Deutsches Obst und Gemüse
: Mindestlohnpläne von Bärbel Bas gefährden Existenz heimischer Betriebe

Deutsche Erdbeeren oder Spargel könnten so teuer werden, dass die Produkte nicht mehr konkurrenzfähig sind – und gar nicht mehr angebaut werden. Das widerspricht einem erklärten Ziel von Union und SPD.
Von
Dominik Guggemos
Berlin
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German Minister for Labour and Social Affairs Baerbel Bas (2L), candidate to become the new SPD co-leader, addresses a press conference next to SPD co-leader Lars Klingbeil (2R) and outgoing co-leader Saskia Esken (R) at the Willy-Brandt-Haus, the headquarters of Germany's Social Democratic Party (SPD), in Berlin on May 12, 2025. (Photo by Tobias SCHWARZ / AFP)

Für Sozialministerin Bärbel Bas (SPD, vorne) ist klar, dass die geplante Erhöhung des Mindestlohns für alle gelten soll, auch für Erntehelfer. Das könnte dazu führen, dass es bald kaum noch Obst und Gemüse aus Deutschland gibt.

TOBIAS SCHWARZ/AFP
  • Mindestlohn-Erhöhung auf 15 Euro könnte deutsche Obst- und Gemüseproduktion gefährden.
  • Selbstversorgungsgrad von Obst (20%) und Gemüse (38%) könnte sinken.
  • Union fordert Ausnahme für ausländische Erntehelfer, SPD lehnt ab.
  • Lohnkosten machen bis zu 60% der Produktionskosten aus.
  • Konkurrenz zu Ländern ohne Mindestlohn wie Spanien und Italien.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Zielsetzung von Union und SPD ist im Koalitionsvertrag klar definiert: Der Selbstversorgungsgrad mit Obst und Gemüse soll erhöht werden. Doch dieses Ziel steht im direkten Konflikt mit der vereinbarten Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns von 12,82 auf 15 Euro pro Stunde, möglicherweise bereits ab dem kommenden Jahr. Agrarpolitiker der Union fordern, für Erntehelfer aus dem Ausland eine Ausnahme zu machen. Doch Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat dem direkt eine Absage erteilt, der Mindestlohn sei die absolute Lohnuntergrenze und gelte branchenübergreifend.

Derzeit produziert Deutschland laut dem Bundeszentrum für Ernährung nur rund 20 Prozent des hierzulande konsumierten Obstes selbst, bei Gemüse liegt der Selbstversorgungsgrad bei 38 Prozent. Bleibt die neue Bundesregierung bei ihrer Haltung, dürfte es in Zukunft nicht mehr deutsches Obst und Gemüse geben, sondern deutlich weniger. Die Genossenschaften schlagen Alarm.

„Im Obst-, Gemüse-, Garten- und Weinbau machen die Lohnkosten aufgrund des hohen Anteils an händischen Arbeiten bis zu 60 Prozent der gesamten Produktionskosten aus“, sagt Christian Weseloh dieser Zeitung. Für den Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbands, dessen Mitglieder laut eigenen Angaben im Jahr 2023 Obst, Gemüse und Wein im Wert von 4,5 Milliarden Euro verkauft haben, ist klar: „Ohne faire Wettbewerbsbedingungen ist die Existenz vieler heimischer Betriebe gefährdet – mit allen Konsequenzen.“

Direkte Konkurrenz zu Spanien, Italien und Frankreich

Die deutschen Obst- und Gemüsebauern brauchen die Erntehelfer aus dem Ausland, viele von ihnen kommen aus Osteuropa, weil die meisten Einheimischen den körperlich anstrengenden Job nicht machen wollen. Sie stehen in direkter Konkurrenz mit Produzenten aus Italien (kein gesetzlicher Mindestlohn), Spanien (weniger als sieben Euro/Stunde) und Frankreich (9,40 Euro). „Wenn Unternehmen aus anderen Ländern zu deutlich günstigeren Kosten produzieren können, ist dies ein echtes Problem – zumal deren Ware direkt mit Produkten unserer regionalen Erzeuger konkurriert“, sagt Weseloh.

Zwar ist die Versorgung mit Obst und Gemüse in Deutschland nicht gefährdet, heißt es aus Kreisen des Handels – dieser würde dann einfach noch mehr Waren importieren. Aber die Hersteller warnen bereits davor, dass der deutsche Spargelanbau zum Erliegen kommen könnte. Und nicht nur das: Manche hiesigen Kulturen, die arbeitsintensiv produziert werden, drohten ganz aus den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels zu verschwinden, warnt Weseloh. „Deutsche Himbeeren sind im Lebensmitteleinzelhandel nur noch schwer zu finden.“