Ernährung
: Mehr Gemüse, weniger Pommes

Kinderteller in Restaurants sind oft nicht besonders abwechslungsreich. Ernährungsministerin Klöckner kritisiert das.
Von
Michael Gabel
Berlin
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Kleines Schnitzel mit Pommes, Fischstäbchen oder Spaghetti - für Kinder gibt es in Restaurants oft nicht nur kleinere Portionen, sondern auch nicht besonders gesunde Gerichte.

dpa/Tobias Hase

Es ist das ewige Einerlei: Kinderessen in Restaurants erinnern oft nicht im Entferntesten an die vielfältigen Gerichte auf der Erwachsenenkarte. Das soll nun besser werden.

Irgendwo versteckt bei Desserts und Getränken findet sich meist der Hinweis auf „unsere lieben kleinen Gäste“. Dann wird das Angebot sehr schmal: Schnitzel, Chicken Nuggets, Fischstäbchen, dazu Pommes mit – klar – Ketchup, vielleicht noch Pfannkuchen. Alternativen sind dort in der Regel nicht zu entdecken. Das missfällt zwar den Ernährungswissenschaftlern. Viele Eltern stören sich daran aber weniger, einfach weil sie froh sind, dass es überhaupt etwas gibt, was den Geschmack ihrer Kinder trifft.

Nachdem eine Studie der Universität Heidelberg vor sechs Wochen auf das Problem hingewiesen hatte, versprach der Bundesvorsitzende des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbandes, Guido Zöllick, am Dienstag in Berlin Abhilfe: „Wir werden mit unseren Mitgliedern sprechen und schauen, dass wir da etwas ändern.“

Zuvor hatte es in seinem Verband große Aufregung gegeben. Denn viele Restaurants waren überhaupt nicht mit den Studienergebnissen einverstanden und verwiesen darauf, dass man sehr wohl eine Viezahl an Kindergerichten anbiete und flexibel auf die Wünsche der Gäste reagiere. Der Heidelberger Studienleiter Sven Schneider erneuerte aber bei dem von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) organisierten Treffen seine Kritik und sprach davon, dass bei den knapp 2000 untersuchten gastronomischen Einrichtungen sechs Gerichte 70 Prozent des Angebotes für Kinder ausgemacht hätten.

Klöckner wies darauf hin, dass bei der Kinderernährung „an jedem noch so kleinem Schräubchen“ gedreht werden müsse, also auch beim Restaurantbesuch. Sie stellte "eine Art Siegel“ in Aussicht, mit dem sich gastronomische Einrichtungen schmücken können, die sich in besonderer Weise um das Wohlergehen der Kinder kümmern.

Aber warum sind Schnitzel oder Fischstäbchen mit Pommes als Kindergerichte auf Speisekarten so verbreitet? Die Ernährungswissenschaftlerin und Hochschulprofessorin Barbara Methfessel hat dafür eine einfache Erklärung: „Eltern geht es im Restaurant meist darum, Streit zu vermeiden“, sagte sie dieser Zeitung. Väter und Mütter wollten mit ihrem Nachwuchs in der Öffentlichkeit möglichst keine Diskussionen darüber führen, was gesund ist oder ob es Zeit sei, mal etwas Neues auszuprobieren. „Den Eltern reicht es schon, wenn es zu Hause Stress gibt. Im Restaurant wollen sie ihre Ruhe haben.“

Die Professorin, die lange an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg tätig war, sieht die Nachteile dieser Haltung. In vielen Familien sei schon zu Hause versäumt worden, den Nachwuchs mit anderen Geschmacksrichtungen als dem üblichen „Pipapo“ (Pizza, Pasta, Pommes) bekannt zu machen, sagt sie. „Das erfordert Geduld. Aber zum Glück haben wir ja eine Internationalisierung des Essens.“ Asiatisches oder Arabisches zum Beispiel käme bei den Kindern in der Regel gut an. Außerdem sei es bei Kindern und Jugendlichen „in“. „Man muss ihnen aber auch die Gelegenheit geben, solche Ess-Erfahrungen zu machen“, empfahl Methfessel. Ihr Tipp: „Die Kinder locken, sie aber auch nicht zwingen, weil ihnen das die Lust aufs Neue gleich wieder verderben kann.“

Geschmack sei in erster Linie Gewohnheitssache, betonte die Professorin. „Kinder müssen mit der Vielfalt vertraut gemacht werden, dann werden sie das neu Entdeckte – oder zumindest manches davon – auch lieben lernen“, ist die Wissenschaftlerin überzeugt.

Auch Ministerin Klöckner sagte, sie sei sicher, dass es nicht so schwer sein könne, Alternativen zu Pommes anzubieten. "Warum nicht mal eine Ofenkartoffel mit Salatbouquet?“, fragte sie. „Das wäre mal was anderes und würde den Kinder bestimmt trotzdem schmecken.“

HintergrundWas Experten empfehlen

Beim Berufsverband Oecotrophologie (Ernährungswissenschaft) empfiehlt man den Eltern, den Restaurantbesuch entspannt anzugehen. "So oft geht man mit der Familie nicht Essen, und einmal Schnitzel oder Fischstäbchen mit Pommes hat noch keinem geschadet", sagt Verbandssprecherin Astrid Donalies dieser Zeitung. Der Verband hat eine Liste mit Tipps für Kinderspeisekarten zusammengestellt, auch wenn viele Ratschläge nicht neu sind.

■Räuberteller – Kinder bekommen einen leeren Teller plus Besteck und essen bei den Eltern mit.

■ Halbe Portionen – und zwar von (fast) allen Gerichten auf der Karte. Die Preise müssten dann natürlich entsprechend geringer ausfallen.

■Eigene Wahl – die Kinder dürfen sich aus der Speisekarte ihre Gerichte selber aussuchen, zum Beispiel Pommes mit Salat oder Knödel mit Soße. Die Preise orientieren sich an denen herkömmlicher Kinderteller.

■Mehr Zusatzangebote – die Gerichte auf der Kinderkarte des Restaurants werden durch Angebote wie zum Beispiel Beilagensalate oder Rohkost-Gemüsesticks ergänzt. ⇥(mg)