Zwei Anträge liegen dem Bundestag vor und nun sollten Fachleute dem Parlamentariern darlegen, ob die Nachfahren der preußischen Könige und Kaiser tatsächlich berechtigte Ansprüche auf Entschädigungen für Immobilien und auf Rückgabe von Kunstgegenständen haben. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber ziemlich kompliziert.
Es geht um Enteignungen während der sowjetischen Besatzungszeit. Für diese gilt das "Ausgleichsleistungsgesetz", welches aber nicht nicht greift, wenn die Enteigneten dem NS-Regime "erheblichen Vorschub" geleistet haben. Der Antrag der Grünen, die das Anliegen der Hohenzollern kritisch sehen, verlangt entsprechend, dass bei den Verhandlungen davon auszugehen sei, dass Kronprinz Wilhelm Prinz von Preußen Steigbügelhalter der Nazis war. Die Linken wollen sogar den Abbruch aller außergerichtlichen Absprachen. Falls den  Hohenzollern von der Justiz bestimmte Kulturgüter zugesprochen würden, müsse der Ex-Adel gleich wieder enteignet werden.
Der Historiker Peter Brandt  spricht von der Begeisterung des Kronprinzen bei der Machtübernahme durch Hitler. "Jetzt", so soll Wilhelm gesagt haben, habe sich "erfüllt, worauf ich ein Jahr gearbeitet habe". Brandts Kollege Benjamin Hasselhorn aus Würzburg hält hingegen die Behauptung, dass der Kronprinz als Helfer der Nazis agierte, für nicht eindeutig belegt. Unter anderem fehle es an "Quellenforschung". Möglicherweise habe er ja doch versucht, die Machtübernahme der Nazis verhindern und  ihnen nur "ungewollt Vorschub geleistet".  Am Ende könne man kein eindeutiges historisches Urteil fällen. Das bestreitet Stephan Malinowski von der University of  Edinburgh entschieden.  Die Mehrheit der Historiker sei ganz eindeutig der Meinung, dass der ehemalige Kronprinz das NS-Regime erheblich gefördert habe.
"Man müsste eigentlich mal darüber reden, warum einige Burgen und Schlösser haben, und andere nicht",  meint der linke Abgeordnete Jan Korte. Korte will deshalb Malinowski wissen, warum man im Osten Deutschlands die vollständige Enteignung des Adels für richtig gehalten habe. Die überraschende Antwort: Alle Alliierten hätten damals vor allem die ostelbischen Junker als Unterstützer und Träger des Naziregimes betrachtet..
Während nun in Berlin das Verhältnis zwischen Staat und Hohenzollern immer angespannter wird, kehrt in Rheinland-Pfalz Ruhe ein. Unter Führung von Georg Friedrich Prinz von Preußen erkennen das Ex-Adelshaus  die Eigentumsrechte der Stadt St. Goas an der Burg Rheinfels an. Ein Aufschlag auf die Eintrittspreise komme künftig der  Prinzessin Prinz von  Preußen-Stiftung zugute, die sozial benachteiligte Jugendliche fördere.

Ex-Adel mit Ansprüchen aus der Vergangenheit


Seit 2014 verhandeln der Bund, Brandenburg und Berlin mit den Hohenzollern über Rückgaben und Entschädigungen von Immobilien und Kunstgegenstände. Es geht um Enteignungen in der Zeit der sowjetischen Besatzung nach 1945. Der Bund will ein Klageverfahren vermeiden, Brandenburg hat die gerichtliche Auseinandersetzung wieder aufgenommen. Für die Entschädigungsansprüche ist von großer Bedeutung,  ob Vertreter der Hohenzollern dem NS-Regime "erheblichen Vorschub" geleistet haben. abo