Steckbrief zur Sachsen-Wahl
: Michael Kretschmer (CDU) – alles Wichtige zum Wahlsieger

Nach der Sachsen-Wahl 2024: Wer Michael Kretschmer privat ist und wo er herkommt in einer Übersicht.
Von
Lisa Klopp-Jaber,
dpa
Dresden
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Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, kommt zu den Gremiensitzungen der Bundes CDU nach den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. +++ dpa-Bildfunk +++

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, kommt zu den Gremiensitzungen der Bundes CDU nach den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. Wer Kretschmer ist und woher er kommt in einer Übersicht.

Michael Kappeler/dpa

Sachsen hat gewählt. Die Wahl am 1. September 2024 war spannend bis zur letzten Minute. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer von der CDU konnte sich haarscharf gegen die AfD durchsetzten und geht als Sieger aus der Wahl hervor. Wer ist der Mann, der einen AfD-Sieg abgewendet hat? Alle Wichtigen Infos im Steckbrief.

Über die Ergebnisse der Sachsen-Wahl informieren wir hier.

Steckbrief von Michael Kretschmer

Eckdaten zu Michael Kretschmer, dem Wahl-Gewinner von der Sachsen-Wahl 2024.

  • Name: Michael Kretschmer
  • Geburtstag: 7. Mai 1975
  • Geburtsort: Görlitz
  • Familienstand: verheiratet
  • Kinder: zwei Kinder
  • Konfession: evangelisch
  • Beruf: Diplom-Wirtschaftsingenieur, Politiker
  • Partei: CDU
  • Soziale Medien: @MPKretschmer auf X, michaelkretschmer auf Instagram

Kretschmer (CDU): Herkunft und Privates

Michael Kretschmer wuchs mit seinen zwei älteren Geschwistern, Cornelia und Christoph, und seinem Vater Hans-Jürgen Kretschmer in Görlitz-Weinhübel auf. Nach seiner Ausbildung zum Büroinformationselektroniker erlangte Kretschmer über den zweiten Bildungsweg die Fachhochschulreife. Sein Studium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden schloss er 2002 als Diplom-Wirtschaftsingenieur ab.

Frau und Kinder des Ministerpräsidenten in Sachsen

Am 24. Juli 2020 heiratete Michael Kretschmer seine langjährige Lebensgefährtin Annette Hofmann, ehemalige MDR-Journalistin und Sprecherin des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz. Die Hochzeit fand im kleinen, familiären Rahmen statt. Nur die Eltern und ihre beiden Söhne des Paares waren dabei.

Kretschmer wohnt in Dresden-Klotzsche sowie in Waltersdorf bei Zittau.

CDU und politischer Werdegang von Michael Kretschmer

Bereits mit 14 Jahren trat Michael Kretschmer 1989 in die Christlich-Demokratische Jugend ein. Ausschlaggebend waren Freunde, die ihn für das politische Engagement begeisterten. Zunächst war er viele Jahre in der Jungen Union (JU) und im Görlitzer Stadtrat tätig. Seit 2003 gehörte er dem CDU-Landesvorstand in Sachsen an. 2005 wurde er erst Generalsekretär der sächsischen CDU, 2017 deren Landesvorsitzender.

Nach der Bundestagswahl 2002 zog Michael Kretschmer erstmals in den Bundestag ein. Dort war er bis 2017 aktiv. Zunächst vor allem im Bereich Bildung und Forschung: So war er von 2005 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Bildung und Forschung“ der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Nach der Bundestagswahl wurde Kretschmer von der Landesgruppe Sachsen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu ihrem Vorsitzenden gewählt.

Außerdem war Kretschmer Mitglied in den Deutsch-Polnischen, Deutsch-Tschechischen und Deutsch-Russischen Parlamentariergruppen des Bundestages und kümmerte sich dort um den Austausch mit anderen nationalen Parlamenten.

2017 wurde Michael Kretschmer vom damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich als dessen Nachfolger vorgeschlagen. Am 13. Dezember 2017 wurde er vom Sächsischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt.

Sachsen-Wahl 2024: Kretschmer gewinnt

120 Sitze wird es im künftigen Landtag in Sachsen geben. Größte Fraktion ist die CDU mit 42 Sitzen, vor der AfD (40), BSW (15), SPD (10), Grünen (7) und Linken (6). Ein weiterer Platz geht an den Kandidaten der Freien Wähler, der sein Direktmandat gewonnen hat.

