Effizienz
: Zahl der Heimarbeiter steigt

Arbeiten, ohne lange Wege zum Büro zurücklegen zu müssen – viele wünschen sich das. Doch das Homeoffice hat auch Schattenseiten.
Von
Michael Gabel
Berlin
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Arbeiten von zu Hause aus: Viele wünschen sich das. Doch die Verknüpfung von Job und Privatleben kann zu Problemen führen. Mehr Freizeit und Erholung ist damit nicht verbunden.

dpa/Daniel Naupold

Waren es 2015 noch 1,1 Prozent der Arbeitnehmer, die an mindestens fünf Tagen in der Woche von zu Hause aus für ihren Arbeitgeber tätig waren, so stieg ihr Anteil zwei Jahre später auf 1,8.Prozent. Immerhin jeder Zehnte arbeitete im Jahr 2015 zumindest gelegentlich von zu Hause, innerhalb von zwei Jahren ein Plus von 2,4 Prozentpunkten. Besonders boomt die Heimarbeit bei Kundenberatern, Kreativen aus Werbung und Design sowie bei Informatikern.

Über die Belastungen, die mit der Arbeit im Homeoffice verbunden sind, gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Das Ministerium bewertet flexible Modelle eher positiv und betont, dass Heimarbeiter nach Feierabend ähnlich gut vom Job abschalten können wie Büro-Mitarbeiter. Dagegen sieht die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung das Arbeiten von zu Hause aus als Problem. „Selbstbestimmte Arbeitszeiten führen zu mehr Überstunden“, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Nur ein kleiner Teil dieser zusätzlichen Arbeit würde bezahlt. Überdies zementierten flexible Arbeitsmodelle – darunter auch die Gleitzeit – die klassische Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern. Begründung: Väter und Mütter nutzen solche Modelle unterschiedlich; Väter investieren auch zu Hause sämtliche Kraft in den Job, Frauen nehmen sich mehr Zeit für die Kinderbetreuung.

Die kritische Sicht der Böckler-Stiftung passt nur bedingt zu den Plänen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der ein Recht auf Homeoffice durchsetzen will. Auch SPD-Chefin Andrea Nahles hatte sich dieser Forderung angeschlossen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hält dagegen Selbstregulierung für den besseren Ansatz.

Studienautorin Yvonne Lott vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung schlägt mehrere Maßnahmen vor, um die Nachteile der Heimarbeit in den Griff zu bekommen. So solle die Zahl der Partner-Monate beim Elterngeld von zwei auf sechs Monate verlängert werden, „um Anreize für Väter zu schaffen, sich stärker in der Kinderbetreuung zu engagieren“. Außerdem favorisiert sie eine „lebenslauforientierte Personalpolitik“: Arbeitgeber sollten ihren Beschäftigten Phasen zugestehen, in denen diese „sich weiterbilden, die Eltern pflegen oder sich um ihre Kinder kümmern“ können, sagte sie dieser Zeitung. Wenn diese Leitplanken gesetzt seien, sei ein Recht auf Homeoffice sinnvoll.

Zu mehr Erholungszeit führe die Arbeit im Homeoffice entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht, betont Lott. „Einen Freizeitgewinn gibt es weder für Mütter noch Väter.“