Finnland
: Welpen-Livestream begeistert Millionen Menschen

Sechs kleine Welpen, eine fürsorgliche Hundemutter und eine Kamera, die rund um die Uhr läuft: In Finnland sorgt ein ungewöhnlicher Livestream für Begeisterung.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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In einem Livestream kann man aktuell sechs Lagotto-Romagnolo-Welpen und ihre Mutter beobachten. (Symbolbild)

In einem Livestream kann man aktuell sechs Lagotto-Romagnolo-Welpen und ihre Mutter beobachten. (Symbolbild)

IMAGO/Pond5 Images

Während draußen die Tage kürzer werden und die Nachrichtenlage oft wenig Anlass zur Freude bietet, setzen viele Menschen in Finnland auf eine besonders niedliche Ablenkung: einen Livestream mit sechs neugeborenen Welpen.

Der finnische öffentlich-rechtliche Rundfunk Yle überträgt unter dem Namen „Pentulive“, zu Deutsch „Welpen-Live“, rund um die Uhr das Leben einer Hundefamilie. Im Mittelpunkt stehen die Lagotto-Romagnolo-Hündin Hilkka und ihre sechs Jungen – zwei Weibchen und vier Männchen, die am 10. Oktober zur Welt kamen.

Seit kurz nach der Geburt können Zuschauer live dabei sein, wie die kleinen Hunde schlafen, trinken, miteinander spielen und nach und nach ihre Umgebung entdecken. Die Übertragung soll bis Dezember laufen, wenn die Welpen in ihre neuen Familien ziehen.

Millionen Menschen schauen den Welpen beim Schlafen zu

Spektakuläre Ereignisse sind in dem Livestream eher selten. Schließlich schlafen junge Welpen bis zu 20 Stunden am Tag. Doch genau das scheint den Reiz auszumachen.

Das Format gehört zum sogenannten „Slow TV“, bei dem alltägliche, oft unspektakuläre Vorgänge über längere Zeiträume ungeschnitten gezeigt werden. Bekannt wurde das Konzept unter anderem 2009 in Norwegen, als der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine siebenstündige Zugfahrt übertrug.

Dass sich auch mit schlafenden Hundebabys ein Millionenpublikum erreichen lässt, zeigen die Zahlen: Im vergangenen Jahr verzeichnete die „Pentulive“-Website nach Angaben von Yle rund 6,5 Millionen Seitenaufrufe. Auf den Social-Media-Kanälen kamen weitere 20 Millionen Aufrufe hinzu.

Zum Vergleich: Finnland hat nur etwa 5,66 Millionen Einwohner. Die bisherigen Zuschauerzahlen deuten darauf hin, dass die diesjährige Ausgabe sogar noch erfolgreicher werden könnte.

Eine kleine Auszeit vom dunklen finnischen Winter

Besonders in den langen Wintermonaten scheint der Welpen-Livestream einen Nerv zu treffen. Finnland gehört zu den nördlichsten Ländern der Welt. In einigen Regionen nördlich des Polarkreises geht die Sonne im Winter wochenlang nicht auf. Die Temperaturen können im Extremfall auf minus 50 Grad Celsius sinken.

Für viele Menschen bietet die Hundefamilie deshalb einen willkommenen Gegenpol zu Dunkelheit, Kälte und negativen Nachrichten.

Die Idee zu „Pentulive“ hatte die Wissenschaftsjournalistin Pirjo Koskinen bereits 2021. Damals entwickelte sie das Format als Teil einer Berichterstattung über die wissenschaftliche Erforschung von Hunden.

Dabei ging es ihr nicht nur um Unterhaltung. Der Livestream sollte auch zeigen, wie entscheidend die ersten Lebenswochen für die Entwicklung eines Hundes sind.

Inzwischen sieht sie in dem Format auch eine emotionale Zuflucht. Es gehe um Fürsorge, Liebe und Zuwendung – positive Aspekte des Lebens, die in der täglichen Flut unangenehmer Nachrichten häufig untergingen.

Der Livestream biete Trost und Entspannung und ermögliche es den Menschen, für eine Weile in eine eigene „Welpenblase“ einzutauchen.

Warum uns die kleinen Hunde so faszinieren

Während herkömmliche Clips meist auf besonders lustige oder niedliche Momente zugeschnitten sind, folgt „Pentulive“ dem natürlichen Rhythmus der Tiere. Auf lange Ruhephasen folgen unerwartete Augenblicke voller Bewegung.

Gerade diese Unvorhersehbarkeit mache den Reiz aus. Die Zuschauer erleben etwas Echtes, das sich nicht nach den schnellen Abläufen sozialer Medien richtet.

Hinzu kommt, dass sie die Welpen über Wochen begleiten. Sie sehen, wie die Tiere ihre Augen öffnen, laufen lernen und schließlich zum ersten Mal draußen spielen. Mit der Zeit entwickeln sie eine Beziehung zu den einzelnen Hunden und lernen deren Eigenheiten kennen.

Wer selbst einen Blick in die finnische Welpenstube werfen möchte, findet den Livestream auf der Website von Yle.

Hundemutter Hilkka ist eigentlich ein Schulhund

Für die fünfjährige Hundemutter Hilkka ist es bereits der zweite Wurf. Normalerweise hat die Lagotto-Romagnolo-Hündin eine besondere Aufgabe: Sie arbeitet als Schulhund und unterstützt Schülerinnen und Schüler emotional im Schulalltag. Während sie sich um ihren Nachwuchs kümmert, hat sie eine Auszeit von dieser Tätigkeit.

Auch bei der Namensgebung der sechs Welpen dürfen die Zuschauer mitfiebern. Bislang tragen die kleinen Hunde lediglich vorläufige Spitznamen, die ihnen der Züchter gegeben hat.

Am Samstag sollen sie ihre endgültigen Namen erhalten – und dabei selbst ein Wörtchen mitreden. Zunächst darf das Publikum eine Auswahl möglicher Namen eingrenzen. Anschließend werden versiegelte Umschläge mit den Vorschlägen kreisförmig ausgelegt. Die Welpen sollen dann durch Schnuppern selbst entscheiden, welcher Name ihnen am besten gefällt.

Bis die sechs Hundebabys im Dezember in ihre neuen Familien ziehen, können Zuschauer ihre Entwicklung weiterhin live verfolgen.