Vibrionen in der Ostsee
: Diese Symptome treten bei einer Infektion auf

Auf diese Symptome sollte man achten, wenn man glaubt, mit Vibrionen in Kontakt gekommen zu sein.
Von
Lukas Böhl
Berlin
Jetzt in der App anhören
Vibrionen-Nachweis im Landesamt für Gesundheit und Soziales

Vibrionen-Nachweis im Landesamt für Gesundheit und Soziales.

Bernd Wüstneck/dpa-tmn/dpa

Vibrionen gehören natürlicherweise zur Bakterienflora der Ostsee. Für die meisten Badegäste stellen sie kein großes Risiko dar. Gefährlich können die Erreger jedoch werden, wenn sie über offene oder kaum sichtbare Hautverletzungen in den Körper gelangen. Besonders bei älteren, chronisch kranken oder immungeschwächten Menschen können sich innerhalb kurzer Zeit schwere Wundinfektionen und eine Blutvergiftung entwickeln.

Das Risiko steigt vor allem bei sommerlich warmem Wasser. Nicht-Cholera-Vibrionen wie Vibrio vulnificus vermehren sich besonders gut bei Temperaturen ab etwa 18 bis 20 Grad Celsius und einem vergleichsweise niedrigen Salzgehalt. Diese Bedingungen finden sich häufig in der Ostsee, in Boddengewässern, Lagunen und flachen Küstenbereichen. Die Bakterien lassen sich weder an der Wasserfarbe noch am Geruch erkennen.

Symptome eine Vibrionen-Infektion

Eine Vibrionen-Infektion beginnt häufig an einer Hautstelle, die mit Ostsee- oder Brackwasser in Kontakt gekommen ist. Mögliche Eintrittspforten sind nicht nur große offene Wunden, sondern auch aufgekratzte Insektenstiche, Hautrisse, Blasen, Schürfwunden, frische Tätowierungen oder kaum sichtbare Verletzungen.

Warnzeichen sind:

  • ungewöhnlich starke oder rasch zunehmende Schmerzen an der Wunde,
  • eine sich ausbreitende Rötung,
  • Überwärmung oder Schwellung,
  • Blasenbildung oder dunkle Verfärbungen der Haut,
  • nässende Wunden und eine schnelle Zerstörung von Haut oder Gewebe,
  • Fieber, Schüttelfrost und ausgeprägtes Krankheitsgefühl,
  • Schwäche, Benommenheit oder Kreislaufprobleme.

Die Beschwerden können bereits zwölf bis 72 Stunden nach dem Wasserkontakt auftreten. Insbesondere Infektionen mit Vibrio vulnificus können sich innerhalb weniger Stunden stark ausbreiten und zu einer Sepsis führen. Das LAGuS betont deshalb, dass bei einem klinischen Verdacht unverzüglich mit einer geeigneten Antibiotikabehandlung und gegebenenfalls einer chirurgischen Wundversorgung begonnen werden muss.

Wer nach dem Baden, Waten oder Angeln eine schnell fortschreitende Entzündung bemerkt, sollte nicht bis zum nächsten Tag warten. Beim Arzt oder in der Notaufnahme muss ausdrücklich auf den vorherigen Kontakt mit Ostsee-, Bodden- oder Brackwasser hingewiesen werden. Bei schweren Allgemeinsymptomen, Atemnot, Verwirrtheit oder Kreislaufproblemen ist der Rettungsdienst unter 112 zu verständigen.

Auch Magen-Darm-Erkrankungen sind möglich

Ein anderer Übertragungsweg sind rohe oder nicht ausreichend erhitzte Meerestiere. Vor allem rohe Austern, Muscheln, Krebstiere und Fisch können Vibrionen enthalten. Eine lebensmittelbedingte Infektion kann Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Schüttelfrost verursachen.