Für eine Regierungsmehrheit wären 61 Sitze nötig. Die verpasst die bisherige Keniakoalition aus CDU, SPD und Grünen knapp. Um zu regieren, braucht die CDU entweder das BSW mit einem weiteren Partner oder die AfD.

Laut vorläufigen Endergebnis kommt die CDU auf 31,9 Prozent der Zweitstimmen. Die AfD holt 30,6 Prozent. Auf Platz drei landet das BSW mit 11,6 Prozent. Die SPD bringt es auf 7,3 Prozent. Die Grünen holen 5,1 Prozent. Bei den Linken reicht es zwar nur zu 4,5 Prozent. Da die Partei aber zwei Direktmandate holt, ist auch sie entsprechend ihrer Zweitstimmen im künftigen Landtag vertreten.

Michael Kretschmer: Für Sachsen lege ich mich mit jedem an

Manche mokieren sich über die ständige Dialogbereitschaft des sächsischen Ministerpräsidenten so: Es gäbe keinen Sachsen, dem Michael Kretschmer nicht schon die Hand geschüttelt habe. Das mag bei rund vier Millionen Menschen im Freistaat stark übertrieben sein. Aber seit Beginn seiner Amtszeit im Dezember 2017 hat der 49-jährige Christdemokrat wie keiner seiner drei Vorgänger der jüngeren sächsischen Geschichte den Kontakt zu den Menschen gepflegt - auch in schwierigen Momenten wie der Corona-Pandemie. Und auch im diesjährigen Wahlkampf hatte man angesichts der Terminfülle den Eindruck, der CDU-Landeschef sei mit mindestens zwei Doubles unterwegs.

Kretschmer wirkt authentisch - in guten wie in schweren Zeiten. Anders lassen sich die hohen Zustimmungswerte für den Regierungschef kaum erklären. Fast zwei Drittel der Sachsen (64 Prozent) würden ihn als Ministerpräsident dem AfD-Widersacher Jörg Urban vorziehen, ergab eine Umfrage Anfang August 2024. Kurz vor der Landtagswahl 2024 in Sachsen hat er in sozialen Medien noch einmal eine Art Treueschwur abgelegt: „Für Sachsen lege ich mich mit jedem an - zur Not auch mit der eigenen Partei“, sagte er und blickte entschlossen in die Kamera. Und wenige Tage nach dem Terroranschlag in Solingen: Er sei immer offen für Dialog, aber beim Thema Sicherheit mache er keine Kompromisse.

Bei der Landtagswahl 2024 in Sachsen lieferten sich am 1. September 2024 CDU und AfD ein enges Rennen. Er sieht seine Partei in der Lage, weiter die Regierung im Land zu bilden. „Das wird alles nicht einfach“, sagt Kretschmer auf der Wahlparty der CDU. „Aber eins gilt: Mit vielen Gesprächen und dem Willen etwas für dieses Land zu tun, kann es gelingen, mit diesem Wahlergebnis Sachsen eine stabile Regierung zu geben, die dem Land dient und mit Demut vorangeht.“

Kretschmer hat Sachsen in den vergangenen Jahren durch schwieriges Fahrwasser manövriert. Dabei galt er 2017 bei seinem Amtsantritt als Verlierer. Damals hatte ihm der heutige AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla in Görlitz das Direktmandat bei der Bundestagswahl abgejagt. Am Tag darauf räumte Kretschmer ein, keinen „Plan B“ zu haben. Genau wie seine Partei habe er einen „ordentlichen Magenschwinger“ erhalten, gab er unumwunden zu. Bis dahin war er genauso erfolgsverwöhnt wie die Sachsen-CDU, die in den 1990-er Jahren dreimal die absolute Mehrheit bei Landtagswahlen errang und erst seit 2004 die Macht mit anderen teilen musste.

