Gleichberechtigung
: SPD-Ministerinnen Giffey und Lambrecht wollen Frauenquote für Vorstände

Frauen werden auf dem Weg in Führungspositionen viele Steine in den Weg gelegt. Ein Quotengesetz für Vorstände soll das ändern.
Von
Michael Gabel
Berlin
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  • Franziska Giffey (links), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Christine Lambrecht (beide SPD), Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, wollen eine Frauenquote für Vorstände.

    Franziska Giffey (links), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Christine Lambrecht (beide SPD), Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, wollen eine Frauenquote für Vorstände.

    Illustration: © aklionka/shutterstock.com
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    Grafik Peters/Quelle: Wirtschaftsauskunftei Crif Bürgel
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Was auch daran liegt, dass zahlreiche große Firmen offenbar überhaupt keinen Wert auf Frauenpower in ihren Vorstandsetagen legen: darunter der Chemiekonzern Bayer, der Energieriese Eon und der Stahlproduzent Thyssenkrupp. Sie alle schreiben regelmäßig „Zielgröße: null“ in ihre Berichte, wenn sie über die künftige Besetzung ihrer Führungsgremien mit Frauen berichten sollen. Bekannt wird das nur, weil Mitteilungen darüber seit vier Jahren per Gesetz vorgeschrieben sind.

Am Weltfrauentag, der an diesem Sonntag begangen wird, wollen es die SPD-Bundesministerinnen Franziska Giffey und Christine Lambrecht nicht mehr bei Appellen belassen. Sie planen, einen Großteil der börsennotierten Firmen per Gesetz dazu zu zwingen, mindestens eine Frau in ihr oberstes Gremium aufzunehmen. Ob die Kabinettskollegen dem Entwurf, der ihnen zur Prüfung vorliegt, zustimmen werden, ist offen. Von Arbeitgebern kommt harsche Kritik. Und auch der Koalitionspartner Union zieht nicht recht mit.

Seilschaften der Männer

Familienministerin Giffey sagt, sie sei nicht immer eine Verfechterin der Quote gewesen. „Ich dachte lange, gute Frauen kommen überall hin, selbst in die Vorstände von Unternehmen.“ Doch sie habe erkannt: „Ganz ohne Vorgaben funktioniert das aber leider doch nicht.“ Viele Frauen stoßen auf ihrem Karriereweg gegen eine gläserne Decke. „Führungspositionen sind oftmals mit Männern besetzt, die ihresgleichen dann eher bevorzugen“, sagt Yvonne Ziegler, Professorin für Betriebswirtschaft an der University of Applied Sciences in Frankfurt/Main.

Das im Familien- und Justizministerium erarbeitete „Zweite Führungspositionen-Gesetz“ sieht vor, dass börsennotierte Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern und mehr als drei Plätzen im Vorstand dort künftig mindestens einen Platz an eine Frau vergeben müssen. Nach einer Einschätzung Giffeys beträfe das rund 70 Firmen. Die Regelung soll erst greifen, wenn Vorstandsposten neu zu besetzen sind.

Zudem würde die bereits seit 2016 geltende Vorschrift ausgeweitet, dass Aufsichtsgremien von besonders großen Unternehmen zu 30 Prozent aus Frauen bestehen müssen. Derzeit betrifft das in Deutschland 105 börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen. Künftig wären es 600.

Heftigen Widerstand gegen die Gesetzespläne der Ministerinnen hat die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände angekündigt. Das Vorhaben greife „in verfassungsrechtlich fragwürdiger Weise in das Unternehmensgefüge ein“, heißt es in einer Stellungnahme.

„Kein Hausarbeits-Gen“

Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßt man dagegen den Vorstoß als „nächsten wichtigen Schritt“, wie die DGB-Gleichstellungsexpertin Anja Weusthoff sagt. Sie wünscht sich aber, dass der Kreis der zur Quote verpflichteten Betriebe um sämtliche börsennotierte Unternehmen ergänzt wird; das wären rund 800. Der DGB selbst hat übrigens erst recht spät, im Jahr 2018, eine feste Frauenquote für hauptamtliche Wahlmandate eingeführt.

In der Union sieht man eine Frauenquote für Vorstände kritisch. Der rechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Mario Luczak, ist davon überzeugt, dass „die Unternehmen selbst ein Interesse daran haben, den Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen zu erhöhen“. Eine Ausweitung der Quotenregelung sei deshalb nicht nötig. Giffey ist dennoch optimistisch, dass die Regelung „noch in diesem Jahr“ den Bundestag passiert.

Der Kampf um bessere Kar-rierechancen ist aber nur eins von vielen Problemen, mit denen sich Frauen im Berufsalltag auseinandersetzen müssen. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung benennt in einer aktuellen Studie als größtes Problem den Lohnunterschied. Er sei in Deutschland immer noch größer als im europäischen Durchschnitt, was auch daran liege, dass immer noch weit mehr Frauen als Männer in Teilzeit arbeiten. Noch größer ist der Unterschied bei den Alterseinkommen, also bei Rente, betrieblicher und privater Alterssicherung.

Entscheidend für diese Lücken ist, dass Frauen im Durchschnitt viermal so viel Arbeit in der Erziehung, bei der Pflege von Angehörigen und in der Haushaltsführung leisten wie Männer. Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, will das ändern. „Frauen haben kein Hausarbeits-Gen, sie haben auch kein Pflege-Gen oder Ehrenamts-Gen“, sagt sie. „Seid end­lich modern“, fordert Bentele die Männer auf. „Organisiert und übernehmt die Hälfte der Fürsorgearbeit" – auch dies wäre eine Art Quote.