Wal Timmy ist tot
: Experten warnen vor Explosion

Der Buckelwal „Timmy“ ist tot vor der dänischen Insel Anholt entdeckt worden. Experten warnen vor einer möglichen Explosionsgefahr.
Von
David Hahn
Anholt
Jetzt in der App anhören
Toter Wal vor dänischer Insel Anholt entdeckt

Der tote Buckelwal „Timmy“ liegt vor der dänischen Insel Anholt.

Marcus Golejewski/dpa

Der Tod des Buckelwals „Timmy“ beendet einen Fall, der in den vergangenen Wochen bundesweit Aufmerksamkeit ausgelöst hatte. Das Tier war mehrfach an den Küsten von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gestrandet und Anfang Mai von einer privaten Initiative mit großem Aufwand Richtung Nordsee transportiert worden. Nun wurde der Wal tot vor der dänischen Insel Anholt gefunden.

Wal Timmy aktuell: Buckelwal bleibt voraussichtlich in Dänemark

Nach Angaben des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern dürfte das Tier bereits seit mindestens einer Woche tot gewesen sein, möglicherweise auch länger. Wegen des fortgeschrittenen Verwesungszustands planen die dänischen Behörden derzeit weder eine Bergung noch eine genauere Untersuchung des Kadavers. Der tote Wal werde laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) derzeit nicht als Problem eingeschätzt. Außerdem bestehe die Gefahr einer Explosion. Experten zufolge können tote Wale explodieren, weil im Zuge der Verwesung Gase entstehen, die durch die dicke Speckschicht ihrer Haut nicht entweichen können. Die dänischen Behörden raten dazu, Abstand zu dem toten Wal zu halten. Zudem bestehe die Gefahr, dass der Wal Krankheiten in sich trage, die auf Menschen übertragbar sein könnten.

GPS-Sender bestätigt Identität von „Timmy“

Zunächst war unklar gewesen, ob es sich bei dem toten Tier tatsächlich um „Timmy“ handelt. Gewissheit brachte schließlich ein GPS-Sender, den die private Initiative vor der Freilassung am Wal angebracht hatte. Eine Tierärztin der Initiative fand den Tracker gemeinsam mit dänischen Tauchern am Tier. Die Seriennummer stimmte mit den Daten des Senders überein.

Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern bemüht sich nun darum, die Daten des Trackers auszuwerten. Dadurch könnten möglicherweise Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie lange der Wal nach seiner Freilassung noch lebte und wo er sich zuletzt aufgehalten hatte. Karin Walter-Mommert, eine der Geldgeberinnen für die vorhergehende Bergung von der deutschen Küste, habe dem Ministerium laut der dpa die Möglichkeit einer entsprechenden Auswertung zugesagt. Noch habe die dänische Umweltbehörde den Sender.

Der Buckelwal war am 2. Mai rund 70 Kilometer vor Skagen in der Nordsee freigelassen worden. Danach blieb zunächst unklar, wo sich das Tier aufhielt. Das Schweriner Umweltministerium erklärte später, entgegen ursprünglicher Ankündigungen keine Standortdaten erhalten zu haben.

Wissenschaftler hatten geringe Überlebenschancen gesehen

Die Internationale Walfangkommission (IWC), das Deutsche Meeresmuseum und weitere Fachleute hatten die Rettungsaktion kritisch bewertet. Nach ihrer Einschätzung war der Wal schwer geschwächt und möglicherweise krank. Einige Experten gingen davon aus, dass das Tier mutmaßlich wiederholt strandete, um in Ruhe sterben zu können.

Trotz dieser Warnungen hielten die Unternehmer Walter Gunz und Karin Walter-Mommert an der Rettungsaktion fest. Nach dem Transport kam es später zu Streit zwischen Initiative, Behörden und beteiligter Reederei über Verantwortung und Ablauf der Freilassung.

Thilo Maack von Greenpeace sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Mit diesem Todfund findet jetzt diese zum Teil absurde Geschichte ein Ende. Die Lehre, die daraus gezogen werden kann, ist, dass es wirklich Sinn macht, auf die Wissenschaft zu hören und von dem Einzelschicksal des bemitleidenswerten Tieres Aufmerksamkeit auf ein größeres Problem zu lenken“ - nämlich den unzähligen Walen und Delfinen, die qualvoll als Beifang in Fischereinetzen verenden.

Wale stark bedroht - Forscher spricht von „Exodus“

Der Walforscher und Mitgründer des gemeinnützigen Wal- und Delfinschutzvereins „M.E.E.R.“, Fabian Ritter, sieht das genauso und betont im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: „Was da stattfindet in unseren Meeren, ist ein Exodus, der es von den getöteten Tieren oder sterbenden Tieren gesehen von der Anzahl her ganz locker mit der Walfang-Ära aufnehmen kann. Also das sind größere Opferzahlen als zu den höchsten Zeiten des brutalen Walfangs.“ Die Ursachen - vor allem die Fischerei und ihre Methoden - zu überdenken, sei daher das Gebot der Zeit.

Neben Fischerei bedrohen vor allem Müll in den Meeren und die Klimakrise mit steigenden Meeres-Temperaturen die Wale, wie die Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) erklärt: Dadurch änderten sich Lebensräume, und Tiere müssten ihr Verhalten anpassen, was sie teils schwächer und anfälliger für Krankheiten oder andere Probleme mache.

Mit Material der dpa und AFP