Vicky Leandros in Berlin
: Es soll das letzte Konzert sein – wie war's?

Im Oktober musste sie ihr Konzert wegen Krankheit verlegen. Nun zeigt Vicky Leandros im Berliner Tempodrom, warum sie mehr ist als die Schunkelschlagerqueen.
Von
Gunnar Leue
Berlin
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Letzter Termin der Abschiedstour von Vicky Leandros

Letzter Termin der Abschiedstour von Vicky Leandros am 3. Dezember im Tempodrom in Berlin.

Joerg Carstensen/dpa
  • Vicky Leandros beendete ihre Abschiedstournee am 3. Dezember in Berlin.
  • Das Konzert im Tempodrom dauerte fast drei Stunden und umfasste viele ihrer Hits.
  • Leandros begann mit ihrem ESC-Hit "Après toi" und sang auch Lieder wie "Ich liebe das Leben" und "Hallelujah".
  • Sie zog sich aus der Politik zurück, um sich voll auf ihre Musikkarriere zu konzentrieren.
  • Zukünftige Auftritte sind für Sommer 2025 geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Diesmal kommt nichts dazwischen, so wie vor fünf Wochen. Vicky Leandros kann ihr aufgeschobenes Konzert im Berliner Tempodrom problemlos über die Bühne bringen. Na ja, was heißt problemlos. Es gerät zur fast dreistündigen Mitklascht- und Karaokeparty, die die griechische Sängerin mit deutscher (und griechischer) Staatsbürgerschaft sichtlich berührt. Nicht trotzdem sie so lange im Musikgeschäft ist, sondern weil. Vicky Leandros ist auf Abschiedstour und der Auftritt in Berlin ist das letzte Konzert in jener Stadt, in der sie 2006 einen besonderen Karriereschritt hätte machen können.

Damals erhielt sie ein attraktives Angebot von Friedrich Pflüger, dem CDU-Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahlen. Er bot ihr an, als Kultursenatorin in sein Schattenkabinett einzutreten. Sie lehnte dies ab mit der Begründung, ihre Tournee fortsetzen zu wollen. Trotzdem nahm sie einen Zweitjob in ihrer Heimat, aus der sie mit fünf Jahren nach Hamburg kam, an. Sie wurde Vizebürgermeisterin und Kulturstadträtin von Piräus und pendelte bis 2008 zwischen Berlin und Athen. Irgendwann musste sie sich zwischen dem Singen und der Politik entscheiden. Sie entschied sich fürs Singen, was aus Sicht ihrer Fans definitiv die richtige Entscheidung war. Für die Künstlerin jedoch auch, wie der Abend im Tempodrom zeigt.

Mit dem ESC-Hit Aprés toi (Dann kommst du)“ beginnt sie

Die Zuschauerreihen sind komplett gefüllt, trotz Ticketpreisen bis 130 Euro. Bevor Vicky Leandros kurz nach acht die Bühne betritt, spielen neun Musiker und Musikerinnen in adrettem Schwarz an Flügel, Streichern, Gitarren und Schlagzeug zur Einleitung der Show ein kleines Instrumental-Medley. Dann kommt die Sängerin dazu, in langem schwarzen Glitzerkleid und singt „Aprés toi (Dann kommst du)“, den Chanson, mit dem sie 1972 den Grand Prix de Eurovision gewann und endgültig in die erste Reihe der Schlagerstars aufstieg. Nicht nur in Deutschland, denn dank ihrer auch in Griechisch, Englisch, Französisch, Spanisch oder Japanisch aufgenommenen Songs erreicht sie auch in anderen Ländern ein Millionenpublikum und verkauft im Verlauf der Jahrzehnte weltweit über 55 Millionen Tonträger.

