Zug entgleist
: Regionalzug entgleist in Baden-Württemberg – Tote und Verletzte

UPDATE 28.7., 12.27 Uhr: Bei Riedlingen im Südosten Baden-Württembergs entgleist eine Regionalbahn. Dabei kommen mindestens drei Menschen ums Leben. Nun äußern sich die Ermittler zur möglichen Ursache.
Von
dpa
Riedlingen
Jetzt in der App anhören

Rettungskräfte suchen in einem entgleisten Zug nach Fahrgästen. Der Personenzug ist im Kreis Biberach zwischen den Ortsteilen Zweifaltendorf und Zell entgleist.

Thomas Warnack/dpa
  • Regionalzug entgleist bei Riedlingen, Baden-Württemberg – mehrere Tote und Verletzte.
  • Unfall ereignete sich nach einem Unwetter zwischen Zweifaltendorf und Zell im Kreis Biberach.
  • Rettungskräfte arbeiten vor Ort, „Massenanfall von Verletzten“ gemeldet.
  • Mindestens ein Waggon umgestürzt, umgestürzte Bäume behindern Bergungsarbeiten.
  • Innenminister Thomas Strobl besucht Unfallstelle, um sich über Rettungsarbeiten zu informieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bei dem Zugunglück im Südosten Baden-Württembergs sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien zahlreiche Menschen verletzt worden. Der Regionalexpress RE55 ist bei Riedlingen im Kreis Biberach in Baden-Württemberg am Sonntag, 27. Juli, gegen 18.10 Uhr entgleist. Die Regionalbahn war auf der Strecke von Sigmaringen nach Ulm unterwegs. Der Unfallort liegt rund 45 Kilometer südöstlich von Ulm. Zuvor hatte es dort ein Unwetter gegeben.

Bei dem Unglück sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Das sagte ein Polizeisprecher am Unfallort. Weitere Reisende seien schwerst verletzt. Insgesamt wurden demnach etwa 50 Menschen verletzt. Bei den drei Toten handelt es sich um eine 70 Jahre alte Mitreisende, den Zugführer (32) und eine Auszubildende (36), sagte ein Sprecher der Polizei in Riedlingen.

Auslöser für das Zugunglück war vermutlich ein Erdrutsch

Das Unglück ist nach ersten Ermittlungen der Polizei vermutlich durch Starkregen ausgelöst worden. „Das Wasser löste einen Erdrutsch im Böschungsbereich zu den Gleisen hin aus, was wiederum wohl die Entgleisung verursachte“, teilten die Ermittler mit. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Es gebe derzeit keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung.

Die Spurensicherung der Kriminalpolizei hat am Montagvormittag die Unglücksstelle in Oberschwaben genauer in Augenschein genommen. Ein Polizeisprecher sagte vor Ort, seine Kollegen würden das Schadensbild untersuchen, um den exakten Hergang des Unglücks herauszufinden. Die Ermittler haben inzwischen den Fahrdatenschreiber aus dem Zug geborgen. Dieser müsse nun ausgewertet werden, sagte Ulms Polizeipräsident Josef Veser vor Ort. Fahrdatenschreiber bei der Bahn zeichnen in der Regel Daten beispielsweise von Triebwagen auf - wie etwa die Geschwindigkeit.

In dem betroffenen Zug der Linie RE55 saßen laut einem Sprecher der Bundespolizei rund 100 Menschen. Zahlreiche Rettungskräfte waren am Unfallort im Einsatz. Auf Videoaufnahmen vom Ort des Geschehens ist zu sehen, wie Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst auf den entgleisten Waggons arbeiteten, um sich Zugang zu den Fahrgästen zu verschaffen. Zudem ist lautes Geschrei zu hören. Auf den Aufnahmen sind mehrere entgleiste Waggons zu sehen, mindestens einer ist umgestürzt. Zu sehen sind außerdem umgestürzte Bäume am Unfallort.

Personenzug entgleist in Oberschwaben: 27.07.2025, Baden-Württemberg, Riedlingen: Rettungskräfte suchen in einem entgleisten Zug nach Fahrgästen. Der Personenzug ist im Kreis Biberach zwischen den Ortsteilen Zweifaltendorf und Zell entgleist. Foto: Thomas Warnack/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Rettungskräfte suchen in dem entgleisten Zug zwischen den Ortsteilen Zweifaltendorf und Zell nach Fahrgästen.

