Wetterphänomen
: UN-Bericht: Menschheit „gefährlich weit“ vom Erreichen ihrer Klimaziele entfernt

Die Erde steuert bis 2100 auf eine folgenschwere Erwärmung zu. Die Konsequenzen dieser Erwärmung sind jetzt schon spürbar und zerstörerisch.
Von
dpa
Paris
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El Nino: ARCHIV - 09.10.2026, USA, Oceanside: Oceanside wird während einer historischen El-Niño-Saison von hohen Wellen heimgesucht. Kelvin-Wellen haben an der Küste erhebliche Schäden verursacht. Die für das Wetterphänomen El Niño entscheidende Meeresregion ist aktuell so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. (zu dpa: «WMO warnt: Es droht El Niño mit beispielloser Stärke») Foto: Jake Lee Green/ZUMA Press Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Oceanside (USA) wird während einer historischen El-Niño-Saison von hohen Wellen heimgesucht. Kelvin-Wellen haben an der Küste erhebliche Schäden verursacht. Die für das Wetterphänomen El Niño entscheidende Meeresregion ist aktuell so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Jake Lee Green/ZUMA Press Wire/dpa
  • UN-Bericht warnt: Welt verfehlt Klimaziele deutlich, Emissionen bleiben auf Rekordstand.
  • Erde steuert bis 2100 trotz Zusagen auf 2,6 Grad Erwärmung zu – Kurs deutet auf 2,8 Grad.
  • G20 sollen führen, sagt Guterres. Folgen sind schon spürbar: Fluten, Hitzewellen, Brände.
  • Unep: 50-Prozent-Chance zurück zu 1,5 Grad, wenn Emissionen bis 2035 jährlich um 6 Prozent sinken.
  • Kritik an Deutschland: Ziele wackeln, Tempo gefordert. Streit um Gasheizungen und E-Mobilität.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Die Menschheit ist laut einem UN-Bericht „gefährlich weit“ vom Erreichen ihrer Klimaziele entfernt. Die gegenwärtigen nationalen Klimaschutzmaßnahmen seien völlig unzureichend und der weltweite Treibhausgasausstoß weiter „auf Rekordstand“, kritisierte UN-Generalsekretär António Guterres am Mittwoch anlässlich des sogenannten Emissions Gap Report des UN-Umweltprogramms (Unep). Der Bericht ist eine deutliche Mahnung knapp drei Wochen vor der Weltklimakonferenz in Antalya. Greenpeace und der WWF kritisierten auch die deutsche Klimapolitik.

Das Unep ermittelt in seinem Bericht alljährlich die Lücke zwischen den zu erwartenden Emissionen und den Werten, die für eine Erreichung der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens notwendig wären.

Erde steuert auf folgenschwere Erwärmung zu

Selbst wenn alle Staaten ihre neuesten Klimaschutzzusagen vollständig erfüllten, steuere die Erde bis 2100 auf eine folgenschwere Erwärmung um 2,6 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu, heißt es im neuesten Bericht. Angesichts des gegenwärtigen klimapolitischen Kurses der Staaten sei sogar mit einer Erwärmung um 2,8 Grad zu rechnen.

Vergangenes Jahr war der Bericht noch von einer Erderwärmung um 2,3 bis 2,5 Grad ausgegangen. Die internationale Gemeinschaft hatte sich im Pariser Abkommen von 2015 darauf verständigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Guterres kritisierte nun, die Menschheit habe ihr Wort gebrochen. „Die Welt kann es nicht mehr verhindern, die 1,5-Grad-Grenze zu überschreiten, und die Konsequenzen sind jetzt schon zerstörerisch“, erklärte der UN-Generalsekretär. „Tödliche Überflutungen, brutale Hitzewellen, wütende Waldbrände, Todesfälle, gelähmte Volkswirtschaften“ seien die Folge. Dennoch stiegen die Emissionen aus der Nutzung von Erdöl, Erdgas und Kohle, der größten Treiber der Klimakrise, 2025 im Vergleich zum Vorjahr weiter leicht an.

