Sehen oder riechen
: Wie erkennen Katzen ihre Besitzer?

Katzen erkennen vertraute Menschen an Geruch, Stimme und möglicherweise am Gesicht. Studien zeigen, welcher Sinn dabei besonders wichtig ist.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Katzen sind die beliebtesten Haustiere in Deutschland.

Katzen sind die beliebtesten Haustiere in Deutschland.

picture alliance/dpa

Katzen wirken gelegentlich so, als würden sie ihre Menschen kaum beachten. Tatsächlich können sie vertraute Personen erstaunlich gut von Fremden unterscheiden. Dabei verlassen sie sich nicht auf einen einzigen Sinn.

Die Wohnungstür geht auf, die Katze hebt kurz den Kopf – und bleibt dann scheinbar unbeeindruckt liegen. Hat sie überhaupt erkannt, wer gerade nach Hause gekommen ist? Die Forschung spricht dafür. Katzen unterscheiden vertraute Menschen unter anderem anhand ihres Geruchs und ihrer Stimme. Auch das Gesicht kann eine Rolle spielen, allerdings offenbar eher als Teil eines Gesamtbildes.

Der Geruch verrät: Diese Person kenne ich

Eine 2025 veröffentlichte Studie untersuchte erstmals genauer, ob Hauskatzen den Geruch ihrer Halter von dem fremder Menschen unterscheiden können. Dafür bekamen 30 Katzen drei Geruchsproben präsentiert: eine von ihrer wichtigsten Bezugsperson, eine von einem unbekannten Menschen und eine geruchsneutrale Kontrollprobe.

Das Ergebnis war deutlich: Die Katzen schnupperten länger am Geruch der unbekannten Person als am vertrauten Geruch ihres Menschen. Die Forschenden werten das als Hinweis darauf, dass Katzen bekannte und unbekannte menschliche Gerüche auseinanderhalten können.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Katze allein am Geruch zweifelsfrei erkennt: „Das ist Anna“ oder „Das ist Thomas“. Die Studie zeigt zunächst, dass sie einen Geruch als vertraut einordnet. Auch die Forschenden betonen, dass noch offen ist, ob Katzen über den Geruch tatsächlich einzelne Personen identifizieren oder lediglich zwischen bekannt und unbekannt unterscheiden.

Katzen erkennen die Stimme ihrer Besitzer

Noch besser untersucht ist die Reaktion von Katzen auf menschliche Stimmen. In einer Studie mit 20 Hauskatzen wurden den Tieren nacheinander die Stimmen mehrerer fremder Menschen vorgespielt. Anschließend hörten sie die Stimme ihres Besitzers, ohne ihn sehen zu können.

Viele der Katzen reagierten auf die vertraute Stimme wieder stärker, nachdem ihr Interesse an den fremden Stimmen zuvor nachgelassen hatte. Sie bewegten vor allem die Ohren oder drehten den Kopf. Miauen, Schwanzwedeln oder andere auffällige Reaktionen waren dagegen selten.

Eine Katze kann ihren Menschen also durchaus erkannt haben, obwohl sie nicht aufsteht, zur Tür läuft oder hörbar antwortet. Ihre Reaktion fällt häufig subtiler aus, als Menschen es beispielsweise von Hunden erwarten.

Die Stimme verrät sogar, wo sich der Mensch befindet

Dass Katzen eine vertraute Stimme nicht nur erkennen, sondern räumlich einordnen, zeigte ein weiteres Experiment. Dabei hörten Katzen zunächst die Stimme ihres Besitzers aus einem Lautsprecher. Kurz darauf erklang dieselbe Stimme an einer weit entfernten Stelle im Raum – so schnell, dass sich der Mensch unmöglich dorthin bewegt haben konnte.

Die Katzen reagierten besonders überrascht, wenn die Stimme scheinbar plötzlich den Ort wechselte. Nach Ansicht der Forschenden deutet das darauf hin, dass Katzen eine mentale Vorstellung davon haben, wo sich ihre nicht sichtbare Bezugsperson befindet.

Sie hören demnach nicht nur ein bekanntes Geräusch. Sie verbinden die Stimme mit einem bestimmten Menschen und einer erwarteten Position im Raum.

Erkennen Katzen menschliche Gesichter?

Beim Gesicht ist die Studienlage weniger eindeutig. In einem Experiment hörten Katzen zunächst die Stimme eines Menschen und sahen anschließend entweder das dazugehörige oder ein nicht passendes Gesicht auf einem Bildschirm.

Katzen aus Katzencafés blickten länger auf den Bildschirm, wenn Stimme und Gesicht nicht zusammenpassten. Das spricht dafür, dass zumindest diese Tiere eine Verbindung zwischen einer menschlichen Stimme und dem entsprechenden Gesicht hergestellt hatten. Bei den untersuchten Hauskatzen zeigte sich dieser Effekt jedoch nicht eindeutig.

Daraus lässt sich nicht schließen, dass Hauskatzen ihre Besitzer nicht am Aussehen erkennen. Die Ergebnisse zeigen aber, dass die Gesichtserkennung bei Katzen bislang weniger klar belegt ist als die Unterscheidung von Stimmen und Gerüchen.

Im Alltag entscheidet das Gesamtpaket

Die wissenschaftlichen Experimente untersuchen Geruch, Stimme oder Aussehen meist getrennt voneinander. Im normalen Alltag bekommt eine Katze jedoch viele Hinweise gleichzeitig: Sie hört Schritte und Stimme, riecht Kleidung und Haut und sieht Körperhaltung sowie Bewegungen.

Deshalb ist die Frage „Sehen oder riechen?“ wahrscheinlich zu einfach gestellt. Katzen setzen vermutlich verschiedene Sinneseindrücke zu einem vertrauten Gesamtbild zusammen. Besonders gut belegt ist, dass sie bekannte Menschen über Geruch und Stimme von Fremden unterscheiden können. Visuelle Informationen können dieses Bild ergänzen.

Verändert sich ein Teil davon stark – etwa durch ungewohnte Kleidung, einen intensiven fremden Geruch oder eine veränderte Stimme –, benötigt die Katze möglicherweise kurz zusätzliche Informationen, bevor alles wieder zusammenpasst. Das ist eine plausible Schlussfolgerung aus den Studien, wurde in dieser konkreten Alltagssituation aber noch nicht systematisch nachgewiesen.

Erkennt meine Katze mich also wirklich?

Sehr wahrscheinlich ja. Sie zeigt es nur nicht immer so deutlich, wie Menschen es erwarten.

Katzen erkennen vertraute menschliche Gerüche, unterscheiden die Stimme ihres Besitzers von fremden Stimmen und können offenbar sogar eine Vorstellung davon entwickeln, wo sich ihre Bezugsperson befindet. Manche Katzen verbinden außerdem Stimme und Gesicht miteinander.

Die derzeitige Forschung spricht daher nicht für einen einzelnen entscheidenden Sinn. Eine Katze erkennt ihren Menschen vielmehr an einer Kombination aus Geruch, Stimme, Aussehen und wiederkehrenden Erfahrungen.