CO2-Ausstoß
: Umweltministerium will Digitalisierung umweltfreundlicher machen

Austauschbare Handyakkus, stromsparendes Streaming: Umweltministerin Schulze will die Digitalisierung nachhaltiger machen.
Von
Igor Steinle
Berlin
Jetzt in der App anhören

Digitalisierung könnte zu einem "Brandbeschleuniger für den Klimawandel werden", warnt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Michael Kappeler/dpa

Keine Rolle hingegen spielte in der Klimadebatte bisher die Digitalisierung. Dabei ist der Energieverbrauch von Videostreaming, Datenclouds und Co. enorm: Beim Anschauen eines zehn Minuten langen Videos in HD-Auflösung verbrauchen die Rechenzentren genauso viel Strom wie ein Backofen, der fünf Minuten auf voller Stufe läuft. Digitalisierung könnte zu einem „Brandbeschleuniger für den Klimawandel werden“, warnt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Schätzungen zufolge ist der globale Datenverkehr schon heute für vier Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Das entspricht in etwa dem des weltweiten Flugverkehrs. Geht die rasante Entwicklung der Digitalisierung weiter wie bisher, könnte der CO2-Ausstoß des Internets bis 2025 mit 20 Prozent der Emissionen mit dem globalen Straßenverkehr gleichziehen. Mit 70 Maßnahmen will Schulzes Haus die Digitalisierung deswegen umweltfreundlicher machen. So sollen große Rechenzentren umweltfreundlicher werden, indem ihre Abwärme genutzt wird, etwa für das Heizen von Gebäuden. Ein Register für Rechenzentren soll deswegen erstellt werden, das als Datengrundlage für künftige Effizienzvorgaben dienen soll. Aber auch Smartphones und Tablets sollen durch neue EU-Regeln ein längeres Leben erhalten.

Brüssel soll Thema aufnehmen

Schulze will das Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit zum Hauptmotiv der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen und in Brüssel darauf hinwirken, „dass Hersteller Akkus und Displays austauschbar machen müssen und für eine Mindestfrist Ersatzteile oder Updates anbieten müssen“. Mit Streaming-Diensten wie Youtube, Netflix oder Amazon Prime will Schulze ebenfalls das Gespräch suchen. Videos etwa auf dem Smartphone müssten nicht automatisch starten und nicht immer in höchster Auflösung laufen.

Ziel des Papiers, das laut BMU gemeinsam mit 200 Experten entwickelt wurde, sei eine „Digitalisierung mit Maß und Ziel“, sagt Manfred Fischedick, Chef des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Wichtig sei, dass Digitalisierung nicht zum Selbstzweck werde und die Chancen der neuen Technologien stärker genutzt werden.

Denn moderne Mobilitätslösungen könnten dank Smartphone auch helfen, den Klimawandel einzudämmen. Ähnlich äußerte sich Achim Berg, Chef des Branchenverbands Bitkom: Ohne Digitalisierung könne der Kampf gegen den Klimawandel nicht gewonnen werden. Weil dies vom Umweltministerium anerkannt werde, begrüßt Berg den Vorstoß. Er setze „das richtige Signal zur richtigen Zeit“.