Strenger Frost in Berlin und Brandenburg: Ab dieser Temperatur können Finger und Zehen abfrieren

Ab welcher Temperatur können Finger und Zehen abfrieren?
Patrick Pleul/dpaWenn der Winter Einzug hält und die Temperaturen in Mitteleuropa in den Bereich des Gefrierpunkts oder darunter fallen, sind nicht nur kalte Hände und Füße eine unangenehme Begleiterscheinung. Bereits bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt besteht die Gefahr, dass exponierte Körperteile wie Finger und Zehen durch Erfrierungen geschädigt werden. Erfrierungen sind Gewebeschäden, die durch das Einfrieren von Haut und tieferliegenden Strukturen entstehen. Die Gefahr besteht nicht ausschließlich bei extremen Minusgraden, sondern hängt von mehreren Umweltfaktoren und individuellen Umständen ab.
Frostbeulen schon ab 0 Grad
Schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt können Kälteschäden auftreten, vor allem wenn die Haut feucht ist oder Wind weht. Wesentlich ist, dass sich der Organismus bei Kälte zunächst schützt, indem er die Durchblutung von Rumpf und lebenswichtigen Organen priorisiert. Diese Reaktion vermindert jedoch die Blutzufuhr in die Hände und Füße und macht sie anfälliger für Kälteschäden. Feuchtigkeit auf der Haut führt dazu, dass der natürliche Isolationsschutz verloren geht. Wind beschleunigt den Wärmeverlust erheblich. Unter solchen kombinierten Bedingungen kann es selbst bei Temperaturen knapp über null zu Schmerzen, Taubheitsgefühl und ersten Anzeichen von sogenannten Frostbeulen kommen. Diese Frostbeulen entstehen, wenn Gewebe nicht ausreichend durchblutet wird und Blutbestandteile verklumpen, was zu Entzündungsreaktionen und Hautschäden führt.
Ab welcher Temperatur Zellen einfrieren und Gewebe abstirbt
Das Einfrieren von Zellen und das damit verbundene Risiko des Absterbens von Gewebe nennt man auch Frostbite. Frostbite beginnt in der Regel erst, wenn die Umgebungstemperatur dauerhaft unter 0 Grad liegt. Die wissenschaftliche Fachliteratur zeigt, dass die Haut und das darunterliegende Gewebe dann zu frieren beginnen können, wenn die Umgebung deutlich unter den Gefrierpunkt fällt. Bei etwa minus 4 Grad bilden sich in den Zellen Eiskristalle, die mechanische Schäden verursachen und Entzündungsprozesse auslösen. Wind, Nässe und niedrige Temperaturen verstärken diesen Effekt deutlich.
Das klinische Bild reicht von vorübergehenden Gefühlsstörungen und Blässe der Haut bis zu tiefen Gewebeschäden, die bleibende Schäden nach sich ziehen können. In fortgeschrittenen Fällen kann abgestorbenes Gewebe schwarz und ledrig erscheinen, und es kann in extremen Fällen sogar zu Amputationen kommen, wenn keine rechtzeitige medizinische Behandlung erfolgt.
Das ist Windchill und diese Rolle spielt es im Winter
Eine kombinierte Größe aus Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit nennt man „Windchill“-Temperatur. Die Rolle der „Windchill“-Temperatur ist entscheidend. Selbst bei „nur“ minus 10 Grad können spitze Kältegefühle, Taubheit und beginnende Erfrierungssymptome innerhalb von Minuten auftreten, wenn starker Wind die isolierende Luftschicht um die Haut wegbläst. Bei sehr niedrigen Windchill-Werten von etwa minus 27 Grad oder darunter kann Frostbite auf unbedeckter Haut innerhalb von rund 30 Minuten auftreten, besonders an freiliegenden Extremitäten wie Fingern und Zehen.
Diese Personen sind besonders für Frostbeulen und Frostbite anfällig
Körperliche und gesundheitliche Faktoren verstärken oder mindern das Risiko zusätzlich. Personen mit schlechter Durchblutung, Diabetes oder anderen Gefäßerkrankungen sowie sehr junge oder ältere Menschen sind besonders gefährdet. Auch Alkoholgenuss kann den Wärmeverlust beschleunigen und die Kälteempfindlichkeit erhöhen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Finger und Zehen nicht erst bei extremer Kälte abfrieren. Schon Temperaturen um den Gefrierpunkt in Verbindung mit Wind, Feuchtigkeit oder mangelhafter Kleidung können erste Erfrierungssymptome hervorrufen. Bei dauerhaft unter null fallenden Temperaturen steigt das Risiko erheblich. Besonders unter starkem Wind kann der Körper in sehr kurzer Zeit, teils innerhalb von Minuten, irreversible Schäden an den Extremitäten erleiden.

