Klima: Emissionen sinken dank Dürre

Will noch dieses Jahr ein Klimaschutzgesetz verabschieden: Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).
dpa/Paul Zinken„Deutschland hat 2018 deutlich mehr Energie aus Wind und Sonne gewonnen und zugleich weniger Kohle, Öl und Gas verbrannt“, erklärte Schulze. Um 38 Millionen Tonnen hat der Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr laut einer Prognose des Umweltbundesamtes abgenommen. Das entspricht einem Rückgang von 4,2 Prozent. Fast ein Drittel der Ersparnis kommt dabei etwa durch die Stilllegung von Steinkohlekraftwerken aus dem Energiebereich.
Im Vergleich zu 1990 hat Deutschland seine Emissionen damit um knapp 31 Prozent gesenkt. Vorgenommen hatte man sich eigentlich mehr — 40 Prozent sollten es bis 2020 sein. Überschwängliche Freude wollte im Umweltministerium deswegen nicht so recht aufkommen. „Uns ist vollkommen klar, dass wir noch mehr Tempo aufnehmen müssen“, sagte Schulze. Denn bis 2030 müssen die Treibhausgasemissionen in Deutschland um mindestens 55 Prozent sinken. Nach dem außergewöhnlichen Jahr 2018 müsse 2019 deswegen zum „Klimajahr“ werden, forderte die Umweltministerin.
Mit „außergewöhnlich“ meinte sie den vergangenen Dürresommer. Dieser hat seinen Teil dazu beigetragen, dass weniger Treibhausgase ausgestoßen wurden. Denn die niedrigen Wasserstände in den Flüssen führten dazu, dass weniger Kohle, Heizöl und Diesel transportiert werden konnten, was den Preis der knappen Rohstoffe erhöhte. Schulze: „Hier bedroht der Klimawandel seine eigenen Ursachen.“ Welches Ausmaß dieser Effekt konkret hat, ist allerdings unklar, sagte der Emissionsexperte Michael Strogies vom Umweltbundesamt. Klar hingegen ist, dass 15 Millionen Tonnen CO2 an Heizemissionen aufgrund der milden Witterung eingespart wurden.
Ebenfalls können die Experten bisher nur mutmaßen, wie der leichte Emissionsrückgang von drei Prozent beim Klimasorgenkind Verkehr zustande kam. Strogies tippt auf erhöhte Dieselpreise.
Für Umweltverbände ist der Rückgang deswegen kein Erfolg. Sie kritisieren, dass er lediglich Folge des milden Winters und zeitweise teurem Öl, nicht jedoch Klimaschutzmaßnahmen zu verdanken sei. Energieexperte Michael Schäfer vom WWF sagte, nötig sei nun ein wirksames Klimaschutzgesetz. Um ein solches zu beraten, wollen die zuständigen Minister in der kommenden Woche zum „Klimakabinett“ zusammenkommen.
