Anschlag in Magdeburg
: Psychiater Taleb A. – was über mutmaßlichen Täter bekannt ist

„Leg dich hin, die Hände auf den Rücken“ – der Befehl eines Polizisten ist das Ende der mutmaßlichen Horrorfahrt von Taleb A. über den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Was bislang über den Mann bekannt ist.
Von
afp
Magdeburg
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Auto fährt in Menschenmenge auf Magdeburger Weihnachtsmarkt: 21.12.2024, Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Ein Auto, mit dem ein Täter in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg gefahren sein soll, steht mit offenen Türen in der Nähe des Tatorts. Auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist ein Autofahrer in eine Menschengruppe gefahren. Foto: Hendrik Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Auto, mit dem der mutmaßliche Täter Taleb A. in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg gefahren sein soll in der Nähe des Tatorts. Was wir bislang über den Mann wissen.

Hendrik Schmidt/dpa
  • Taleb A., 50, fuhr in Magdeburg in eine Menschenmenge; Motiv unklar.
  • Er lebt seit 2006 in Deutschland und ist Facharzt für Psychiatrie.
  • A. ist islamkritisch und politisch rechts; unterstützt AfD.
  • Früher half er Frauen aus Saudi-Arabien bei der Flucht.
  • Veröffentlichte Videos und Tweets deuten auf psychische Probleme hin.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bislang ist noch völlig unklar, ob und was der festgenommene 50-Jährige zu seinem Tatmotiv sagt. Psychiater Taleb A. ist der mutmaßliche Täter des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Magdebur (Liveticker)  am 20. Dezember.  Interviews und Onlineaktivitäten zeigen das Bild eines Mannes, der den Islam ablehnt und mit der AfD sympathisiert.

  • Die von den Behörden zu Taleb A. offiziell bestätigten Informationen sind knapp. Er stammt aus Saudi-Arabien, in Deutschland lebt er seit 2006 und hat einen unbefristeten Aufenthaltstitel. Sein letzter Wohnort war Bernburg in Sachsen-Anhalt.
  • Darüber hinaus ist bekannt, dass Taleb A. Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sein soll. A. kam nach seinem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden saudi-arabischen Pass am 5. November 1974 zur Welt. Er ist Schiite und stammt aus dem Osten Saudi-Arabiens. In seinem Heimatland studierte er Psychologie, bevor er nach Deutschland ging. Dorthin kam er, weil er sich vom Islam lossagte und seither verfolgt fühlte.
  • Und A. versteht sich als Aktivist, der insbesondere bei dem als Twitter bekannt gewordenen heutigen Onlinedienst X seit vielen Jahren aus Deutschland heraus bis zu seiner Festnahme mit tausenden Nachrichten extrem aktiv war.
  • Er zeigte sich auf X und bezeichnete sich auch als Islamkritiker. So schrieb A. etwa, seiner Erfahrung nach sei „die deutsche Polizei der echte Treiber des Islamismus in Deutschland“. Er warf der Polizei vor, zuletzt im März 2024 gegen ihn und andere Islamkritiker „schmutzige Taktiken“ angewendet zu haben, „um unseren anti-islamischen Aktivismus zu zerstören“.
  • Taleb A. hat also das Selbstbild des Islamkritikers. Und er positioniert sich politisch rechts. Die Linken seien „verrückt“ - „wir brauchen AfD, um die Polizei vor sich zu schützen.“ In seiner Selbstbeschreibung bei X äußert sich Taleb A. wie ein Verschwörungstheoretiker. „Deutschland jagt saudische Asylsuchende innerhalb und außerhalb Deutschlands, um ihr Leben zu zerstören“, schrieb er dort etwa und außerdem: „Deutschland will Europa islamisieren.“
  • A. veröffentlichte in etwa zum Ende der Terrorfahrt ein Video voller wirr erscheinender Anschuldigungen. Nach den darin getroffenen Aussagen fühlte er sich verfolgt - womöglich ein Hinweis auf psychische Probleme?
  • Noch vor wenigen Jahren zeigte sich Taleb A. als Aktivist, der Frauen aus Saudi-Arabien bei ihrer Flucht hilft. Im Jahr 2019 erschienen in Deutschland und auch international mehrere Interviews und Berichte über sein Agieren.
  • Er gab damals an, Frauen aus Saudi-Arabien über das deutsche Asylsystem informieren zu wollen. Mit diesen Informationen sollten sie dann ihren Weg finden, um nach seinen Angaben aus Unterdrückung in Freiheit zu kommen. Taleb A. veröffentlichte dazu neben zahlreichen Twitter-Nachrichten auch eine eigene Homepage.
  • Das damalige Ziel des mutmaßlichen Attentäters war, dass die von ihren Männern unterdrückten Frauen in Deutschland Schutz suchen sollten. Auch hier entwickelte sich seine Haltung allerdings gegen das Land, in dem er lebte. Auf der nach wie vor aktiven Homepage schrieb Taleb A., sein Rat sei, kein Asyl in Deutschland zu beantragen.

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