Situtaion verschärft seit Ausstieg der USA aus Klimaabkommen

Seit der Industrialisierung hat sich die Erde bereits um etwa 1,4 Grad erwärmt. Klima-Wissenschaftler warnen, dass jede minimale Erwärmung über 1,5 Grad hinaus das Risiko für unumkehrbare negative Folgen wie etwa das Schmelzen von Gletschern erhöht. Guterres appellierte an die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), die für drei Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, den Kampf gegen die Erderwärmung anzuführen.

Laut dem Unep-Bericht hat sich der Ausblick insbesondere wegen des Ausstiegs der USA aus dem Pariser Klimaabkommen verschlechtert. Angesichts eines erhöhten Strombedarfs und eines vermehrten Rückgriffs auf Kohlekraftwerke stießen die USA dem Bericht zufolge vergangenes Jahr 133 Megatonnen CO2-Äquivalent mehr Treibhausgase aus als im Vorjahr - ein Zuwachs, der die Anstiege jedes anderen Landes „bei weitem übertreffe“.

Unep-Chefin Inger Andersen kritisierte diesen Kurs. Schließlich habe der Klimawandel „Auswirkungen auf jedes Land auf dem Planeten, die USA eingeschlossen“. Von sechs größten Treibhausgas-Emittenten der Welt stießen außer den USA auch Indonesien und China 2025 mehr Emissionen aus als 2024. Einen Rückgang gab es in Indien, Russland und der Europäischen Union.

Bundesumweltminister drängt auf mehr Tempo beim Klimaschutz

Laut dem Unep-Bericht besteht eine 50-prozentige Chance, dass der globale Temperaturanstieg bis 2100 wieder auf 1,5 Grad zurückgefahren werden kann. Dafür müsste er bis 2050 mit 1,8 Grad seinen Höhepunkt erreichen. Für das Szenario zurück zur 1,5-Grad-Grenze müssten die weltweiten Emissionen laut Unep bis 2035 jährlich um jeweils rund sechs Prozent zurückgefahren werden. Nach heutigem Stand ist dies allerdings nicht realistisch.

Das Bundesumweltministerium bezeichnete die Berichtsbefunde als „dramatisch“. Dies sei „nochmal ein klares Signal“ für die UN-Klimakonferenz, die am 9. November in Antalya beginnt, sagte ein Ministeriumssprecher. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) drang auf mehr Tempo beim Klimaschutz. Aus bisher international gemachten Zusagen müssten „schnellere Emissionssenkungen werden“, forderte er in Berlin.

Allerdings werfen Umweltverbände der Bundesregierung vor, selbst Klimaschutzvorgaben aufzuweichen. „Fossile Energien sind der Hauptverursacher und Treiber für die Klimakrise, aber die Bundesregierung übersetzt den Ernst der Lage noch immer nicht in die notwendige Politik“, kritisierte WWF-Klimaexpertin Fentje Jacobsen. Laut dem deutschen Expertenrat für Klimafragen ist ohne zusätzliche Maßnahmen nicht damit zu rechnen, dass Deutschland seine nationalen Emissionsziele für 2030 sowie für die Folgejahre erreicht.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) müsse „jetzt seinen Kurs radikal korrigieren, statt Klimaschutz in Deutschland und der EU zu bremsen“, forderte Martin Kaiser von Greenpeace Deutschland. „Ohne einen klaren Kurswechsel der Industrie- und Schwellenländer wird sich der schon jetzt katastrophale Temperaturanstieg weltweit mehr als verdoppeln. Damit wäre der jüngste Extremsommer mit Notschlachtungen, Ernteausfällen und über 15.000 Hitzetoten allein in Deutschland nur der Vorgeschmack für deutlich dramatischere Klimafolgen.“

Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung kam auch von den Grünen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) werbe für mehr Gasheizungen und Merz wolle den Umstieg auf Elektromobilität ausbremsen, sagte Fraktionsvize Andreas Audretsch der Nachrichtenagentur AFP.