Polen übt sich als diplomatische Supermacht. Gemeinsam mit den USA wird in dieser Woche in Warschau  eine Nahost-Konferenz veranstaltet.
Doch viele Westeuropäer sehen darin ein Ausscheren Warschaus aus den Bemühungen um eine gemeinsame Iran-Politik.
Erst am Wochenende hat der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell,  Deutschland und andere westeuropäische Staaten gewarnt: Die Sanktionen zu unterwandern, die die USA gegen den Iran erlassen haben, um dessen Atomprogramm zu beenden, „sei nicht ratsam“, drohte Grenell ganz undiplomatisch.
Was ist geschehen? Zur Umgehung der US-Wirtschaftssanktionen hatten Deutschland, Frankreich und Großbritannien Ende Januar eine Zweckgesellschaft namens Instex gegründet. Über diese kann der Zahlungsverkehr bei Iran-Geschäften abgewickelt werden, wenn Privatbanken wegen drohender US-Strafen dazu nicht mehr bereit sind. So könnte der Iran zum Beispiel weiter Erdöl und andere Produkte nach Europa liefern.
Mit einem anderen europäischen Land hat Washington in dieser Beziehung viel weniger Probleme: Gemeinsam mit Polen wird am Mittwoch und Donnerstag eine internationale Konferenz zur Zukunft und Sicherheit im Nahen Osten veranstaltet. Weil dazu neben US-Vizepräsident Mike Pence und Verteidigungsminister Mike Pompeo Gäste aus bis zu 70 Staaten erwartet werden, herrscht in Polens Hauptstadt höchste Sicherheitsstufe. Auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner wird erwartet.
Allerdings droht das Treffen gerade nicht zur gemeinsamen Haltung gegenüber dem Iran zu führen. Nachdem Russlands Außenminister Sergej Lawrow das Treffen von Beginn an „als überflüssig“ bezeichnet hatte, sagten schon Europas Chefdiplomatin Federica Mogherini, die Palästinenser und auch Frankreichs Außenminister ab. Der Iran selbst wurde gar nicht erst eingeladen.
Als vergangene Woche wenigstens Londons Außenminister Jeremy Hunt zusagte, hatten die Gastgeber auch auf den deutschen Chefdiplomaten Heiko Maas gehofft. Doch am Montag  erklärte das Auswärtige Amt in Berlin, dass lediglich der Staatsminister im Außenamt, Niels Annen, nach Warschau fahren werde.
Für eine Überraschung sorgte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der zwar die Teilnahme in Warschau zusagte, jedoch nicht zur anschließenden Sicherheitskonferenz nach München kommen will. An der Weichsel rechnet man nun mit einer umso schärferen Rede Netanjahus in Richtung Teheran.
Trotz all dieser Turbulenzen hieß es aus der Kanzlei von Polens Präsident Andrzej Duda, dass es sich um das wichtigste diplomatische Ereignis in Polen seit dem Nato-Gipfel 2016 handele. Wie schon oft zeigt Warschau, dass ihm die Allianz mit den USA wichtiger ist, als die einheitliche Haltung der Europäer.
„Im Ernstfall können wir uns ohnehin nur auf die Amerikaner verlassen.“ Das hat der Chef der Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, schon bei früherer Gelegenheit erklärt.
Ganz in diesem Sinne wird am Mittwoch auch der Kaufvertrag über ein mobiles Raketenabschuss-System unterzeichnet, das der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin für Polens Armee liefern soll. Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak kündigte am Sonntag an, dass dieses System mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern umgerechnet 365 Millionen Euro kosten wird. Die lang gehegte Hoffnung, dass die Amerikaner Teile dieses Auftrags in polnischen Rüstungsbetrieben fertigen werden, habe sich dagegen nicht erfüllt.
Bereits 2018 hatte die polnische Regierung ein Raketenabwehrsystem vom Typ „Patriot“ in den USA bestellt, das mehr als vier Milliarden Euro kosten soll. Außerdem hatte Präsident Duda unlängst in Washington für einen permanenten US-Truppenstützpunkt in Polen – das sogenannte „Fort Trump“ – geworben, weil man sich von Russland bedroht fühlt. US-Soldaten sind bislang nur im Rahmen eines Nato-Rotationsmodells präsent, in dem derzeit wieder der Austausch einer Panzer-Brigade erfolgt.