Jähn starb am Samstag im Alter von 82 Jahren, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Sonntagabend mitteilte. Der Kosmonaut war in der DDR ein Volksheld und genoss große Popularität. Trotz seines Ruhmes blieb er immer bescheiden und wurde deshalb besonders verehrt.
Linken-Politiker Gregor Gysi bezeichnete Jähn als „sehr zurückhaltend und bescheiden“. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nannte Jähn einen echten Pionier. Er habe Millionen junger Menschen inspiriert, über sich hinauszuwachsen und neugierig zu sein. „Ganz Deutschland trauert heute um seinen ersten Mann im All“, schrieb Ziemiak bei dem Kurznachrichtendienst.
Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans würdigte Jähn als ein „Vorbild wie es wenige gibt und gab“. Und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) erinnerte sich: „Ich habe ihn als klugen und bescheidenen Sachsen kennengelernt. Wir werden sein Lebenswerk lebendig halten.“
Auch Wegbegleiter Jähns aus der Raumfahrt drückten ihre Trauer aus. „Die Nachricht vom Tode Sigmund Jähns hat mich tief berührt“, sagte Jan Wörner, Generaldirektor der Europäische Weltraumorganisation (Esa). „Wann immer wir uns getroffen haben, war es sehr persönlich, eine Freundschaft war entstanden, die nicht nur die Raumfahrt und seine unermüdliche Unterstützung der europäischen Astronauten betraf.“
„Der erste Deutsche im All hat sich auch immer als Brückenbauer zwischen Ost und West im Sinne der friedlichen Nutzung des Weltraums verstanden. Seine Botschaft, für die Erde ins All, werden wir in ehrendem Gedenken bewahren und fortführen“, sagte Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Am 26. August 1978 startete Jähn mit dem Raumschiff „Sojus 31“ vom Raumfahrtzentrum Baikonur in der damaligen sowjetischen Teilrepublik Kasachstan zur Raumstation Saljut 6. Gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski (1934-2019) war er 7 Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All. Erst 1983 flog Ulf Merbold aus dem Westen als zweiter Deutscher ins All.

Der am 13. Februar 1937 geborene Sigmund Werner Paul Jähn war zum Zeitpunkt des Fluges Oberstleutnant der DDR-Armee NVA. Er schied 1990 mit dem Ende der DDR als Generalmajor aus der NVA aus. Der gelernte Buchdrucker stammte aus der sächsischen Kleinstadt Morgenröthe-Rautenkranz. Nach der Ausbildung zum Jagdflieger bei den Luftstreitkräften der NVA wurde er von 1976 an in der Sowjetunion mit einem harten Training auf seinen Flug ins All vorbereitet.

Nach der Wende wurde er zunächst arbeitslos. Später arbeitete er für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Europäische Weltraumorganisation (Esa) und bildete europäische Astronauten im russischen Sternenstädtchen aus.
In seiner vogtländischen Heimatstadt erinnert die Deutsche Raumfahrtausstellung an seinen Weltraumflug. Jähn, der verheiratet war und zwei Töchter hatte, lebte in Strausberg bei Berlin. Er blieb seiner Heimat aber immer verbunden und hatte im Vogtland ein Wochenendhaus.

Woidke: Jähn hat nie Bodenhaftung verloren

Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat den am Samstag im Alter von 82 Jahren gestorbenen ersten Deutschen im All, Sigmund Jähn, als großen und bescheidenen Raumfahrtpionier gewürdigt. Mit seiner historischen Leistung habe er junge Menschen beflügelt, selbst nach den Sternen zu greifen, sagte Woidke am Montag. Er habe nie die Bodenhaftung verloren. „Er wurde bei den Menschen in der DDR zum Volkshelden, weil er ein Mensch, einer von uns, geblieben ist“, betonte Woidke in dem Kondolenzschreiben.
Seine Bescheidenheit und Freundlichkeit, mit der er auf andere Menschen zugegangen sei, habe vielen imponiert. Für die Ostdeutschen sei er immer ein Held gewesen und für viele Westdeutsche in den letzten Jahren geworden. „Sigmund Jähn war ein ganz besonderer Mensch, auch wenn er es nie sein wollte“, betonte Woidke. Ihm sei das Miteinander auf diesem Planeten stets wichtiger gewesen als ein Wettlauf der Ideologien. Davon habe er sich auch nach den Brüchen in den Anfangsjahren im wiedervereinten Deutschland nicht abbringen lassen.

