Jetzt schon an Silvester denken
: So bereiten Sie Ihren Hund auf die Knallerei vor

Silvester bedeutet für viele Hunde Stress und Angst - doch wer schon jetzt mit der Vorbereitung beginnt, kann seinem Vierbeiner den Jahreswechsel erleichtern.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Silvester: ARCHIV - 27.06.2022, Brandenburg, Neutrebbin: Antje Krause-Neufeld, Hundetrainerin, mit sehr ängstlichen Hund «Pünkti Anton» auf ihrem Angsthundehof im Oderbruch. Wegen der lauten Böllerei haben viele Tiere an Silvester große Angst. (zu dpa: «Diskussion um Jahresausklang ohne Böller nimmt Fahrt auf») Foto: Patrick Pleul/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wegen der lauten Böllerei haben viele Tiere an Silvester große Angst. (Symbolbild)

Patrick Pleul/dpa

Während viele Menschen dem Jahreswechsel entgegenfiebern, bedeutet Silvester für zahlreiche Hunde vor allem eines: Stress. Plötzliche Knallgeräusche, grelle Lichtblitze und ungewohnte Gerüche können die Tiere erheblich verunsichern. Manche Hunde ziehen sich zurück, andere zittern, hecheln, bellen oder versuchen sogar panisch zu flüchten.

Was viele nicht wissen: Wer seinem Hund helfen möchte, sollte nicht erst an Silvester damit anfangen. Schon im November können Hundehalter einiges tun, um ihre Tiere auf die bevorstehende Knallerei vorzubereiten.

Den Hund langsam an Feuerwerksgeräusche gewöhnen

Eine Möglichkeit, Hunde auf Silvester vorzubereiten, ist ein gezieltes Geräuschtraining. Dabei werden beispielsweise Aufnahmen von Feuerwerk oder Böllern abgespielt, damit der Hund die ungewohnten Geräusche in einer sicheren Umgebung kennenlernen kann.

Entscheidend ist, dass die Aufnahmen zunächst so leise abgespielt werden, dass der Hund völlig entspannt bleibt. Währenddessen können Besitzer ihrem Tier Leckerlis anbieten oder mit ihm spielen. So soll der Hund lernen, die Geräusche mit etwas Angenehmem zu verbinden.

Erst wenn der Vierbeiner bei einer bestimmten Lautstärke gelassen bleibt, darf diese schrittweise erhöht werden. Zeigt er Anzeichen von Angst, war das Training bereits zu intensiv. Dann sollte die Übung abgebrochen und beim nächsten Mal mit geringerer Lautstärke fortgesetzt werden.

Wichtig: Das Training ist keine Garantie für eine angstfreie Silvesternacht. Gerade bei Hunden mit ausgeprägter Geräuschangst sollte es mit tierärztlicher oder verhaltenstherapeutischer Unterstützung erfolgen. Falsch durchgeführte Übungen können die Angst sogar verstärken.

Schon jetzt einen sicheren Rückzugsort einrichten

Wenn draußen die ersten Böller knallen, suchen viele Hunde instinktiv Schutz. Deshalb ist es sinnvoll, ihnen frühzeitig einen festen Rückzugsort anzubieten.

Das kann beispielsweise eine gemütliche Ecke im Schlafzimmer, ein ruhiger Raum oder eine bereits vertraute, offen zugängliche Hundebox sein. Eine weiche Decke, das Lieblingsspielzeug und vertraute Gerüche können helfen, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Der Hund sollte diesen Platz schon in den kommenden Wochen regelmäßig nutzen können und dort positive Erfahrungen machen. Besonders wichtig ist, dass er sich freiwillig zurückziehen darf und nicht eingesperrt wird.

An Silvester können zusätzlich geschlossene Fenster, heruntergelassene Rollläden und zugezogene Vorhänge dabei helfen, Lärm und Lichtblitze von draußen abzuschwächen.

Entspannung lässt sich trainieren

Nicht nur Geräusche, sondern auch Ruhe kann trainiert werden. Hundehalter können bereits jetzt damit beginnen, bestimmte Rituale mit entspannten Situationen zu verknüpfen.

Dafür eignet sich beispielsweise eine besondere Decke, die immer dann bereitliegt, wenn der Hund zur Ruhe kommt. Auch ein ruhiges Signalwort oder leise Hintergrundmusik können mit angenehmen Ruhephasen verbunden werden.

Durch regelmäßige Wiederholungen kann daraus ein vertrautes Entspannungsritual entstehen. Dieses lässt sich später auch an Silvester einsetzen.

Allerdings gilt: Ein solches Ritual kann einen Hund unterstützen, aber eine ausgeprägte Angststörung nicht einfach auflösen.

Bei starker Angst frühzeitig den Tierarzt ansprechen

Hat ein Hund bereits in den vergangenen Jahren stark unter der Silvesternacht gelitten, sollten Besitzer rechtzeitig tierärztlichen Rat einholen.

Das gilt besonders, wenn das Tier panisch flüchtet, unkontrolliert zittert, über längere Zeit hechelt oder sich kaum beruhigen lässt.

Je nach Ausprägung der Angst können verhaltenstherapeutische Maßnahmen und gegebenenfalls geeignete Medikamente helfen. Manche Präparate müssen vorab erprobt oder bereits vor Silvester eingesetzt werden. Deshalb ist ein Termin im November oder Anfang Dezember sinnvoll.

