Digitalisierung
: Es bleibt bei der elektronischen Patientenakte

Gesundheitsminister Spahn hält trotz Datendiebstahls und Kritik von Ärzten an Zugriff per Smartphone fest.
Von
Hajo Zenker
Berlin
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Gesundheitsdaten im Griff: Der Zugriff auf die elektronische Patientenakte per Smartphone soll selbstverständlich werden. Jetzt sind aber wieder Sicherheitsbedenken aufgetaucht, wie etwa bei der hier abgebildeten App „Vivy“.

dpa/Michael Kappeler

Schnellen, einfachen Zugriff auf die eigenen Gesundheitsdaten soll die elektronische Patientenakte (ePA) bringen, die man vom Smartphone aus steuern kann. Da lassen sich alle Behandlungen und Verschreibungen hinterlegen. Das minimiert Risiken. Und vermeidet Doppelbehandlungen. Doch der von einem 20–Jährigen aus Hessen verübte Datendiebstahl hat viele aufgeschreckt. Um den Datenschutz zu gewährleisten, würden von der dafür zuständigen Gesellschaft Gematik gerade die nötigen Vorgaben für die elektronische Patientenakte (ePA) erarbeitet, so ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch. In Sicherheitsfragen werde „immer der aktuelle Stand der Bedrohung berücksichtigt“. Aber natürlich müssten auch die Versicherten „elementare Sicherheitshinweise beachten, die etwa auch für das Onlinebanking gelten“.

Besonders harsch fällt die Kritik des Bayerischen Facharztverbandes aus. Er plädiert für einen kompletten Stopp des Projektes. Der jüngste Datendiebstahl sei der letzte Weckruf, das „Spahnsinn–Projekt“ der ePA „im Zieleinlauf doch noch zu stoppen“, so Karl Ebertseder, der Datenschutzexperte des Verbandes. Er verweist dabei auch auf den Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) Ende Dezember in Leipzig, wo ein Informatiker gravierende Sicherheitslücken bei Gesundheitsanwendungen, so bei der ePA „Vivy“, aufgezeigt hatte. „Vivy“ steht rund 13,5 Millionen Versicherten zur Verfügung, weil ein gutes Dutzend Kassen darauf zurückgreifen.

Skeptisch zeigt sich auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung, Vertretung der 150 000 niedergelassenen Ärzte Deutschlands. Für Vorstandschef Andreas Gassen illustrieren diese Geschehnisse, „dass Digitalisierung kein Allheilmittel ist. Und nur, weil wir Dinge hinterfragen, sind wir nicht automatisch Blockierer, wie uns gerne von der Politik vorgeworfen wird“. Gesundheitsdaten aber seien „sehr sensible und sehr persönliche Angaben“, die niemand irgendwann im Internet wiederfinden möchte.

Deutlich anders klingt das beim Spitzenverband Fachärzte Deutschlands, dem größten Facharztdachverband der Bundesrepublik. „Wir brauchen die Digitalisierung im Gesundheitssystem“, sagt Hauptgeschäftsführer Lars Lindemann.  Es sei daher gut, wenn die ePA endlich komme. „Das wünsche ich mir sehr.“ Und das Smartphone als Zugang sei auch völlig richtig. Schließlich besitze heute fast jeder ein solches Gerät und organisiere damit seinen Alltag. Fortschritt mit hundertprozentiger Sicherheit aber gebe es nicht. Wenn Sicherheitslücken erkannt würden, meint Lindemann, müsse man alles daran setzen, diese zu schließen. Und nicht gleich alles in Frage stellen und andere mit Vorwürfen überziehen.