Drogentest auf der Fusion
: Neues Drogen-Check-Programm auf Festivals

Ecstasy, Kokain, Speed – diese Drogen sind verboten, werden aber trotzdem konsumiert. Auf dem Fusion-Festival 2024 gibt es erstmals ein Drogentest-Labor.
Von
dpa
Lärz
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Ecstasy-Tabletten in Form von Totenköpfen liegen in einem Zollamt auf einem Tisch. Nach der großen Nachfrage in Berlin nach kostenlosen Analysen von Drogen gibt es auch in Brandenburg Befürworter des sogenannten Drug-Checking. (zu dpa: «Drug-Checking auch in Brandenburg? Suchtprävention soll besser werden») +++ dpa-Bildfunk +++

Drogen wie Ecstasy, Kokain, Speed sind auf Festivals im Umlauf. Die bunten Pillen sind zwar verboten, werden aber trotzdem konsumiert, vor allem auf Festivals und bei Parties. Auf dem Fusion-Festival vom 28. bis 30.06.2024 gibt es erstmals ein Drogen-Test-Labor. Was es damit auf sich hat. (Symbolbild)

Oliver Berg/dpa

Von außen sieht der weiße Container ganz normal aus – innen wird schnell klar: Das ist ungewöhnlich für ein Festival. Denn anstatt Getränkekisten und Bierbänken befinden sich in dem Container auf dem Fusion-Festival in Lärz moderne Laborgeräte und rosafarbene Pillen: das deutschlandweit erste rechtlich-gesicherte Drogentest-Labor auf einem großen Festival.

Besucher können dort am Wochenende ihre Drogen abgeben und innerhalb weniger Minuten auf Reinheit testen lassen. Das mobile und vom Land finanzierte Labor soll nicht nur die Sicherheit der Besucher erhöhen, sondern auch wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse liefern.

Erstes mobiles Labor für Drogentest auf der Fusion 2024

„Solche Angebote sind eine wirkungsvolle Maßnahme, um die Schäden durch Drogenkonsum zu reduzieren“, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) am Dienstag (25.06.) mit. Ein besonderes Anliegen sei eine mobile Substanzanalyse mit Blick auf die zahlreichen Festivals in Mecklenburg-Vorpommern.

Wichtig sei vor allem die Risikobewertung und die gesundheitliche Aufklärung über die Folgen des Konsums von Betäubungsmitteln. Durchführen werde das Projekt die Universität Rostock, dessen Expertenteam das mobile Labor dort leitet. Mit dem Inkrafttreten der Landesverordnung Ende Mai habe Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland die rechtlichen Grundlagen für die Durchführung von Modellvorhaben zu Substanzanalysen geschaffen.

So sollen Todesfälle verhindert werden

Beim sogenannten Drug-Checking können auf dem Schwarzmarkt gekaufte Drogen etwa auf Reinheit getestet werden. Das soll zum Beispiel helfen, Todesfälle zu verhindern. Nicht nur die gesundheitsschädigenden Wirkstoffe der Drogen selbst, sondern auch Verunreinigungen oder eine zu hohe Konzentration bergen Risiken. In Mecklenburg-Vorpommern kam zuletzt im Juni vergangenen Jahres eine 13-Jährige ums Leben. Die Schülerin hatte eine „Blue Punisher“-Pille genommen, wurde bewusstlos und starb in einer Klinik. Todesursache war – ausgelöst durch den hoch dosierten Wirkstoff in der Pille – eine Hirnschwellung, die zu einer Hirnschädigung führte.

In Deutschland sind täglich mehrere hundert Millionen Pillen im Umlauf, erklärt Gernot Rücker. Er ist Drogenexperte an der Universitätsmedizin Rostock und leitet das Labor sowie die medizinische Versorgung auf dem Festival. Bis zu 250 Drogen können pro Festivaltag in dem Labor getestet werden, sagt er. Mit den speziellen Geräten sei ein Testergebnis in unter zwei Minuten möglich. Die Besucher können ihre Drogen demnach an einer Station abgeben, dabei werden auch anonymisierte Daten wie etwa Alter und Kaufort der Drogen für die wissenschaftliche Auswertung erfasst.

Mit einem Kurier werden die Drogen dann zum Labor transportiert, chemisch analysiert, fotografiert - und danach vernichtet. Gibt man seine Droge für einen Test ab, sei für jeden ein Aufklärungsgespräch möglich. Und wenn eine gefährliche Pille gefunden wird? Dann werden sofort Warnmeldungen an das Gesundheitsamt geschickt und auf dem Festivalgelände ausgehängt.

Erkenntnisse sollen der Wissenschaft dienen

Zwei dieser speziellen Testgeräte für jeweils etwa 50 000 Euro gebe es in dem mobilen Labor, zeitgleich arbeiten dort vier Menschen. Finanziert werde das Projekt vom Land und aus Forschungsgeldern. Analysiert werden können dort fast alle Drogen, der Fokus liege aber auf Pillen. „LSD zum Beispiel zu analysieren, das geht fast gar nicht“, sagt Rücker. Er steht neben der Sicherheit der Besucher vor allem auch die wissenschaftliche Erkenntnis im Fokus. Drogentote seien vermeidbar, doch die Gesellschaft nicht aufgeklärt genug.

Weitere Drogentest-Labore auf Festivals in Mecklenburg-Vorpommern geplant

„Das Problem ist, wir haben keine Wissenschaftsdaten darüber“, erklärte er. Die gewonnenen Erkenntnisse möchte Rückert etwa in die erste deutschlandweite Datenbank hierzu einspeisen, an der gerade gearbeitet wird. Dort könne man sich dann über verschiedene Drogen informieren. Als Nächstes soll das mobile Drug-Checking-Labor Angaben eines Sprechers des Ministeriums zufolge auf dem internationale Elektromusik-Festival Airbeat One im mecklenburgischen Neustadt-Glewe zu finden sein.

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