Der Stall ist ein komplett vernetzter Hightech-Ort. Nicht nur die Anzahl der Schritte, die eine Kuh pro Tag macht, sondern auch die Liegezeiten und das Herumlaufen der Tiere im Stall werden lückenlos dokumentiert. Bevor der 37-jährige Agrarwirtschaftler 2013 bei dem 4000 Hektar großen Betrieb anfing, promovierte er an der Humboldt-Universität in Berlin.
Hof als Mittelstandsbetrieb
Thomas Gäbert ist optimistisch, dass er zusammen mit seinen 145 Mitarbeitern die Agrarwende hinbekommt. "Diese Gegend war immer schon von der Landwirtschaft geprägt", sagt er. Bis heute stammt die Mehrheit seiner Angestellten aus der Nachbarschaft. Nicht ohne Stolz erzählt er, ausschließlich Fachkräfte zu beschäftigen. Neben Land- und Tierwirten arbeiten dort auch Mechatroniker, die sich um den Maschinenpark kümmern, Köche, Lackierer und Büroangestellte. Der in den 1950er- Jahren als Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gegründete Betrieb firmiert seit 1991 als eingetragene Genossenschaft nach bundesdeutschem Recht und liegt südlich von Berlin. Als weiteres Standbein betreibt die AGT eine Werkstatt für Land- und Baumaschinen sowie für Nutzfahrzeuge. Dort werden sowohl eigene Maschinen gewartet und repariert, aber auch die Fahrzeuge des Landesbetriebs für Straßenwesen. Auch gehört ein Landhotel, eine Tankstelle sowie eine Lackiererei zu dem Betrieb.
Die Betriebsgrößen in Ost und West unterscheiden sich erheblich. Während in Brandenburg und Sachsen-Anhalt Höfe um die 1000 Hektar keine Seltenheit sind, liegt die durchschnittliche Betriebsgröße in Deutschland bei rund 62 Hektar. Während die Mehrheit der  landwirtschaftlichen Betriebe als Familienbetriebe geführt werden, sind es mittelständische Betriebe im Osten mit zum Teil mehr als 100 Beschäftigten. Unter Gäberts Angestellten sind auch Familien mit Kindern sowie allein alleinerziehende Frauen, die von ihrem Chef sogar zur Erntezeit im Sommer Urlaub bekommen.
Investitionen in die Zukunft
Gäberts Steckenpferd ist die Digitalisierung. 2011 in den Betrieb eingeführt, steht sie, seitdem Gäbert 2017 die Leitung übernommen hat, im Zentrum. Nicht nur die Tierställe sind vernetzt, vor allem in den Bereichen Pflanzenschutz, Düngung und Saatgut sei im Hinblick auf mehr Nachhaltigkeit und mehr Naturschutz noch sehr viel Potenzial gegeben, so Gäbert. Jedes Feld sei unterschiedlich. So sei beispielsweise mancherorts der Lehmanteil höher, dort brauche es eine andere Ausbringungsmenge von Saatgut oder Dünger.
Die AGT hat zwischen 2013 und 2019 für Digitalisierung rund 300 000 Euro ausgegeben. Für einen Betrieb dieser Größe sind diese Investitionen machbar und in fünf bis acht Jahren abgeschrieben. Kleinere Betriebe mit Flächen zwischen 20 bis 70 Hektar brauchen dafür bis zu 20 Jahre.
Das Futter für die Kühe wird überwiegend selber angebaut, vor allem Gras, Futterroggen und Mais sowie für Nachbarbetriebe und Futtermühlen auch Gerste und Weizen.
Doch der Betrieb experimentiert auch mit alten Pflanzensorten wie Luzerne. Seit zwei Jahrenkommt der Betrieb ausschließlich mit einheimischen Eiweißpflanzen aus. "Es soll sich ja was verändern", sagte Jana Gäbert. Sie lernte ihren Ehemann beim gemeinsamen Studium kennen und kümmert sich um die strategische Entwicklung und die Biodiversität. Durch Rapsprodukte, die als gepresste Pellets verfüttert werden, wird Soja ersetzt. Aber die Produkte, die bisher am Markt sind, sind sehr viel teurer und teilweise auch nicht immer verfügbar. Die Gäberts sind für ein Umsteuern in der Landwirtschaft, aber die Kurskorrektur könne nicht alleine von den Bauern verlangt werden. "Dazu müsste es eine breite Debatte mit der Politik und den Verbrauchern geben", sagt Thomas Gäbert.
In Ansätzen werde das auch bereits gemacht, aber man müsste sich darauf einigen, "wohin man will". Solange das nicht geklärt sei, sei die Debatte nicht beendet.