Kiffen auf Rezept?: Freizeitkiffer brauchen Fachgeschäfte statt Telemedizin


In den USA ist rund um den Freizeitmarkt für Cannabis eine Milliardenindustrie entstanden, an der auch Promis wie der frühere Boxweltmeister Mike Tyson (auf dem Bild zu Gast bei der Cannabis-Messe Mary Jane in Berlin) und der Rap-Mogul Snoop Dogg fleißig mitverdienen. In Deutschland strömen Kiffer auf den medizinischen Markt, weil sie keine legalen Bezugsquellen haben. Das kann nicht die Lösung sein.
Sebastian Gollnow/dpaDie Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), Telemedizin und den Onlineversand von medizinischem Cannabis zu verbieten, würde eine ganze Branche in Existenznöte bringen. Das ist kein ungewünschter Nebeneffekt, sondern das Ziel des Gesetzes. Denn die Branche boomt seit dem Cannabis-Gesetz der Ampel. Und sie boomt wegen dieses Gesetzes. Das ist zumindest Teilen der Union ein Dorn im Auge.

Nina Warken (CDU), Bundesministerin für Gesundheit, bei der Haushaltsdebatte im Bundestag.
Niklas Treppner/dpaDafür gibt es durchaus auch Argumente. Dass es quasi über Nacht so viel mehr Patienten geben soll, die sich mit Cannabis therapieren wollen, besteht den Plausibilitätstest nicht. Natürlich findet hier ein Missbrauch der medizinischen Infrastruktur statt, auch wenn sich der Einzelfall kaum nachweisen lässt. Ja, es gibt einen funktionierenden Jugendschutz und ja, der Solidargemeinschaft entstehen dadurch keine direkten Kosten, weil der Boom auf Privatrezepten basiert. Im Sinne des Erfinders ist das trotzdem nicht.
Was es braucht, ist ein neuer Weg in der Cannabis-Politik. Patienten mit klar definierten schweren Krankheiten, denen Medizinalcannabis nachweislich hilft, müssen ihr Medikament unbürokratisch bekommen und es auch zuverlässig von der Kasse finanziert bekommen.
Alle, die einfach nur zur Entspannung einen Joint rauchen wollen oder sich insgesamt mit kleineren Wehwehchen besser fühlen, wenn sie Cannabis konsumieren, müssen praxistaugliche legale Möglichkeiten haben, an den Stoff zu kommen. Sei es in Fachgeschäften oder in Apotheken. Jugendschutz ist dabei das A und O.
Deswegen kann die Lösung auch nicht sein, die Konsumenten einfach wieder zurück auf den Schwarzmarkt zu schicken. Aber Millionen Freizeitkonsumenten auf den medizinischen Markt zu drängen, ist eben auch keine.