In den deutschen Meldedaten dominieren allerdings schwere Wundinfektionen nach Kontakt mit Küstenwasser. Leichtere Durchfallerkrankungen werden vermutlich nicht vollständig erfasst, weil sie teilweise ohne ärztliche Behandlung abklingen. Seit 2020 sind Vibrionen-Infektionen in Deutschland meldepflichtig.

Wer besonders gefährdet ist

Ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben vor allem:

  • ältere Menschen,
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem,
  • Personen mit Lebererkrankungen, Diabetes oder schweren Herzerkrankungen,
  • Krebspatienten sowie Menschen während oder nach einer Chemotherapie,
  • Personen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden.

Für gesunde Menschen ist das Risiko einer schweren Erkrankung wesentlich geringer. Offene Wunden sollten dennoch nicht mit warmem Ostsee- oder Brackwasser in Kontakt kommen. Das gilt auch für kleine Hautverletzungen.

Wo lässt sich die aktuelle Vibrionen-Lage prüfen?

Eine flächendeckende, täglich aktualisierte Messung der Vibrionen-Konzentration an jeder Badestelle gibt es nicht. Für eine realistische Einschätzung sollten deshalb mehrere Informationsangebote kombiniert werden.

Badewasserkarte Mecklenburg-Vorpommern

Auf der Badewasserkarte MV werden während der Saison rund 500 Badestellen überwacht. Angezeigt werden unter anderem aktuelle Wassertemperaturen, Sichttiefe, Badeempfehlungen und Messwerte für Escherichia coli und intestinale Enterokokken. Außerdem können dort örtliche Warnhinweise veröffentlicht werden. Das LAGuS verweist für die aktuelle Badesaison ausdrücklich auf diese Karte.

Wichtig: Die üblichen Werte für E. coli und Enterokokken zeigen vor allem fäkale Verunreinigungen an. Eine Einstufung als „zum Baden geeignet“ bedeutet daher nicht automatisch, dass keine Vibrionen vorhanden sind. Auf einzelnen Einträgen der Badewasserkarte wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich Vibrionen bei Wassertemperaturen über 18 Grad vermehren können.

Vibrio Viewer des ECDC

Der Vibrio Viewer des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten zeigt, wo Temperatur und Salzgehalt günstige Bedingungen für Vibrionen schaffen. Das Modell wird mit aktuellen Meeresdaten gespeist und bietet neben zurückliegenden Daten eine Vorhersage für fünf Tage.

Die Karte ist eine Risikoprognose und keine Laboranalyse. Sie zeigt also, wo Vibrionen gute Wachstumsbedingungen vorfinden – nicht, wie viele Bakterien an einem bestimmten Strand tatsächlich gemessen wurden. Auch das Berliner LAGeSo weist ausdrücklich auf diese Einschränkung hin.

So lässt sich das Risiko senken

Menschen mit offenen, frischen oder schlecht heilenden Wunden sollten bei sommerlich warmem Wasser auf das Baden und Waten in Ostsee, Bodden und Achterwasser verzichten. Kleine Verletzungen können mit einem zuverlässig wasserdichten Verband geschützt werden. Gelangt dennoch Meerwasser an eine Wunde, sollte sie anschließend mit sauberem Leitungswasser gereinigt und aufmerksam beobachtet werden.

Rohe Austern und andere rohe Meeresfrüchte stellen einen zusätzlichen Übertragungsweg dar. Gerade Menschen aus den genannten Risikogruppen sollten Fisch, Muscheln und Krebstiere vollständig durchgaren.

Für gesunde Badegäste besteht kein Anlass zur Panik. Entscheidend ist, Warnzeichen ernst zu nehmen. Eine schnell zunehmende, ungewöhnlich schmerzhafte Wundentzündung nach Kontakt mit Ostsee- oder Brackwasser ist kein Fall für längeres Abwarten – bei einer Vibrionen-Infektion kann eine frühzeitige Behandlung lebensrettend sein.