Aufklärung
: Krebsvorsorge wird nur schlecht erklärt

Risiken der Untersuchungen werden von Ärzten und Patienten unterschätzt / Internet wichtigste Informationsquelle
Von
Hajo Zenker
Berlin
Jetzt in der App anhören

Symbolfoto

dpa/Martin Schutt

Seinen Angaben zufolge würden von 1000 Frauen, die zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr regelmäßig am Brustkrebsscreening teilnehmen, etwa zwei bis sechs vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt, während etwa neun bis zwölf Frauen wegen eines entdeckten Tumors operiert oder bestrahlt würden, der ihr Leben ohne Vorsorgeuntersuchung nicht beeinträchtigt hätte.

Zudem habe eine repräsentative Befragung von gesetzlich Versicherten ergeben, dass Teilnehmer von Krebs–Früherkennungsuntersuchungen zu selten oder nicht umfassend genug über den Nutzen, aber auch die Risiken aufgeklärt werden. So hätten lediglich 55 Prozent der teilnehmenden Frauen angegeben, über die Vorteile der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs informiert worden zu sein. Gerade 25 Prozent wurden über die Risiken ins Bild gesetzt. Ein ähnliches Bild habe sich bei Darmkrebs–Vorsorge gezeigt. Nur bei der Brustkrebs–Früherkennung sei das Verhältnis ausgewogen gewesen. Dort aber liege mit fast 40 Prozent auch der Anteil der Frauen, die sich gegen Vorsorge entschieden, besonders hoch.

Das deute darauf hin, so Christian Günster vom Wissenschaftlichen Instituts der AOK, dass die hier verfügbaren Informationen „zu einer bewussteren Auseinandersetzung und Entscheidung der Frauen geführt haben“. Bei Gebärmutterhalskrebs dagegen nehmen nur fünf Prozent der Frauen die Untersuchung gar nicht und weitere zehn Prozent nur selten in Anspruch.

Für Norbert Schmacke muss es darum gehen, die Versicherten  zu einer echten eigenen Entscheidung zu befähigen. „Ärzte dürfen Fragen oder Bedenken ihrer Patienten, zum Beispiel zu möglichen Fehlalarmen durch falsche Befunde, nicht einfach wegwischen.“ AOK–Sprecher Kai Behrens fordert denn als Konsequenz auch „ein ausgewogenes Verhältnis von Informationen über Chancen und Risiken“.

Die Mediziner finden, dass sie das längst leisten: Die niedergelassenen Ärzte klärten „verantwortungsvoll sowohl über die Vor– als auch die Nachteile auf“, sagt Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Zwar lasse sich über das Für und Wider von Prävention trefflich streiten, „Fakt ist aber auch, dass viele Vorsorgeleistungen wie etwa die Darmkrebsprävention bereits Tausende von Menschenleben gerettet haben“.

Die AOK–Befragung zeigt zudem, dass das Internet in Sachen Information die Ärzte überholt hat. Dass sie sich vor allem per Internet über Krebs–Früherkennung informieren, gaben 51 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer an. Der Hausarzt liegt als Informationsquelle dagegen mit 40 Prozent der befragten Frauen und 50 Prozent der Männer insgesamt bereits dahinter.