Auch wegen dieser Karriere macht es ihr Spaß, auf ihre Anfänge als sehr junge Sängerin hinzuweisen. Mit 13 Jahren hatte sie 1965 ihre Debütsingle aufgenommen, die genauso kindlich klingt, wie es der Titel „Messer, Gabel, Schere, Licht“ verspricht. Von da an war sie die Vicky, später auch die Leandros, die eine gewisse eigene Note in ihr Sängerinnenimage einbaut.

Letzter Termin der Abschiedstour von Vicky Leandros: 03.12.2024, Berlin: Die Sängerin Vicky Leandros steht beim letzten Termin ihrer Abschiedstour «Ich liebe das Leben - Meine Abschiedstournee» im Tempodrom auf der Bühne. Foto: Joerg Carstensen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Letzter Termin der Abschiedstour von Vicky Leandros: 03.12.2024, Berlin: Vicky Leandros steht beim letzten Termin ihrer Abschiedstour «Ich liebe das Leben - Meine Abschiedstournee» im Tempodrom auf der Bühne.

Joerg Carstensen/dpa

Nicht selten singt – neben Stimmungskrachern wie „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ – Lieder, die bei aller Liebesschmachterei die Selbstbestimmtheit der Frau feiert. „Ich bin“ wie ich bin, singt sie, weil sie die Freiheit liebt. Und natürlich das Leben. Sie ist schließlich Griechin und nichts mögen die schlageraffinen Deutschen lieber als die griechische Lebensweise, die ihnen meist selbst, leider, leider, so abgeht. „Griechischer Wein“ (gepriesen von Udo Jürgens), oder „Mannomannoman, der Wein von Samos“ (kredenzt von Costa Cordalis), das waren im Wohlstands(west)deutschland der Siebzigerjahre die Hits, an denen sich das Mainstreampublikum berauschte.

Es gibt auch „Ne me quitte pas“ von Jacques Brel

Doch Vicky Leandros konnte stets auch anders, was sie auch im Tempodrom zeigt, wo sie unter anderem von ihrem Lieblingskomponisten Jacques Brel „Ne me quitte pas“ singt. Nach dem japanischen Lied „Machi-Kutabireta Nichivobi“ lädt sie die Leute gleich mal zum Karaoke-Mitsingen ein und beim Mikis-Theodorakis-Cover „Sto Perigiali“ schunkeltanzt der Saal erst recht am Anschlag.

Nach der Pause hat sie zwar ein güldenes Kleid angelegt, aber ihre Lieder haben deshalb keineswegs einen belanglosen Glanz. „Verlorene Paradies“ ist ein Song aus 1984 über die Zerstörung der Umwelt. Klar, sie bringt auch ein paar alte Hobbykellerevergreens (den „Theo“ sowie „Ja, ja der Peter, der ist schlau“ und „Die Bouzouki klang durch die Sommernacht“), aber eben auch „Hallelujah“ von Leonard Cohen, das sie vom Massenchor mitsingen lässt. Es ist ein Kontrapunkt und zugleich die perfekte Ergänzung zum Mitsinghit „Ich liebe das Leben“. Man mag es ihr glauben und hoffen, dass es den vielen Mitsängern und -sängerinnen an diesem Abend genauso geht.

Nach dem letzten Konzert geht es weiter

Seit März 2023 ist Vicky Leandros unter dem Titel „Ich liebe das Leben!“ unterwegs gewesen, wegen einer Atemwegsinfektion mit starkem Husten hatte die Künstlerin im Frühjahr fünf Konzerte verschieben beziehungsweise absagen müssen. Nun endet die Tournee der 72-Jährigen im Tempodrom in Berlin.

Ganz auf ihre Auftritte verzichten müssen Fans aber noch nicht, auch wenn die Abschiedstournee nun zu Ende ist: Am Samstag tritt Vicky Leandros bei der ZDF-Show „Ein Herz für Kinder“ auf, im kommenden Jahr sind unter dem Titel „Ich liebe das Leben! Sommer Open Air 2025“ Auftritte in Bad Vilbel und Regensburg angekündigt.