Vibrionen in der Ostsee: Drei Berliner erkrankt, ein Mensch gestorben

Vibrionen sind Bakterien, die weltweit in Meeren, Flussmündungen, Brackwasser, aber auch in Binnenseen vorkommen. (Symbolbild)
Bernd Wüstneck/dpa-tmn/dpaDrei Menschen aus Berlin haben sich in diesem Sommer mit Vibrionen infiziert. In zwei Fällen entwickelte sich eine schwere Blutvergiftung, eine der betroffenen Personen starb. Besonders gefährdet sind ältere und vorerkrankte Menschen mit offenen Wunden.
Die Berliner Gesundheitsbehörden haben in der laufenden Saison drei Infektionen mit Vibrionen registriert. Das geht aus dem aktuellen epidemiologischen Wochenbericht des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) hervor. Einer der Fälle wurde in der Meldewoche vom 13. bis 19. Juli bekannt.
Damit liegt die Zahl der Erkrankungen über dem langjährigen Vergleichswert. In den vergangenen Jahren war bis zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich lediglich ein Fall gemeldet worden.
Zwei Erkrankte entwickelten eine Sepsis
Bei allen drei Personen handelte es sich nach Angaben des Lageso um Wundinfektionen. In zwei Fällen breiteten sich die Bakterien im Körper aus und führten zu einem septischen Krankheitsbild. Eine dieser Infektionen endete tödlich.
Alle Betroffenen waren älter als 75 Jahre und gehörten damit zu einer besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe. Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem für ältere und immungeschwächte Menschen sowie für Personen mit chronischen Erkrankungen. Dazu zählen unter anderem Diabetes, Lebererkrankungen und schwere Herzleiden.
Zwei der Erkrankten sollen zuvor in Meer- oder Boddenwasser an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns gebadet haben. Wie sich die dritte Person infizierte, sei bislang nicht bekannt.
Wärme begünstigt die Vermehrung der Bakterien
Vibrionen kommen natürlicherweise in Küsten- und Brackgewässern vor. Besonders günstige Bedingungen finden sie in warmem Wasser mit vergleichsweise niedrigem Salzgehalt. Steigen die Wassertemperaturen auf mehr als 20 Grad, können sich die Bakterien stark vermehren.
Die Ostsee ist wegen ihres geringen Salzgehalts besonders betroffen. Ein erhöhtes Vorkommen ist vor allem in flachen Küstenabschnitten möglich, die sich bei sommerlichen Temperaturen schnell erwärmen.
Für gesunde Menschen ist das Baden in der Regel nicht gefährlich. Problematisch kann es jedoch werden, wenn erregerhaltiges Wasser mit offenen oder noch nicht vollständig verheilten Wunden in Kontakt kommt.
Bei offenen Wunden besser auf das Baden verzichten
Menschen mit frischen, größeren oder schlecht heilenden Verletzungen sollten derzeit nicht in der Ostsee baden oder durch flaches Küstenwasser waten. Kleinere Wunden sollten vor dem Baden vollständig und wasserdicht abgedeckt werden.
Ist eine Verletzung dennoch mit Ostseewasser in Kontakt gekommen, sollte sie möglichst schnell gründlich mit sauberem Leitungswasser ausgespült werden. Anschließend muss die betroffene Stelle aufmerksam beobachtet werden.
Eine schnelle Rötung, starke Schwellungen oder zunehmende, pochende Schmerzen können auf eine Infektion hindeuten. Treten zusätzlich Fieber oder Schüttelfrost auf, sollten Betroffene unverzüglich ärztliche Hilfe suchen oder eine Notaufnahme aufsuchen. Vibrionen-Infektionen können sich innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlimmern.
Auch über rohe oder nicht vollständig durchgegarte Meeresfrüchte und Fische können Vibrionen aufgenommen werden. In solchen Fällen sind unter anderem schwere Magen-Darm-Erkrankungen möglich. Empfindliche Personen sollten entsprechende Lebensmittel deshalb nur gut durchgegart verzehren.
