Droht Schließung?
: Galeria prüft fünf Filialen in Berlin und Brandenburg

Warenhäuser in Berlin und Potsdam stehen auf der Prüfliste von Galeria. Entscheidend sind nun Gespräche über Mieten, Flächen und Vertragsbedingungen.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Galeria Kaufhof: ARCHIV - 13.05.2024, Berlin: Blick auf das Logo der Galeria Kaufhof am Kaufhaus am Alexanderplatz. (zu dpa: «Galeria erhält Millionenkredit für Sanierung») Foto: Monika Skolimowska/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Berlin: Blick auf das Logo der Galeria Kaufhof am Kaufhaus am Alexanderplatz. (Symbolbild)

Monika Skolimowska/dpa

Für fünf Galeria-Standorte in Berlin und Brandenburg ist die Zukunft ungewiss. Die Warenhauskette überprüft bundesweit 33 ihrer insgesamt 83 Filialen auf ihre langfristige Wirtschaftlichkeit. In der Hauptstadtregion betrifft das die Berliner Häuser am Alexanderplatz, Hermannplatz, Kurfürstendamm und in Spandau sowie die Filiale in Potsdam.

Galeria betont, dass noch keine endgültigen Entscheidungen gefallen seien. Das Unternehmen will jeden Standort einzeln untersuchen und mit den jeweiligen Immobilieneigentümern über günstigere Mietkonditionen, kleinere Verkaufsflächen oder andere Anpassungen sprechen. Kommt keine wirtschaftlich tragfähige Lösung zustande, droht den betroffenen Häusern die Schließung.

Vier Berliner Standorte auf dem Prüfstand

In Berlin werden folgende Filialen überprüft:

  • Alexanderplatz
  • Hermannplatz
  • Kurfürstendamm
  • Spandau

Hinzu kommt der Galeria-Standort in Potsdam. Damit ist die Hauptstadtregion besonders stark von der aktuellen Prüfung betroffen.

Die Häuser liegen an wichtigen Einkaufsstandorten und prägen teilweise seit Jahrzehnten das Stadtbild. Eine Schließung hätte deshalb nicht nur Folgen für die Beschäftigten, sondern möglicherweise auch für benachbarte Geschäfte, Gastronomiebetriebe und die Entwicklung der jeweiligen Einkaufsstraßen und Zentren.

Besonders sensibel ist die Situation an Standorten, an denen Galeria als großer Ankermieter viele Kunden anzieht. Fällt ein solches Warenhaus weg, entstehen häufig große Leerstände, für die sich nur schwer eine neue Nutzung finden lässt.

Mieten und Ertragskraft sind entscheidend

Nach Angaben von Galeria wurden die 33 Filialen unter anderem wegen ihrer Mietbelastung und ihrer Ertragskraft ausgewählt. Jedes Warenhaus müsse dauerhaft profitabel betrieben werden können.

Das Unternehmen setzt deshalb zunächst auf Verhandlungen. Neben niedrigeren Mieten kommen auch eine Verkleinerung der Verkaufsflächen oder ein Umzug in eine besser geeignete Immobilie infrage. Galeria prüft nach eigenen Angaben zudem Neueröffnungen an Standorten, die wirtschaftlich bessere Bedingungen bieten.

Nicht nur die besonders gefährdeten Filialen stehen dabei im Fokus. Auch bei den übrigen 50 Warenhäusern will der Konzern mit den Vermietern über Verbesserungen sprechen. Das zeigt, dass Galeria sein gesamtes Filialnetz neu ordnen und die laufenden Kosten deutlich senken will.

Bedeutung für Potsdam und die Berliner Bezirke

Für Potsdam wäre ein Rückzug von Galeria ein weiterer Einschnitt für den stationären Einzelhandel in zentraler Lage. Auch in Berlin könnten mögliche Schließungen sehr unterschiedliche Folgen haben.

Während die Filiale am Alexanderplatz von einer hohen Besucherfrequenz und touristischer Bedeutung profitiert, sind die Häuser am Hermannplatz, am Kurfürstendamm und in Spandau stärker in ihre jeweiligen Bezirke und Einkaufszentren eingebunden.

Welche Standorte besonders gefährdet sind, teilte Galeria nicht mit. Ebenso ist bislang nicht bekannt, wie viele Beschäftigte in den fünf betroffenen Häusern arbeiten. Bundesweit beschäftigt das Unternehmen noch rund 12.000 Menschen.

Für die Mitarbeiter beginnt damit erneut eine Zeit der Unsicherheit. Klarheit dürfte es erst geben, wenn die Verhandlungen mit den Vermietern abgeschlossen sind.

Neue Finanzierung mit strengen Bedingungen

Galeria hat sich zuletzt eine neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro gesichert. Das Geld wird von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereitgestellt.

Die Finanzierung ist allerdings an einen Sanierungsplan gebunden, der weitere Filialschließungen vorsieht. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass rund 30 der insgesamt 83 Warenhäuser als gefährdet gelten.

Mit dem neuen Kapital will Galeria unter anderem einen Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital ablösen und offene Mietzahlungen begleichen. Mehrere Vermieter hatten in den vergangenen Monaten kritisiert, dass Mieten teilweise verspätet, nur anteilig oder gar nicht gezahlt worden seien.

Galeria verwies auf eine schwankende Liquidität und bestätigte, Eigentümer um eine Stundung von Zahlungen gebeten zu haben.

Galeria kämpft weiter mit den Folgen der Signa-Krise

Der Warenhauskonzern hatte Anfang 2024 zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet. Auslöser war unter anderem die finanzielle Krise des damaligen Eigentümers Signa.

Im Sommer 2024 wurden bereits neun Filialen geschlossen. Inzwischen gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz.

Trotz des Eigentümerwechsels und der neuen Finanzierung ist die wirtschaftliche Lage weiterhin angespannt. Hohe Mieten, große Verkaufsflächen, die Konkurrenz des Onlinehandels und ein verändertes Einkaufsverhalten setzen das klassische Warenhausmodell seit Jahren unter Druck.

Entscheidungen fallen nach den Verhandlungen

Ob alle fünf Standorte in Berlin und Brandenburg erhalten bleiben, ist derzeit offen. Galeria macht die Zukunft der Häuser vor allem von den Ergebnissen der Gespräche mit den Vermietern abhängig.

Für den Alexanderplatz, den Hermannplatz, den Kurfürstendamm, Spandau und Potsdam beginnt damit eine entscheidende Phase. Gelingt eine Einigung bei Mieten und Flächen, könnten die Filialen weitergeführt werden. Scheitern die Verhandlungen, sind Schließungen nicht ausgeschlossen.