Flughafen Hamburg: Familie des Geiselnehmers ist Jugendamt bekannt

Geiselnahme am Flughafen Hamburg – der Täter war dem Jugendamt bereits bekannt.
Bodo MarksDie Familie des Geiselnehmers vom Hamburger Flughafen ist dem Jugendamt des Landkreises Stade bekannt. „Nähere Hintergründe können wir aus Gründen des Sozialdatenschutzes und aus Rücksicht auf das Kindeswohl an dieser Stelle nicht mitteilen“, sagte ein Behördensprecher am Montag der dpa.
Der Mann hatte am Samstag seine vierjährige Tochter aus der Wohnung der Mutter in Stade entführt.
Die Mutter hat laut einem Zeugen verzweifelt versucht, ihren Ex–Partner zu stoppen. Die Frau habe auf der Straße geschrien und probiert, sein Auto anzuhalten, sagte am Montag in Stade ein Nachbar der Mutter der dpa. Der Mann habe die Frau fast angefahren, danach sei sie auf der Straße zusammengebrochen. Der 24–Jährige war nach eigenen Angaben Zeuge der Kindesentführung geworden.
Am Flughafen in Hamburg durchbrach er mit einem Mietwagen eine Absperrung und fuhr auf das Flugfeld. Laut Polizei soll er dabei Schüsse aus einer Waffe abgegeben und zwei Brandsätze gezündet haben. Nach einem mehr als 18–stündigen Nervenkrieg übergab der 35–Jährige am Sonntag das Kind der Polizei und ließ sich widerstandslos festnehmen.
Wo sich Mutter und Kind derzeit aufhalten und wie es dem vierjährigen Mädchen geht, wollte die Polizei aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht sagen. Das Kind sei während der 18–stündigen Geiselnahme auf dem Rollfeld des Flughafens aber mit Essen und Trinken versorgt gewesen.
Sorgerechtsstreit und Straftat — Hintergründe zum Tatmotiv
Dem Vater war laut Staatsanwaltschaft Stade bereits im Sommer 2022 das Sorgerecht für die Tochter entzogen worden. Er wurde demnach in diesem Frühjahr zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er das Mädchen gegen den Willen der Mutter in der Türkei festgehalten hatte. Hintergrund der Entführung ist den Beamten zufolge ein Sorgerechtsstreit.
Der Täter war laut Polizei nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen in einem Untersuchungsgefängnis untergebracht worden. Dabei seien Beweismittel sichergestellt, der Mann erkennungsdienstlich behandelt und ihm Blut entnommen worden, erklärte ein Polizeisprecher dazu.
Geiselnahme am Flughafen — Unklarheiten
Der Geiselnehmer mit türkischer Staatsbürgerschaft sollte im Lauf des Montags dem Haftrichter vorgeführt werden. „Noch gibt es keinen Haftbefehl, es hat noch keine Vorführung beim Haftrichter stattgefunden“, sagte Oberstaatsanwältin Liddy Oechtering am Vormittag.
Die Polizei Hamburg hielt sich zunächst mit weiteren Informationen zu dem 35 Jahre alten Geiselnehmer vom Hamburger Flughafen zurück. Die Frage, ob der Mann möglicherweise beim Airport gearbeitet habe und deshalb mit den Örtlichkeiten vertraut war, konnte der Sprecher mit Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht beantworten. „Darüber hinaus kann ich auch aus polizeitaktischen Erwägungen keine Auskunft dazu erteilen“, hieß es weiter.
Flughafen Hamburg — Sicherheitsmaßnahmen auf dem Prüfstand
Als Reaktion auf die Geiselnahme will der Hamburger Flughafen sein Sicherheitskonzept erhöhen. „Wir werden weitere bauliche Maßnahmen umsetzen, um mögliche Zugangspunkte zum Sicherheitsbereich zu verstärken“, sagte eine Flughafensprecherin dazu am Montag in Hamburg. Vorfälle wie die Geiselnahme zeigten, dass die Sicherheitskonzepte laufend neu bewertet werden müssen. „Das gilt für die gesamte kritische Infrastruktur, aber eben auch ganz konkret für den Flughafen Hamburg.“