Von eigenmächtig verabreichten Beruhigungsmitteln oder Medikamenten für Menschen ist unbedingt abzuraten. Auch frei verkäufliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel sind kein verlässlicher Ersatz für eine tierärztliche Behandlung. Entscheidend ist, dass die Angst des Hundes gelindert wird und er nicht lediglich äußerlich ruhiggestellt wird.

Silvester an einem ruhigen Ort verbringen

Für Hunde, die besonders stark unter der Silvesterknallerei leiden, kann auch ein Ortswechsel eine sinnvolle Lösung sein. Statt den Jahreswechsel zu Hause zu verbringen, können Hundehalter beispielsweise ein abgelegenes Ferienhaus auf dem Land oder eine Unterkunft in einer möglichst feuerwerksfreien Region buchen.

Eine zunehmend gefragte Alternative sind Hotels in unmittelbarer Nähe von Flughäfen. Denn auf Flughafengeländen und in bestimmten Bereichen rund um die Flughäfen darf aus Sicherheitsgründen kein Feuerwerk gezündet werden. Hinzu kommt, dass viele Flughafenhotels über gut schallisolierte Zimmer verfügen. Einige Häuser bieten inzwischen sogar spezielle Silvesterarrangements für Gäste mit Hunden an.

Die Bedürfnisse des eigenen Vierbeiners spielen aber auch dabei eine Rolle. Für manche Hunde ist eine neue Umgebung zusätzlicher Stress. Wer einen Ortswechsel plant, sollte deshalb möglichst frühzeitig anreisen, damit sich das Tier vor der Silvesternacht eingewöhnen kann. Vertraute Decken, Spielzeuge und gewohnte Abläufe helfen dabei.

Wer diese Möglichkeit nutzen möchte, sollte sich bereits jetzt nach einer passenden Unterkunft umsehen. Gerade spezielle Angebote für einen möglichst ruhigen Jahreswechsel mit Hund können frühzeitig ausgebucht sein.

An Silvester: Spaziergänge rechtzeitig planen

Am 31. Dezember selbst sollten Hundehalter ihren Tagesablauf möglichst an die Bedürfnisse ihres Vierbeiners anpassen.

Größere Spaziergänge finden am besten bei Tageslicht statt, bevor die Knallerei beginnt. Besonders geeignet sind vertraute, möglichst ruhige Wege. Da vereinzelt bereits tagsüber Feuerwerkskörper gezündet werden, sollten Hunde sicherheitshalber angeleint bleiben.

Bei ängstlichen Hunden empfiehlt sich eine besonders zuverlässige Sicherung mit gut sitzendem Sicherheitsgeschirr. Bei Bedarf kann eine zusätzliche Verbindung zum Halsband sinnvoll sein.

Die letzte Gassirunde am Abend sollte möglichst früh stattfinden. Wenn der Hund später noch einmal hinausmuss, sollte der Aufenthalt draußen möglichst kurz bleiben. Auch im eigenen Garten können sich erschreckte Hunde losreißen oder flüchten.

Während der Knallerei Ruhe und Sicherheit vermitteln

Beginnt draußen das Feuerwerk, ist eine vertraute Umgebung besonders wichtig. Geschlossene Fenster, Rollläden und Vorhänge dämpfen die Reize. Leise Musik, ein Radio oder der Fernseher können helfen, die Knallgeräusche etwas zu überdecken.

Manche Hunde lassen sich mit einem Kauspielzeug, einer Schleckmatte oder einem gefüllten Beschäftigungsspielzeug ablenken. Andere möchten sich lieber zurückziehen und ihre Ruhe haben. Beides ist in Ordnung.

Hundehalter sollten möglichst gelassen bleiben und auf die Bedürfnisse ihres Tieres eingehen. Sucht der Hund Nähe, darf er selbstverständlich gestreichelt und getröstet werden. Die Sorge, man würde durch liebevolle Zuwendung die Angst des Hundes verstärken, ist unbegründet.

Wichtig ist vielmehr, dem Hund Sicherheit zu vermitteln, ihn zu nichts zu drängen und ihn möglichst nicht allein zu lassen.

Auch an die Sicherheit nach Silvester denken

Mit dem Ende des Feuerwerks ist die Gefahr nicht vollständig vorbei. Am Neujahrsmorgen können auf Straßen, Gehwegen und Wiesen noch Feuerwerksreste, Glasscherben oder nicht explodierte Böller liegen.

Hundehalter sollten deshalb besonders aufmerksam sein und verhindern, dass ihre Tiere unbekannte Gegenstände aufnehmen.

Außerdem ist es sinnvoll, bereits vor Silvester zu überprüfen, ob der Hund mit einem Mikrochip gekennzeichnet und bei einem Haustierregister registriert ist. Die hinterlegten Kontaktdaten sollten aktuell sein. Falls der Hund trotz aller Vorsichtsmaßnahmen entläuft, kann das die Rückvermittlung erheblich erleichtern.

Gute Vorbereitung beginnt nicht erst am 31. Dezember

Ob Geräuschtraining, ein gemütlicher Rückzugsort oder die frühzeitige Beratung beim Tierarzt: Hundehalter können schon jetzt einiges unternehmen, um ihren Vierbeinern die Silvesternacht zu erleichtern.

Nicht jeder Hund reagiert gleich auf Feuerwerk, und nicht jede Maßnahme hilft jedem Tier. Entscheidend ist deshalb, die individuellen Bedürfnisse und Ängste des Hundes ernst zu nehmen.

Wer sich bereits im November mit dem Thema beschäftigt, hat mehr Zeit, passende Lösungen zu finden – und kann seinem Hund damit möglicherweise einen deutlich entspannteren Jahreswechsel ermöglichen.