DDR-Bürgerrechtler
: Martin Gutzeit (74) gestorben - Was war die Todesursache?

DDR-Bürgerrechtler Martin Gutzeit ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Welche Rolle er in der Friedlichen Revolution spielte und was über seine Todesursache bekannt ist.
Von
Matthias Kemter
Berlin
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DDR-Bürgerrechtler Martin Gutzeit ist mit 74 Jahren gestorben. Was über seine Todesursache bekannt ist und welche Rolle er in der Friedlichen Revolution spielte.

Britta Pedersen/dpa

Der evangelische Theologe und DDR-Bürgerrechtler Martin Gutzeit ist tot. Der Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) starb im Alter von 74 Jahren in einem Berliner Krankenhaus. Sein langjähriger politischer Weggefährte und Freund Stephan Hilsberg bestätigte die Nachricht. Eine konkrete Todesursache ist bislang nicht bekannt. Gutzeit gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der DDR-Opposition und setzte sich nach der deutschen Wiedervereinigung jahrzehntelang für die Aufarbeitung der SED-Diktatur ein.

Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR

Martin Gutzeit wurde 1952 in Cottbus geboren. In den 1980er-Jahren arbeitete der evangelische Theologe zunächst als Vikar in Ost-Berlin und später als Pfarrer. 1989 gehörte er zu den Initiatoren einer neuen sozialdemokratischen Partei in der DDR. Gemeinsam mit Mitstreitern gründete er am 7. Oktober 1989 in einem Pfarrhaus in Schwante nördlich von Berlin die Sozialdemokratische Partei in der DDR, kurz SDP. Bereits zuvor hatte Gutzeit gemeinsam mit Markus Meckel einen Aufruf zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei veröffentlicht. Nach der Friedlichen Revolution wurde Gutzeit 1990 für die SPD in die erste frei gewählte Volkskammer der DDR gewählt. Zwischen Oktober und Dezember 1990 gehörte er außerdem dem Deutschen Bundestag an.

Jahrzehntelanger Einsatz für die Aufarbeitung der SED-Diktatur

Von 1993 bis 2017 war Gutzeit Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. In dieser Funktion widmete er sich der Aufarbeitung der SED-Diktatur und den Anliegen der Menschen, die vom Unterdrückungsapparat des DDR-Staates betroffen waren. Für sein Engagement wurde Gutzeit mehrfach gewürdigt. 1995 erhielt er gemeinsam mit weiteren ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern das Bundesverdienstkreuz. Nach seinem Tod erinnerten zahlreiche Weggefährten und Vertreter aus Politik und Kirche an seine Rolle während der Friedlichen Revolution. Der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte Frank Ebert bezeichnete ihn als „originellen Denker“ und „mutigen Oppositionellen“. Stephan Hilsberg nannte seinen früheren Weggefährten „mutig und klug“ und hob insbesondere Gutzeits Rolle bei der Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR hervor.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Gutzeit als „leidenschaftlichen Streiter für Freiheit und Demokratie“ und als einen Wegbereiter des vereinten Deutschlands. Auch der Berliner evangelische Bischof Christian Stäblein erinnerte an Gutzeits Einsatz für Gerechtigkeit, Freiheit und die Aufarbeitung des SED-Unrechts.