Wassersport: Segeln lernen in Berlin und Brandenburg und was ein Segelschein kostet

Die Segelsaison 2024 steht in den Startlöchern. Ob man zum Segeln einen Segelschein benötigt, wo man in Berlin und Brandenburg Segeln lernen kann und was ein Sportbootführerschein kostet. (Symbolbild)
Frank Hammerschmidt/dpaDie Seen in Berlin und Brandenburg erwachen im Frühling und Sommer wieder zum Leben. Neben Paddel-, Tret- und Motorbooten füllen auch viele Segelboote die Wasseroberfläche. Vor allem Segeln wird immer beliebter. Die Segelsaison 2024 läuft auf Hochtouren und auch die Ferienkurse für den Segelschein haben begonnen. Aber benötigt man diesen überhaupt, was kostet er und wie lange dauert es, Segeln zu lernen?
ÜBERSICHT
- Wo kann man den Segelschein machen?
- Segelscheine für Erwachsen und Kinder und was sie kosten
- Wann benötigt man einen Segelschein?
Viele Wassersportzentren in Berlin und Brandenburg bieten Segelkurse an
Wie bei so vielen Themen gibt es keine deutschlandweite Einigung zum Segelschein. In manchen Bundesländern ist der Sportbootführerschein Binnen unter Segel Pflicht, für den Bodensee gilt sogar ausschließlich das Bodenseeschifferpatent und andere Bundesländer setzen lediglich Grundlagenwissen voraus. Denn ohne die wird es schwierig zu manövrieren oder gar die Vorfahrt auf dem Wasser zu beachten.
In Berlin und Brandenburg gibt es viele Segelschulen, an denen man ganzjährig seinen Segelschein absolvieren kann. Dazu muss man erstmal wissen, dass es mehrere Scheine gibt. Worin sie sich unterscheiden, wann man sie benötigt und was sie kosten, erfahrt ihr in den nächsten Absätzen. Wir beschränken uns dabei auf Segelscheine für Binnengewässer.
Welche Segelscheine gibt es und was kosten sie?
Der amtliche Segelschein: Sportbootführerschein Binnen unter Segel (SBF-Binnen)
Der SBF-Binnen unter Segel ist oft der erste offizielle Segelschein, den viele erwerben. Er bildet die Grundlage für alle weiteren Segelscheine, wie SBF-See oder den SKS, da in der Ausbildung die wesentlichen Segelgrundlagen vermittelt werden. Viele Bootsverleiher verlangen diesen Segelschein als Voraussetzung für das Mieten eines Bootes, obwohl er gesetzlich nur auf bestimmten Landesgewässern (zum Beispiel in Berlin und Brandenburg) für Segelboote mit einer Segelfläche von mehr als 6 m² erforderlich ist.
Den SBF-Binnen unter Segel kann man bereits ab 14 Jahren erwerben. Weiterhin ist ein ärztliches Attest (allgemeine Gesundheitsuntersuchung, Seh- und Hörtest) erforderlich und eine ausreichende Zuverlässigkeit sollte man nachweisen können, zum Beispiel durch den PKW-Führerschein oder ein Führungszeugnis.

Der Sportbootführerschein Binnen unter Segel kann bereits mit 14 Jahren erworben werden. Für den Bereich „unter Motor" muss man 16 Jahre alt sein.
Doreen MatschukJe nach Kenntnisstand und Vorerfahrung ist es nötig einen kompletten Segelkurs zu besuchen, der um die 600 Euro kostet. Dazu gehören ca. 16 Stunden Theorie und 10 Praxiseinheiten á 3 Stunden segeln. Viele Segelschulen bieten Theorie und Praxis als separate Teile an oder auch Auffrischungsstunden vor der Prüfung. Dann fallen nur noch die Prüfungsgebühren und Kosten für das ärztliche Attest an. Ein ärztliches Attest liegt bei ungefähr 40 Euro und für die Theorie- und Praxisprüfung plus Führerscheinausstellung werden rund 126 Euro fällig.
Kombiniert man den SFB Binnen unter Segel und Motor, fallen ca. 172 Euro Prüfungsgebühren an. Den Sportbootführerschein Binnen unter Segel bietet so gut wie jede gute Wassersportschule an. Oft gibt es auch Ferienkurse oder sogenannte Kompaktkurse, in denen man innerhalb kürzester Zeit alles beigebracht bekommt, was zum sicheren Segeln notwendig ist.
Kosten für den amtlichen Segelschein SBF-Binnen unter Segel
Kompletter Kurs: ab 600 Euro
+ ärztliches Attest: 40 Euro
+ Prüfung: 126 Euro
= ab 766 Euro
Nichtamtliche Segelscheine beim DSV, VDS und VDWS
Es gibt auch nichtamtliche Segelscheine, die für Anfänger oder Kinder geeignet sind. Diese Scheine können auch als Nachweis für Segelerfahrung bei Bootsvermietungen dienen, haben aber keine rechtliche Bedeutung. Bei nichtamtlichen Segelscheinen steht die praktische Ausbildung im Vordergrund, während die theoretischen Kenntnisse auf das Wesentliche beschränkt sind.
Der DSV-Jugendsegelschein ist für Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren gedacht. Dafür ist die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten nötig sowie das deutsche Jugendschwimmabzeichen in Bronze oder 15 Minuten Dauerschwimmen im tiefen Wasser. Der Jugendsegelschein wird allerdings mit Vollendung des 17. Lebensjahres ungültig.
Der DSV-Sportsegelschein ist ebenfalls ein Zertifikat des Deutschen Segler-Verbandes (DSV). Es werden dabei alle notwendigen Segel- und Regattakenntnisse vermittelt. Die Prüfung ist ab 14 Jahren möglich und man muss sicher schwimmen können. Bei minderjährigen Bewerbern ist zusätzlich die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters erforderlich und in einigen Bundesländern kann auch ein Sportgesundheitspass erforderlich sein.
Für beide Scheine beträgt die Ausbildungsdauer meist 5 Tage am Stück, oft im Rahmen der Ferienzeit, und kostet zwischen 250 und 400 Euro, sofern man nicht in einem Segelverein Mitglied ist. Dort sind diese Scheine größtenteils sehr preiswert oder sogar kostenlos. Beide Scheine lassen sich in DSV Vereinen oder anerkannten Segelschulen erwerben.

