Ostsee vor Ahrenshoop: Warum der DDR-Bunker ins Meer stürzte und was jetzt damit passiert
UPDATE An der Steilküste zwischen den Ostseebädern Ahrenshoop und Wustrow (Landkreis Vorpommern-Rügen) ist am Wochenende ein ehemaliger Überwachungsbunker der DDR-Streitkräfte abgerutscht.
Dass es passieren würde, wussten die Behörden. Vor einigen Jahren waren bereits Teile der weitläufigen Anlage ins Meer gerutscht. Vorsorglich war der betreffende Küstenabschnitt gesperrt.
Am Dienstag (20.02.) äußert sich der Bürgermeister von Ahrenshoop auch offiziell zu den vermutlichen Gründen und gibt einen Ausblick, was nun mit den Trümmern passieren wird.
Alter DDR-Bunker vor Ahrenshoop: Bürgermeister teilt Bilder und Vermutung
Wie Bürgermeister Benjamin Heinke am Montag (19.02.) sagte, gab der Hang am Wochenende dem Gewicht des massiven Betonbauwerks nach.
„Wir hatten schon seit Längerem damit gerechnet und den gefährdeten Küstenabschnitt abgesperrt. Der anhaltende Regen der letzten Wochen hat den Vorgang nun wohl beschleunigt“, erklärte Heinke.
Auf Facebook teilte der CDU-Politiker auch Fotos des abgestürzten Ostsee-Bunkers.
Er erneuerte den Aufruf, die Warnhinweise ernst zu nehmen, sich von der Abbruchkante fernzuhalten und den Strandabschnitt etwa auf der Mitte der gut drei Kilometer langen Steilküste nicht zu betreten. „Es besteht Lebensgefahr“, warnt der Bürgermeister und kündigte Gespräche mit den zuständigen Behörden zum weiteren Vorgehen an.
Das Abrutschen war eine Frage der Zeit
Nach Angaben Heinkes ist der jetzt abgerutschte Bunker Teil einer größeren Anlage, die die Nationale Volksarmee (NVA) Ende der 1950er Jahre errichten ließ, um das Geschehen auf der Ostsee zu überwachen.
Das etwa 15 Meter hohe Kliff an der Westküste der Halbinsel Fischland/Darß/Zingst bot topografisch dafür beste Voraussetzungen.
Infolge der natürlichen Küstenerosion wurde die nach 1990 mit Sand gefüllte Anlage im Laufe der Jahrzehnte unterspült. Einige Teile der Bunkeranlage waren bereits vor Jahren ins Meer gestürzt. Dort trotzen sie nun den Wellen. Der Uferweg ist bei Touristen sehr beliebt, musste aus Sicherheitsgründen an mehreren Stellen aber bereits verlegt werden. Eine Treppe, die zum Strand hinabführte, war schon vor Längerem entfernt worden.
Das passiert nun mit dem Bunker
Heinke geht zunächst davon aus, dass auch der nun in Bewegung geratene Teil des Bunkers seinem Schicksal überlassen bleibt. Für eine Zerlegung der dicken Betonwände und einen Abtransport fehle der Kommune ohnehin das Geld. Nach den Worten des Bürgermeisters könnten die Betonblöcke dazu beitragen, die Kraft der Wellen zu verringern und die Unterspülung des Kliffs zu bremsen.
Künstlicher Steinwall vor Ahrenshoop soll Unterspülung abmildern
Direkt vor Ahrenshoop war ein künstlicher Steinwall errichtet worden, um dort das Ufer und die in der Nähe stehenden Gebäude zu schützen. Die Ostsee-Sturmflut im Oktober vorigen Jahres hatte am sogenannten Weststrand des Darß massive Schäden angerichtet.
Anfang Februar hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) Ostseebesucher zu besonderer Vorsicht ermahnt. „Bedingt durch vermehrt auftretende Sturmhochwasser und ergiebige Niederschläge müssen wir im Winterhalbjahr permanent mit Abbrüchen rechnen. Die Böden sind feucht und aufgeweicht, da kann es schnell zu Bewegungen kommen“, begründete er seinen Aufruf, sich von Steilufern fernzuhalten. Auch an Dünen könnten sich Kliffkanten von bis zu sieben Metern Höhe bilden, wie sich bei der Sturmflut vom 20./21. Oktober gezeigt habe.