Betroffenheit in Neuhardenberg und Strausberg

Die Betroffenheit in Neuhardenberg, wo Siegmund Jähn viele Jahre gewohnt und gearbeitet hat, ist groß. Das erklärte Uwe Hädicke, Geschäftsführer der Neuhardenberger Flugplatzgesellschaft Airport Edon. Sigmund Jähn war auf dem Flugplatz Marxwalde (heute Neuhardenberg) als Flugzeugführer im Jagdfliegergeschwader 8 stationiert. Er wohnte dort im Ort mit seiner Ehefrau Erika und ihren beiden Töchtern Marina und Grit von 1960 bis 1978. „Ich war acht Jahre alt, als er am 26. August 1978 an der Seite von Waleri Bykowski mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus 31 als erster Deutscher in das Weltall startete. Er wohnte in der Nachbarschaft, für uns war er der Held.“ Auf der Facebookseite des Flughafens schreibt er: „Ein großer Menschenfreund und Vorbild ist gestorben. Wir sind unendlich traurig. Ruhe in Frieden, lieber Sigmund Jähn!“
So empfinden viele in Neuhardenberg. Sein Leben lang blieb Jähn mit dem Ort verbunden, dessen Ehrenbürger er am 20. Januar 2007 wurde. Enge Freunde wie Peter Löhrke hielten stets Kontakt. Viele Neuhardenberger und Bürger der Region haben ihn zuletzt beim großen Flugprojekttag am 1. August in Neuhardenberg erlebt, als er zu den Passagieren des Airbus 320 der in Stralsund beheimateten Fluglinie Sundair bei einem 45-minütigem Rundflug über Berlin von Neuhardenberg aus gehörte. „Siegmund Jähn hat sich stets erkundigt, wie es mit dem Ort weitergeht, wie wir mit den hier untergebrachten Flüchtlingen klarkommen und vieles mehr“, sagt Uwe Hädicke.
Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler kannte Sigmund Jähn „lange und gut“ – seit mehreren Jahrzehnten. „Für mich war die Nachricht am Sonntag ein Schock. Ich kenne ihn als super fitten Menschen, körperlich und geistig sehr präsent. Für mich war er fast unsterblich“, sagte Elke Stadeler. Sigmund Jähn sei als Mensch „immer auf der Erde geblieben, obwohl er ganz oben war“. „Er war kein Showman, hat immer gesagt, ich hatte eine Aufgabe, ich hatte die Möglichkeiten, sie zu erfüllen, und ich habe sie erfüllt.“
Über all die Jahre hinweg habe die Stadtverwaltung Anfragen von Menschen erhalten, die mit Jähn in Kontakt kommen, Vorträge mit ihm organisieren, Autogramme haben und seine Adresse erfahren wollten. „Wir haben da immer versucht, ihn zu schützen“, sagte Stadeler. „Für mich ist Sigmund Jähn der bescheidenste Mensch, den ich kenne, ich vermisse ihn.“ Dass er nach der Wende erneut Ehrenbürger von Strausberg geworden ist, sei ihm viel wert gewesen. Auf Antrag von Elke Stadeler hatten ihn die Stadtverordneten 2012 einstimmig zum Ehrenbürger gemacht.
„Ich habe die Eintragung ins Ehrenbuch vorgetragen“, erinnerte sie sich. Raumfahrer Thomas Reiter sei aus Amsterdam gekommen, um die Laudatio zu halten. „In diesem Moment hat mich Sigmund Jähn angelächelt und zu mir gesagt, du bist Schuld. Ich habe geantwortet: Du warst doch oben“, sagte Elke Stadeler. Sie könne sich vorstellen, in den nächsten Tagen im Rathaus ein Kondolenzbuch auszulegen. Bei allem, was an Ehrung zu planen sei, werde man behutsam vorgehen. „Sigmund Jähns Familie muss erst mal begreifen, was passiert ist. Wir sollten ihr Zeit lassen. Ich werde der Familie heute einen Brief schreiben, und ihr mitteilen, dass wir sie unterstützten werden, wenn sie uns braucht.“
Steffen Schuster, Vorsitzender der Strausberger Stadtverordnetenversammlung, sagte zur Nachricht vom Tod Sigmund Jähns: „Ich bin natürlich sehr traurig. Ich habe Sigmund Jähn schon zu DDR-Zeiten als sehr bescheidenen Menschen kennengelernt bei der NVA in Strausberg, wo ich auch stationiert war“, sagte er. Noch beim Jahresempfang der Stadt im Mai habe er neben Jähn gesessen. „Da war er noch recht fit, insofern kommt das für mich auch überraschend.“ Jähn, sagt Schuster, sei verdienter Ehrenbürger der Stadt Strausberg gewesen. „Er war Strausberger mit Leib und Seele, er hat die Stadt gelebt und war auf seinen Reisen damit auch immer ein Botschafter für Strausberg.“ Es sei ein trauriger Tag für die Stadt: „Sigmund Jähn hat Strausberg geliebt, die Stadt hat aber auch ihn geliebt“, betonte Schuster.
Die Stadtverordnetenversammlung werde in Abstimmung mit der Stadtverwaltung eine entsprechende Würdigung vornehmen. „Aus Respekt vor seiner Lebensleistung, aber auch aus Respekt davor, wie er damit umgegangen ist. Wir werden aber nichts ohne Absprache mit seiner Familie machen. Ihr gilt unser ganzes Mitgefühl.“
Landrat Gernot Schmidt: "Für mich war Sigmund Jähn einer der letzten großen deutschen Patrioten. Er war ein sehr kluger, bescheidener und überhaupt nicht eitler Mensch. Ein Schlüsselerlebnis war für mich seine freie Rede, als er Ehrenbürger von Strausberg wurde und dort über Patriotismus gesprochen hat. Sigmund Jähn war natürlich ein DDR-Offizier, er hat für sein Vaterland eingestanden. Er hat aber auch stets die internationale  Sicht gehabt. Er war den Russen immer dankbar, dass sie ihm als Deutschen nach diesem verheerenden Krieg ermöglicht haben, ins All zu fliegen. Mit ihm verlieren wir einen Mann, der in die Sicht auf unsere Heimat eine würdevolle ostdeutsche Komponente eingebracht hat."
Die Gemeinde Neuhardenberg, deren Ehrenbürger Sigmund Jähn seit 2007 ist, legt ab Mittwoch an vier Stellen der einstigen Wirkungs- und Wohnstätte von Sigmund Jähn für vier Tage eine Kondolenzbuch aus.