Wolfgang Behrendt ist tot
: Er schrieb DDR-Sportgeschichte

Wolfgang Behrendt, ehemaliger deutscher Amateurboxer, Sportfotograf, Entertainer und erster Olympiasieger der DDR 1956, ist tot. Er wurde 90 Jahre alt.
Von
David Hahn
Berlin
Jetzt in der App anhören
Wolfgang Behrendt, 85. Geburtstag am 14. Juni Olympiasieger Wolfgang Behrendt (DDR) präsentiert seine Goldmedaille der Olympischen Sommerspiele 1956 in Melbourne Boxen OS Sommer Herren Boxsport 1956, Amateurboxen, Bantamgewicht, Olympische Spiele, Vneg, Vsw Porträt Shooting, Fotoshooting, Fototermin Berlin

Olympiasieger Wolfgang Behrendt (DDR) präsentiert seine Goldmedaille der Olympischen Sommerspiele 1956 in Melbourne.

imago images/Camera 4

Wolfgang Behrendt schrieb 1956 olympische Geschichte, als er im Bantamgewicht Gold gewann. Als Mitglied der gesamtdeutschen Mannschaft wurde er damit zum ersten Olympiasieger aus der DDR. Nun wurde bekannt, dass Behrendt bereits am 22. Juni 2026, gut eine Woche nach seinem 90. Geburtstag (14. Juni), gestorben ist. Seine Beisetzung fand bereits im engsten Familienkreis statt.

Wolfgang Behrendt: Olympiasieg machte ihn zur Box-Legende

Seinen größten sportlichen Erfolg feierte Behrendt bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne. Im Finale des Bantamgewichts besiegte der damals 20-Jährige den Südkoreaner Song Soon-chun und gewann die Goldmedaille. Behrendt startete damals für die gesamtdeutsche Mannschaft. Der Erfolg machte ihn zum ersten Olympiasieger aus der DDR.

Neben dem Olympiasieg gewann Behrendt 1955 Bronze bei den Europameisterschaften sowie die DDR-Meisterschaften 1955, 1957 und 1960. Von seinen 201 Amateurkämpfen gewann Behrendt 188, fünf endeten unentschieden, acht verlor er.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn blieb der Berliner dem Sport eng verbunden. Von 1963 bis 1991 arbeitete er als Sportfotograf für die Tageszeitung Neues Deutschland. Dabei berichtete er von acht Olympischen Spielen sowie von Weltmeisterschaften. Darüber hinaus gehörte er dem Präsidium des DDR-Boxverbandes an und engagierte sich später ehrenamtlich als Botschafter der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland.

Persönliche Rückschläge

Seine Schwiegertochter Marina Behrendt schilderte die letzten Lebensjahre des ehemaligen Boxers laut t-online mit den Worten: Er habe „zurückgezogen, aber selbstbestimmt gelebt bis zum Schluss“. Weiter erklärte sie: „Persönliche Kontakte hat er in den vergangenen Jahren mehr und mehr vermieden. Letztlich war er körperlich und mental erschöpft.“

In seinen letzten Lebensjahren musste Behrendt mehrere persönliche Verluste verkraften. 2016 starb seine Ehefrau Monika, mit der er 56 Jahre verheiratet war. 2022 verlor er seinen Sohn Mario, der wie sein Vater Boxer war und 1980 an den Olympischen Spielen in Moskau teilnahm. Im März 2026 starb zudem sein jüngerer Sohn Heiko.