Olympische Spiele in Paris
: Aus Sorge vor Anschlägen achtmal mehr Ordnungshüter als Athleten

Während der Olympischen Sommerspiele wird Paris in eine Hochsicherheitszone verwandelt. Deutsche und polnische Polizisten rücken zur Verstärkung an
Von
Peter Heusch
Berlin
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Die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele in Paris laufen auf Hochtouren. Die Behörden wollen die Stadt vor Anschlägen schützen.

Michel Euler/dpa
  • Paris wird zu Hochsicherheitszone: höchste Terrorwarnstufe seit Moskau-Anschlag.
  • Eröffnungsfeier auf der Seine: statt 1 Mio. nur ca. 300.000 mit Passierschein.
  • Einsatzkräfte: 45.000 Polizei/Gendarmerie, 18.000 Soldaten, 20.000 private Security.
  • Frankreich bittet um mind. 2000 zusätzliche Kräfte; Zusage aus Deutschland und Polen.
  • Ab 26. Juli: große Sicherheitszonen, Zugang nur zu Fuß mit Ticket/Anwohnerausweis; ÖPNV teils gesperrt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Besonders guter Laune war Leutnant Elisa H. am Ostermontag ohnehin nicht, da sie Bereitschaftsdienst schieben musste. Aber richtig mies wurde die Stimmung der jungen Gendarmerie–Offizierin, als ihr Vorgesetzter sie anrief. Leider, so teilte dieser mit, müsse er den bereits genehmigten Urlaubsantrag wieder einkassieren. Statt wie geplant im August mit ihrem Lebensgefährten auf den Stränden von Korsika zu bräunen, wird die Soldatin durch das Olympische Dorf im Pariser Vorort Saint–Denis patrouillieren. Der Befehl, so ihr Chef, komme von „ganz oben“.

Nach dem Anschlag auf die Crocus City Hall bei Moskau mit mehr als 140 Toten hat Frankreich die höchste von drei Terrorwarnstufen ausgerufen. Und es ist davon auszugehen, dass der Alarmzustand bis und während der am 26. Juli in der französischen Hauptstadt beginnenden Olympischen Sommerspiele aufrechterhalten wird. Wobei schon vor dem blutigen Attentat in der russischen Metropole, zu welchem sich die Terrororganisation Islamische Staat Provinz Khorasan (ISPK) bekannte, eine Verschärfung der ohnehin enormen Sicherheitsvorkehrungen für das „Fest Olympia“ angedacht worden war.

Drei Anschlagsversuche schon vereitelt

Der Grund ist die laut dem französischen Innenminister Gérald Darmanin jüngst deutlich erhöhte Attentatsgefahr links des Rheins. Allein seit Beginn des Jahres sind auf französischem Boden drei Anschlagsversuche vereitelt worden, der letzte war am Ostersonntag. In zwei der drei Fälle standen die Gefährder in Verbindung zum ISPK. Auch Arman R.-S., der Anfang Dezember einen deutschen Touristen auf der Pariser–Brücke Bir Hakeim ermordete, hatte diesem IS–Ableger Gefolgschaft geschworen.

Tausende Athleten, riesige Menschenmengen und das weltweite Fernsehpublikum machen die Olympischen Spiele zu einer idealen Zielscheibe für Terroristen, wie sich 1972 in München und 1996 in Atlanta gezeigt hat. Es kommt hinzu, dass Paris als Hauptstadt einer Nation, die von den Islamisten als „kleiner Satan“ bezeichnet wird (als großer Satan gelten dem IS die USA) auf potenzielle Angreifer eine besondere Anziehungskraft ausübt und deswegen innerhalb des letzten Jahrzehnts bereits einen sehr hohen Blutzoll zahlen musste.

Die Nervosität der Verantwortlichen steigt

Natürlich war den Verantwortlichen die von den Diensten etwas beschönigend als „besonders“ bezeichnete Bedrohungslage von vornherein bewusst. Aber die Nervosität ist in den letzten Wochen deutlich gestiegen, wie nicht allein die soeben erlassenen Urlaubssperren für zahlreiche Polizisten und Gendarmen unterstreichen. Auch die als zwar sensationell gepriesene, für die Sicherheitskräfte jedoch eine wahre Kopfnuss darstellende Eröffnungsfeier auf der Seine wurde modifiziert. Statt einer Million Zuschauer werden an den rigoros abgeriegelten Ufern nur noch rund 300.000 Personen mit Passierschein zugelassen, die sich zwecks Überprüfung vorher online angemeldet haben.

Wer von Hochsicherheit spricht, muss auch von Absperrgittern sprechen. Die werden in der Seinemetropole und in Saint–Denis überall zum Straßenbild gehören. Schwerbewaffnete Ordnungshüter in Kampfanzügen ebenso. Denn wenn sich in diesem Sommer die Aufmerksamkeit auf die Wettkämpfe von knapp 12.000 Athleten aus aller Welt richtet, sollen nicht weniger als 45.000 Polizisten und Gendarmen, 18.000 Soldaten sowie 20.000 private Sicherheitskräfte tagtäglich im Einsatz sein, um Sportler, Zuschauer, Touristen und Bewohner einer Metropole im Alarmzustand zu beschützen.

Noch mehr Verstärkung aus dem Ausland

Doch selbst die Rechnung, der zufolge während Olympia auf jeden Athleten acht Ordnungshüter kommen werden, scheint den Verantwortlichen seit den Moskauer Anschlägen nicht mehr ausreichend. Vor Ostern hat Frankreich mehrere befreundete Länder um die Entsendung von mindestens 2000 weiteren Einsatzkräften gebeten. Ein Verstärkungsgesuch, dem Deutschland und Polen als erste zugestimmt haben.

Touristische Attraktionen abgesperrt

Rigoros abgeriegelt durch weiträumige Sicherheitszonen werden ab dem 26. Juli nicht allein der Pariser Vorort Saint-Denis, wo neben dem Olympischen Dorf auch das als Olympia-Stadium dienende Stade de France liegen.

Das gilt auch für den Eiffelturm, weil dort die Beachvolleyballer um Medaillen ringen werden, das den Fußballspielen gewidmete Stadium Parc des Princes, den den Breakdancern reservierten Place de la Concorde oder für den an den Champs-Elysées gelegenen Grand Palais, wo die Fecht- und Boxkämpfe ausgetragen werden. In sämtliche um diese ephemeren Sportstätten vorgesehenen und unter dem Strich einen Großteil des Pariser Zentrums abdeckende Sicherheitszonen wird man allein zu Fuß und mit einem gültigen Ticket oder einem Anwohnerausweis gelangen können. Metrostationen bleiben geschlossen, Linien-Busse verkehren nicht.