ADHS bei Erwachsenen
: Diese deutschen Promis sprechen über ihre Diagnose

Um 199 Prozent sind einer Studie zufolge die Diagnoseraten von ADHS gestiegen. Auch bekannte Persönlichkeiten gehen offen mit ihrer Diagnose um.
Von
Nicole Züge
Berlin
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Eckart von Hirschhausen, Arzt und Fernsehjournalist, steht im Vierscheibenhaus des WDR. Am 27.1. um 20.15 startet Hirschhausens Reportagereihe mit der ersten Folge „Hirschhausen und die Macht des Alkohols“ in der ARD. (zu dpa: «Dry January - Vier Wochen Trockenzeit in Deutschland?») +++ dpa-Bildfunk +++

Eckart von Hirschhausen, Arzt und Fernsehjournalist, bekennt sich offen zu seiner „milden Form von ADHS“. Auch andere deutsche Promis haben bereits über ihre Neurodivergenz gesprochen.

Rolf Vennenbernd/dpa

Die ADHS-Diagnoseraten bei Erwachsenen sind einer Studie zufolge stark gestiegen. Zwischen 2015 und 2024 legten die Erstdiagnosen um fast 200 Prozent zu. Seit 2021 beschleunigt sich der Trend deutlich. Auch Personen des öffentlichen Lebens haben in der Vergangenheit bereits offen über ihre Diagnose gesprochen. Das Wissen darum, nicht allein zu sein und trotz der eigenen Neurodivergenz auch beruflichen Erfolg haben zu können, hilft vielen Betroffenen.

Warum sind die ADHS-Diagnosen gestiegen?

Hauptgrund der Zunahme ist keine plötzliche Zunahme der Erkrankung, sondern verspätete Diagnosen. Viele Betroffene hatten die Symptome schon als Kind. Vor allem Frauen wurden laut der Studie früher übersehen, weil ihre Symptomatik weniger durch Hyperaktivität und stärker durch Konzentrationsprobleme geprägt ist. Diese Lücke schließt sich jetzt.

Weitere Treiber der erhöhten Diagnoserate sind eine höhere Aufmerksamkeit für ADHS in Medien und sozialen Netzwerken, ein neuer Diagnosecode seit 2019 und die Corona-Pandemie, die psychische Belastungen verstärkt und Symptome sichtbarer gemacht hat. Der Anstieg gilt daher als Aufholeffekt. Experten erwarten, dass sich die Zahlen mittelfristig stabilisieren.

Diese Promis sprechen offen über ihre Neurodivergenz

In den letzten Jahren haben einige Prominente ihre Diagnose öffentlich gemacht und damit für mehr Aufklärung, aber auch Verständnis in der Öffentlichkeit geworben.

Eckart von Hirschhausen

Der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen hat seine ADHS-Diagnose erstmals 2023 öffentlich gemacht und dem Thema eine Doku gewidmet, in der auch sein eigener Weg gezeichnet wird. Die Doku kann man sich noch auf YouTube anschauen:

Lola Weippert

Die TV-Moderatorin hat erst kürzlich in einer TerraXplore-Reportage offen über ihren Weg mit ADHS gesprochen und dabei auch die Probleme nachgezeichnet, die viele Betroffene, egal ob mit oder ohne Diagnose, in der Schulzeit haben. Die Reportage kann man sich hier anschauen:

Devid Striesow

Der Schauspieler bekannte sich bereits 2016 öffentlich zu seiner ADHS-Diagnose. Striesow sagte damals gegenüber dem Zeit-Magazin, dass der Beruf des Schauspielers ihn „gerettet“ habe. „Ich bin intuitiv bei der Schauspielerei gelandet, weil ich so bin, wie ich bin. Darum ist mir ADHS nie als Manko aufgefallen, es war in meiner Wahrnehmung nicht da“, sagte er dem Magazin.

Felix Lobrecht

Der Comedian hat sich 2023 im Podcast „Hotel Matze“ zu seiner Diagnose geäußert. Er habe die Diagnose „zur Kenntnis genommen“, sie erkläre vieles, aber nicht alles, sagt Lobrecht in dem Interview. Er stellt außerdem fest, dass es durchaus helfe, zu wissen, wo bestimmte seiner Eigenschaften herkommen.

Auch Benjamin von Stuckrad-Barre, Rapper Capital Bra, Politiker Christopher Lauer, Schauspielerin Diane Kruger oder Profisportler Jan Ullrich haben sich schon öffentlich zu ihrer Neurodivergenz geäußert. Das Portal ADHSpedia nennt noch weitere, internationale Stars, die offen mit ihren Diagnosen umgehen.

Neurodivergenz vs. „Krankheit“

Die meisten Betroffenen möchten ADHS nicht als „Krankheit“ betrachten, sondern als eine Art Abweichung von der gesellschaftlich festgelegten Norm. Sie bezeichnen sich darum als neurodivergent. Der Begriff fasst Menschen zusammen, deren Gehirn anders arbeitet, als die gesellschaftliche Norm, die als neurotypisch gilt. Gemeint sind damit neurologische Besonderheiten in der Wahrnehmung, im Denken, in der Reiz- und Informationsverarbeitung oder im sozialen Verhalten. Ein weiterer Begriff aus diesem Spektrum ist „neurodivers“. Das Wort beschreibt Gruppen oder Gesellschaften, in denen neurodivergente und neurotypische Menschen zusammenleben.