Thomas Warnack/dpa

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes zogen in den frühen Abendstunden unwetterartige Gewitter über die Region. Lokal seien in kurzer Zeit 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter gefallen, sagte Meteorologe Dominik Smieskol in München. Allerdings habe der DWD am genauen Unglücksort keine Messstation, um für dort konkrete Angaben machen zu können.

Auf den Gleisen sind abgebrochene Äste verstreut. Auch eine Achse des Zuges liegt einige Meter entfernt am Rande des Gleisbetts.

Bahnchef und Spitzenpolitiker kondolieren

Bahnchef Richard Lutz kündigte an, am Montag nach Riedlingen zu kommen. Er wolle sich ein Bild von der Lage machen und den Einsatzkräften persönlich danken. Alle bei der Deutschen Bahn (DB) seien tief erschüttert und bestürzt über das schwere Zugunglück. „Mein tief empfundenes Mitgefühl und meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Verstorbenen. Den Verletzten wünsche ich eine schnelle und vollständige Genesung.“ Sein ausdrücklicher Dank gelte allen Einsatzkräften und Helfern, die vor Ort im Einsatz seien.

Auch mehrere Politiker bekundeten ihre Anteilnahme. So schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf dem Portal X: „Wir trauern um die Opfer. Ihren Angehörigen spreche ich mein Mitgefühl aus.“ Mit dem Innenminister und dem Verkehrsminister stehe er im engen Kontakt und habe sie gebeten, die Rettungskräfte mit allen Mitteln zu unterstützen.

„Aktuell lässt sich das gesamte Ausmaß des Zugunglücks bei Riedlingen nur erahnen“, erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Die Lage vor Ort sei erschütternd. „Wir stehen im engen Austausch mit der Bahn und unterstützen, wo wir können. Unsere Experten sind unterwegs, um gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden die Unfallursache zu untersuchen.“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach von einer tragischen Nachricht. Er sei erschüttert. „Mein tief empfundenes Beileid gilt den Angehörigen der Opfer.“

Personenzug entgleist in Oberschwaben: 27.07.2025, Baden-Württemberg, Riedlingen: Rettungskräfte suchen in einem entgleisten Zug nach Fahrgästen. Der Personenzug ist im Kreis Biberach zwischen den Ortsteilen Zweifaltendorf und Zell entgleist. Foto: Thomas Warnack/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Personenzug ist im Kreis Biberach zwischen den Ortsteilen Zweifaltendorf und Zell entgleist.

Thomas Warnack/dpa

Am Unfallort waren laut Innenminister Strobel mehrere hundert Einsatzkräfte mit entsprechendem Gerät und sechs Rettungshubschrauber im Einsatz.

Auch Einheiten des Bayerischen Roten Kreuzes unterstützen im Nachbar-Bundesland. Weitere Einheiten könnten bei Bedarf nach Baden-Württemberg verlegt werden, hieß es in einer Mitteilung.

Für Angehörige wurde eine Sammelstelle in einem Bürgerzentrum eingerichtet. Die DB hat für Betroffene und deren Angehörige eine kostenlose Sonder-Hotline unter 0800 3 111 111 eingerichtet. Außerdem stünden Notfallseelsorger und Krisenpsychologen für betroffene Reisende und Mitarbeitende bereit.

Dauer der Streckensperrung unklar

Das Tochterunternehmen DB Regio BW betreibt das Regionalzugnetz Donau-Ostalb. Hierzu gehört auch die Linie RE55, die stündlich bis alle zwei Stunden fährt.

Auf der Internetseite der Bahn informierte der Konzern, dass der Bahnverkehr zwischen Munderkingen und Herbertingen eingestellt sei. „Grund hierfür ist eine Zugentgleisung auf der Strecke.“ Über die Dauer der Sperrung lagen den Angaben nach zunächst keine Informationen vor. Fahrgäste zwischen Ulm und Munderkingen sollte Züge des Bahnunternehmens SWEG nutzen, hieß es. Es wurde zudem ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Wie lange die Sperrung andauert, war zunächst unklar. Nachdem alle Verletzten versorgt worden seien, bereiteten sich die Einsatzkräfte nun darauf vor, die entgleisten Waggons von den Gleisen zu bergen, sagte die Kreisbrandmeisterin des Landkreises Biberach, Charlotte Ziller, am Abend an der Unglücksstelle.