Roboter-Autos
: „Wir können autonomes Fahren“

Im Dreiländereck mit Luxemburg und Frankreich werden Roboter-Autos getestet – davon sind nicht alle begeistert
Von
Dorothee Torebko
Schengen
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Erkenne die Zeichen: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, r) unterhält sich in Schengen mit seinem luxemburgischen Amtskollegen François Bausch.Die Roboter-Autos müssen noch lernen, die unterschiedlichen Verkehrszeichen und -regeln zu erkennen.

dpa/Oliver Dietze

Die schwarze Limousine, die Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer transportiert, biegt um die Ecke, sie wird immer langsamer, kommt zum Stehen. Nichts Besonderes – eigentlich. Wäre da nicht ein Detail. Der CSU-Mann hat die Hände nicht am Steuer, die Füße nicht auf den Pedalen. Das Auto fährt von ganz allein. Es ist eines von vielen, die gerade im Dreiländereck von Luxemburg, Deutschland und Frankreich getestet werden mit dem Ziel: In spätestens 15 Jahren sollen diese Autos Deutschlands Straßen bevölkern.

Bei den Tests geht es darum, wie autonome Autos mit unterschiedlichen Schildern, Ampeln und Mobilfunksystemen funktionieren. Es ist das erste grenzüberschreitende Projekt mit weitreichender Wirkung. In Schengen wurde es am Mittwoch unter anderem von Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) und der saarländischen Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) vorgestellt. Es geht dabei um nicht weniger als die Zukunft der Mobilität in Deutschland. Bald werden Maschinen uns die Arbeit abnehmen, bald Bus-, Bahn-, Lkw- und Taxifahrer obsolet. Die Botschaft der Minister: Wenn wir jetzt nicht die Technologie vorantreiben, hängen uns andere Länder wie China oder die USA ab.

Deshalb fördert die Bundesregierung Projekte wie das in Schengen vorgestellte, deshalb pumpen aber auch Unternehmen wie VW gerade Millionen in die Entwicklung autonomer Autos. Ebenfalls am Mittwoch stellte VW in Hamburg vor, wie selbstfahrende Autos im Stadtverkehr – quasi der Königsdisziplin aller Verkehre – erprobt werden. So wie in Schengen blinkt und leuchtet es in den Hamburger VW-Autos. Innerhalb und außerhalb der Roboterwagen sind Laserscanner, Kameras und Sensoren montiert. Die Zukunft der Mobilität fährt aber mit Handbremse: Denn auf beiden Teststrecken ist immer auch ein Fahrer mit an Bord, der im Notfall eingreifen kann.

Vorreiter der Entwicklung von Roboterwagen sind die USA. Im Silicon Valley gehören selbstfahrende Autos wie selbstverständlich zum Stadtbild. In Kalifornien haben 62 Unternehmen die Erlaubnis, Roboterwagen auf öffentlichen Straßen zu testen. Groß im Geschäft ist Google. Die Schwesterfirma Waymo betreibt seit einigen Monaten einen Robotaxi-Service im Bundesstaat Arizona. Waymo soll bereits viele Testkilometer absolviert haben, aber der Konkurrenz noch nicht enteilt sein.

Minister Scheuer jedenfalls lässt sich nicht entmutigen. „Wir sind besser, als manche glauben. Wir beweisen hier, dass wir autonomes Fahren können“, betont der CSU-Mann und verweist auf ein weiteres Testfeld an der A9. „Unser Problem ist nur das Marketing. Wir sollten nicht erst dann über die neue Technologie reden, wenn wir sie zu 150 Prozent entwickelt haben.“

Dass die deutsche Ingenieurskunst durchaus stolz auf ihre Entwicklungen sein kann, zeigt der Zeitrahmen, in denen sich das Schengener Projekt bewegt. Schon im kommenden Jahr soll ein elektrischer, autonomer Linienbus in der Grenzregion verkehren. Er soll Pendler nicht einfach von Haltestelle zu Haltestelle kutschieren, sondern auf Abruf bereitstehen. Das ist insofern herausfordernd, weil in den drei Ländern ganz andere Straßenverhältnisse herrschen. In Frankreich etwa gibt es keine Haltelinien und die Ampeln springen direkt von Rot auf Grün. Den Systemen fällt es noch schwer, die unterschiedlichen Schilder richtig zu erkennen und zu reagieren. Kurz: Die Roboautos sind noch zu unsicher für den Straßenverkehr.

Kein Wunder, dass sich mit der neuen Technologie Ängste bei den Menschen verknüpfen. Die französische Verkehrsministerin Elisabeth Borne verweist auf eine Umfrage, wonach zwei Drittel der EU-Bürger noch nicht von der Technik überzeugt sind. Es gibt die Furcht vor dem Kontrollverlust und dem Wegfall von Arbeitsplätzen. Zwar beschwichtigen Konzernvorstände von der Bahn bis hin zu Automobilunternehmen sowie Politiker immer wieder: Es werden dafür aber neue Jobs geschaffen. Doch so wie heute an den neuen Technologien, muss auch heute an den neuen Berufen gearbeitet werden.

Die Minister der drei Länder wollen sich aber nicht die Entwicklungen madig machen lassen. Den Ängsten begegnen sie mit Transparenz, etwa indem ein Büro für den Bürgerdialog zum autonomen Fahren in der Grenzregion errichtet wurde. Sie betonen die Chancen für den ländlichen Raum, wenn nicht mehr ein riesiger Linienbus für zwei Personen dreimal pro Tag durch die Dörfer schleicht, sondern fahrerlose Autos auf Abruf bestellt werden können. „Es gab eine Zeit, da kamen Kutschen ohne Pferde daher. Davor hatten die Leute auch Angst“, erläutert Verkehrsminister Scheuer. „Ich nenne das Fortschritt“, sagt er und steigt in seine Limousine. Diesmal aber – noch – mit Fahrer.