdings eine klare Sicht, denn bei bedecktem Himmel bleibt die Sternwarte geschlossen. Das Wetter meinte es gut, so dass Mitte April ein fantastischer Blick auf Mond und Jupiter mit 30-fachem Zoom möglich war.
Ab Şamaxı geht die Reise weiter in das kulturhistorische Schutzgebiet von Qobustan, welches sich im gleichnamigen Rayon befindet. Die Fundstätte ist bekannt für ihre steinzeitliche Felszeichnungen, die in den 1930er-Jahren entdeckt wurden. Erst 2007, also 77 Jahre später, wurden die Felszeichnungen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Qobustan: Felszeichnungen und Schlammvulkane
Die Darstellungen reichen von männlichen und weiblichen Menschenzeichnungen über verschiedene Tiere wie Pferde und Ziegen bis hin zu Abbildern von Booten und Schiffen. Zudem ist in den Felsen ein Hakenkreuz, auch Swastika genannt, zu erkennen. Ursprünglich stehen Hakenkreuze für laufende Sonnenräder und gelten unter anderem im Hinduismus und Buddhismus als Glücksbringer.
Einmal vor Ort lohnt sich ein weiterer Ausflug zu den rund 15 Kilometer enfernten Schlammvulkanen von Qobustan. Mit etwa 300 Exemplaren besitzt Aserbaidschan die meisten Schlammvulkane der Welt - das sind etwa ein Drittel aller Schlammvulkane weltweit. Ihr Vorkommen in der Region Qobustan hängt mit den dortigen Öl- und Gasvorkommen zusammen - der wertvollste Bodenschatz des Landes.
Aserbaidschan Reiseinfos
Aserbaidschan ist der größte Staat im Kaukasus und erinnert mit seinen Grenzen an einen Vogel, bei dem die Hauptstadt Baku auf der Schnabelspitze liegt. Die Währung ist der Aserbaidschanische Manat (ein Euro entspricht etwa 1,9 Manat). Direktflüge gibt es mit Azerbaijan Airlines ab Berlin und mit Lufthansa ab Frankfurt (Main). Deutsche Staatsbürger benötigen vor der Einreise ein gültiges Visum. Es empfiehlt sich, ein touristisches E-Visum für circa 25 Euro online zu beantragen. Das E-Visum berechtigt zur einmaligen Einreise für maximal 30 Tage. Achtung: Bei einem Aufenthalt von mehr als 15 Tagen müssen sich Reisende beim Migrationsservice registrieren lassen.