Die Union landete bei der Bundestagswahl im Freistaat knapp hinter der AfD. Kretschmers Vorgänger Stanislaw Tillich warf daraufhin das Handtuch und schlug seinen bisherigen sächsischen CDU-Generalsekretär für den Posten vor. Das kam überraschend, obwohl Kretschmer perspektivisch als Kronprinz der Union im Freistaat galt. Doch bei seiner Wahl zum CDU-Landesvorsitzenden war er gerade einmal 42 Jahre alt. Mit 90 Prozent der Stimmen fiel das Votum für den neuen Parteichef überraschend deutlich aus. Wenige Tage später wurde er zum Ministerpräsidenten gewählt - als einer der jüngsten in der Geschichte der Bundesrepublik.

Politisch gesehen ist Kretschmer so etwas wie ein „Wendekind“. „Für Politik begeisterten mich Freunde aus der Jungen Gemeinde, mit denen ich im Wendeherbst 1989 die Friedensgebete in Görlitz besuchte“, beschrieb er einmal seine politischen Anfänge. Tatsächlich stieg er schon mit 19 als Stadtrat in Görlitz in den Politikbetrieb ein. Der gelernte Informationselektroniker studierte später an der Dresdner Fachhochschule Wirtschaftsingenieurwesen. Als er 2005 Generalsekretär der CDU wurde, nahm die Karriere Fahrt auf. Bereits drei Jahre zuvor hatte er erstmals ein Bundestagsmandat erhalten, das er bis 2017 verteidigte.

Dass er gelegentlich auch mit der Bundespartei aneckt, hat ihm zumindest in Sachsen nicht geschadet. Im Fall des Ukraine-Krieges hat er sich von Anfang an immer wieder für eine diplomatische Lösung ausgesprochen und dafür von anderen Unionspolitikern auch Kritik einstecken müssen. Aus seinem Umfeld wird berichtet, dass Kretschmer in den vergangenen Monaten zunehmend dünnhäutiger wurde. Im Wahlkampf hat sich der Vater zweier Söhne nichts anmerken lassen. Kretschmer war omnipräsent und beschwor immer wieder den „sächsischen Weg“: Man könne alle Probleme meistern, wenn man nur aufeinander zugehe, Fehlentwicklungen korrigiere und fest in die Augen schaue.

Kretschmer zu Bündnis mit BSW: „nicht einfach, aber möglich“

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hält nach der Landtagswahl 2024 in Sachsen eine Koalition mit der SPD und dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) für möglich. „Es wird nicht einfach sein, es wird auch seine Zeit dauern, aber es ist möglich“, sagte Kretschmer am Morgen nach der Wahl im Deutschlandfunk.

Seine Partei CDU ist in Sachsen nach den vorläufigen Ergebnissen mit 31,9 Prozent (2019: 32,1 Prozent) knapp stärkste Kraft geworden, dicht gefolgt von der AfD mit 30,6 Prozent (27,5). Das neue BSW erreicht aus dem Stand 11,8 Prozent. Die SPD liegt bei 7,3 Prozent (7,7).

„Ich möchte diesem Land dienen, ich möchte diesem Land eine stabile Regierung geben“, betonte Kretschmer, der gute Chancen hat, Ministerpräsident seines Landes zu bleiben. Der Weg dahin werde aber nicht leicht und könne monatelange Verhandlungen mit den möglichen Koalitionspartnern bedeuten, betonte der CDU-Politiker. Nun gehe es erst mal darum „durchzuatmen“ und sich zu freuen, dass es in Sachsen gelungen sei, eine stabile Regierung bilden zu können. Von Koalitionsverhandlungen sei die CDU noch weit entfernt. Wenn es so weit sei, werde seine Partei ihren „Wertekompass“ auf den Tisch legen und dann werde es Gespräche geben. „Parteiideologien“ müssten dabei in den Hintergrund treten. „Wir reden über Inhalte“, betonte Kretschmer. Zu einer möglichen Zusammenarbeit mit dem BSW sagte er: „Wir koalieren nicht mit Frau Wagenknecht, sondern mit Menschen, die in den Sächsischen Landtag gewählt worden sind.“

Zum Umgang mit der AfD empfahl Kretschmer, vom Begriff der „Brandmauer“ Abstand zu nehmen, weil die Partei diesen Begriff für sich ausnutze. „Die AfD ist eine Meisterin darin, sich als Märtyrerin darzustellen“, sagte der Ministerpräsident. Das verfange bei einem Teil der Wählerschicht. Solche Begriffe würden nicht helfen. Die AfD sei „eine Oppositionspartei wie jede andere, mit allen Rechten und Pflichten“.

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