Das sind die kleinsten Segelboote, die es für Kinder gibt – die Optimisten. Auch im jungen Alter ist es schon möglich Segeln zu lernen. Den ersten Segelschein darf man ab 7 Jahren machen.
Daniel Cole/AP/dpaDer Verband Deutscher Sportbootschulen (VDS) bietet ebenfalls mehrere nichtamtliche Scheine in den Kategorien Kindersegeln, Jollensegeln, Katamaransegeln und Yachtsegeln an. Die Webseite vom VDS bietet sehr gut aufbereitete Informationen. Die Scheine kann man an allen VDS zertifizierten Segelschulen absolvieren. Die Preise unterscheiden sich sehr nach den jeweiligen Segelschulen und dem Umfang des Kurses, beginnen bei um die 250 Euro für Segel-Junior Grundschein Optimist bis zu 650 Euro für den Grundschein Segeln Yacht.
Zu guter Letzt gibt es noch den Internationalen Ausbildungsverband für Wassersport (VDWS). Auch hier werden nichtamtliche Segelscheine angeboten, z. B. der Jüngsten Segelschein für Binnen und küstennahe Reviere unter Aufsicht ab einem Mindestalter von 7 Jahren sowie der Segel- und Catamaran Grundschein ab 14 Jahren. Der letzte genannte befähigt im In- und Ausland zum Ausleihen von entsprechenden Booten - die Ausnahmen dabei sind Berliner Gewässer und der Bodensee. Der Kostenpunkt beim Jüngstenschein beträgt um die 250 Euro für 12 Stunden segeln. Den Segel- und Catamaran Grundschein kann man ab 400 Euro erwerben.
Kosten für nichtamtliche Segelscheine
DSV-Jugendsegelschein und DSV-Sportsegelschein:
- kostenlos innerhalb eines Vereins
- ohne Verein 250 - 400 Euro
Segelscheine vom Verein Deutscher Sportbootschulen (VDS):
- je nach Schule und Kursumfang 250 - 650 Euro
Segelscheine vom VDWS
- Jüngstenschein ab 250 Euro
- Segel- und Catamaran Grundschein ab 400 Euro
Wann benötigt man einen Segelschein in Berlin und Brandenburg?
Solange die Segelfläche weniger als 6 m² hat, ist kein Segelschein auf den Seen in Berlin und Brandenburg nötig. Eine Führerscheinpflicht besteht, sobald das Segelboot eine Segelfläche von mindestens 6 m² hat - das gilt jedenfalls für Berlin. Auf den Landesgewässern in Brandenburg ist es erlaubt, ohne Segelschein auch Boote mit mehr als 6 m² Segelfläche zu führen. Dies gilt unter anderem auf dem Unteruckersee, den Ruppiner Gewässern, den Emster Gewässern sowie dem Schwielochsee.
Für die Binnenschifffahrtsstraßen in Berlin und Brandenburg ist nach Anlage 8 der Sportbootführerscheinverordnung (SpFV) jedoch der amtliche Segelschein für Segelboote mit mehr als 6 m2 Segelfläche vorgeschrieben. Dazu zählen folgende Gewässer:
- Havel-Oder-Wasserstraße von der Spreemündung bei Spandau bis km 10,20 einschließlich Nieder Neuendorfer See, Spandauer Havel mit Tegeler See
- Untere Havel-Wasserstraße von der Spreemündung bei Spandau bis km 16,40 einschließlich Pichelsdorfer Havel mit Großem Wannsee
- Spree-Oder-Wasserstraße von der Abzweigung aus der Havel bei Spandau bis Oder-Spree-Kanal (km 45,10) einschließlich Untere Spree, Berliner Spree, Treptower Spree mit Ruhlebener Altarm, Rummelsburger See, Müggelspree von der Einmündung in die Spree-Oder-Wasserstraße (Köpenick) bis km 11,40 einschließlich Großem und Kleinem Müggelsee sowie „Die Bänke“, Langer See, Großer Krampe, Seddinsee, Griebnitzsee, Kleinmachnower See, Stölpchensee, Pohlesee, Kleiner Wannsee
Eine detaillierte Darstellung der Binnenschifffartsstraßen und Landesgewässer Brandenburgs als PDF zum Download
Letztendlich gilt immer, sich über die vor Ort herrschenden Regeln zu informieren, bevor man fremde Gewässer befährt.



