Autobahn in Berlin: Wie neue Systeme für mehr Sicherheit im Tunnel sorgen sollen

Blick in die Sicherheitszentrale der Autobahn GmbH, in der unter anderem auch der Tegel-Tunnel in Berlin überwacht wird.
Ralph Brodel/Autobahn GmbHElf Menschen starben 2001 beim schrecklichen Brand im Schweizer Gotthardtunnel. Seither ist die Sicherheit auch auf Berliner Autobahnen stetig verbessert worden. Erst in der vergangenen Woche ist die Videoüberwachung in fünf Berliner Autobahntunneln auf den neuesten Stand gebracht worden. „Mit Tunneln ist man unglaublich vorsichtig“, sagt Ralph Brodel, Sprecher der Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Nordost.
In diesem Fall wurde die Sicherheitstechnik in den Röhren unter dem Ortskern Tegel und am Flughafen Tegel an der A111, im Ortsteil Britz an der A100 Rudower Höhe sowie im Tunnel Altglienicke an der A113 umgestellt. „In einer minutiös vorbereiteten Operation mehrerer beteiligter Firmen und Experten wurden in der Nacht nicht nur die Hardware, sondern auch die Software ausgetauscht. Bei der Aktion gingen alle Überwachungsmonitore der Tunnelleitzentrale erstmals und kontrolliert in den Blackout“, erklärt Brodel.
Autobahn in Berlin: Rund um die Uhr Videoüberwachung
Während der Umstellung, die bewusst in die verkehrsarme Nacht von 1 bis 4 Uhr gelegt wurde, konnten die Tunnel nicht befahren werden. Denn die permanente Videoüberwachung sei existenziell für die Sicherheit, betont der Autobahn-Sprecher. Die Hunderte von Bildern und Videos, die an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr von den Experten in der Tunnelleitzentrale gesichtet werden, dienen vor allem der Verhinderung von Staus und den damit verbundenen Gefahren, wie eben einem Feuer.
„Ein Brand im Tunnel ist das schlimmste Szenario überhaupt“, so Brodel. Denn er führe unter anderem zu einer extrem schnellen und starken Hitzeentwicklung. Im Gotthardttunnel, der längsten Straßenröhre der Schweizer Alpen, wurde es damals bis zu 1200 Grad heiß, nachdem ein Lastwagen mit einem weiteren Lkw kollidiert war und auslaufendes Diesel ein Feuer entfacht hatte. Die Einsatzkräfte, die auch eine Eigenschutzpflicht hatten, kamen gar nicht erst zum Brandherd vor.
Doch auch weniger dramatische Unfälle können ein Feuer entfachen. „Im Tunnel kommt es durch die extreme Rauchentwicklung dann schnell zu einer starken Sichteinschränkung, zusätzlich geht von den Rauchgasen eine erhebliche Gefahr aus. Und die Leute kommen schnell in Panik“, erklärt Brodel, der 2001 selbst als Journalist beim „Gotthardt-Inferno“ vor Ort war.
Autobahn in Berlin: Das ist bei einem Notfall im Tunnel zu tun
Damit sich so etwas nicht annähernd wiederholen kann, werden die Berliner Tunnel schon bei einer einfachen Reifenpanne gesperrt. „Die Autofahrer ärgern sich dann zwar häufig, aber man sollte den guten Sinn dahinter erkennen“, betont der Fachmann.

Der Tunnel am Flughafen Tegel in Berlin gehört zu den fünf Autobahnbauwerken, die mit neuester Sicherheitstechnik aufgerüstet wurden.
Arno Burgi/dpaSollte es dennoch einmal zu einem wirklichen Notfall im Tunnel kommen, ist für Autofahrer gut zu wissen: Alle 300 Meter führen Notausgänge ins Freie, in Schutzräume oder in eine Art zweiten Fluchttunnel. In Autobahnen ab einer Länge von 400 Metern sind in einem Abstand von maximal 150 Metern Notrufstationen installiert. Sie sind direkt mit einer Sicherheitszentrale verbunden.
Die Mitarbeiter der Zentrale nehmen aber schon von sich aus über Lautsprecheranlagen mit den Autofahrern im Tunnel Kontakt auf. „Immer auf die Durchsagen achten“, rät Brodel. Wer dann wirklich zum Notausgang eilt, sollte bitte die Türen des Autos schließen, damit niemand im Rauch dagegen rennt, fügt der Autobahn-Sprecher an. Im Fluchttunnel sollte dann auf weitere Ansagen gehört werden.
Kamera im Autobahntunnel – Liebespaar verscheucht
Bisher sind solche Evakuierungs-Szenarien in Berlin und Brandenburg auch aufgrund der besonderen Sicherheitsvorkehrungen ausgeblieben. Dafür müssen die Aufpasser an den Überwachungs-Monitoren häufiger wegen anderer Vorkommnisse eingreifen. „Es gibt Rollstuhlfahrer, die denken, dass sie im Tunnel die beste Abkürzung fahren, oder Menschen, die dort ihre Notdurft verrichten“, berichtet Brodel.
„Bitte verlassen Sie den Tunnel“, ertönt es dann sofort aus den Lautsprechern. So sei auch ein Liebespaar aufgescheucht worden, das sich in einer der dunklen Nischen vergnügen wollte. „Die Leute denken, im Tunnel sind sie ungestört und keiner sieht sie“, erklärt Brodel. „Aber genau das Gegenteil ist der Fall.“


