Unruhen in Frankreich
: 800.000 Demonstranten, Tränengas und Wasserwerfer – die Bilder der Proteste

Die Proteste in Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten halten an. Dabei kam es erneut zu Unruhen und Hunderten Festnahmen. Auch in anderen Ländern Europas brodelt es.
Von
Ole Rockrohr
Paris
Jetzt in der App anhören
Proteste in Rennes: Ein Demonstrant wirft nach einer Demonstration gegen steigende Lebenshaltungskosten in Rennes, Frankreich, eine Tränengasgranate in Richtung der Polizei. (zu dpa: «Mindestens 1.000 Festnahmen nach Protesten in Frankreich»)

In Rennes wirft ein Demonstrant eine Tränengasgranate in Richtung der Polizei. Je nach Darstellung gingen am Samstag zwischen 400.000 und 800.000 Menschen in Frankreich auf die Straße.

Jeremias Gonzalez/dpa
  • Frankreichweit protestieren Hunderttausende gegen hohe Lebenshaltungskosten.
  • Innenministerium nennt 410.000 Teilnehmende, die CGT spricht von fast 800.000.
  • Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein – fast 1000 Festnahmen laut Nuñez.
  • In Paris, Lyon, Nantes und Toulouse kommt es zu Zusammenstößen und Plünderungen.
  • Auch in Barcelona, Albanien, Belgien und Italien gibt es Proteste und teils Gewalt.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Die Proteste in Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten sind trotz Auflagen auch eine Woche nach massiven Gewaltausbrüchen am Rande von Demonstrationen nicht abgerissen. Dem französischen Innenministerium zufolge gingen landesweit 410.000 Protestierende auf die Straßen, die Gewerkschaft CGT spricht von fast 800.000 Teilnehmern. Dabei kam es erneut zu Ausschreitungen und Festnahmen, der Großteil der Proteste blieb jedoch friedlich.

Innenminister: „Plünderungen sind verhindert worden“

Die Polizei habe fast 1000 Menschen festgenommen, sagte Innenminister Laurent Nuñez vor Journalisten. Die Einsatzkräfte waren demnach „mit einem extrem erhöhten Maß an Gewalt“ von „Militanten der extremen Linken“ konfrontiert. Dabei seien die genehmigten Protestzüge zunächst „gut verlaufen“, sagte Nuñez. Es seien mehr Polizeikräfte auf den Straßen präsent gewesen. Diese hätten schneller reagiert, im Vorfeld der Demonstrationen verstärkt Kontrollen ausgeführt und Geschäfte besser geschützt. Bei den Zusammenstößen in den Städten Clermont-Ferrand und Toulouse seien dann allerdings zwei Menschen „schwer verletzt“ worden, sagte der Innenminister weiter.

Zusammenstöße zwischen Polizei und Protestierenden gab es auch in der Hauptstadt Paris, in Lyon, Nantes und Toulouse. Innenminister Nuñez sprach von einigen Plünderungen, es seien aber viel weniger gewesen als in der Woche zuvor. „Zahlreiche Plünderungen sind verhindert worden“, sagte er. In Cannes und Montpellier hätten die Behörden zudem erstmals bei den Demonstrationen Rechtsextreme gesehen, die Konfrontationen mit Linksradikalen gesucht hätten.

  • Proteste in Marseille: 24.10.2026, Frankreich, Marseille: Ein Beamter des französischen Republikanischen Sicherheitskorps (CRS – Compagnies Républicaines de Sécurité) schlägt  einen Demonstranten mit einem Schlagstock während einer Demonstration für Kaufkraft, den Erhalt öffentlicher Dienstleistungen sowie steuerliche und soziale Gerechtigkeit im Rahmen eines landesweiten Mobilisierungsaufrufs, der ehemalige Mitglieder der „Gelbwesten“-Bewegung, Gewerkschaften sowie Schüler und Studenten zusammenbrachte. Foto: Thibaud Moritz/AFP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Bei den Protesten in Frankreich ging die Polizei teils gewaltvoll gegen die Demonstranten vor.

    Thibaud Moritz/dpa
  • Proteste in Paris: Ein Demonstrant hält während einer Demonstration gegen steigende Lebenshaltungskosten in Paris ein Schild mit der Aufschrift „Die Welt gehört uns“ hoch. (zu dpa: «Mindestens 1.000 Festnahmen nach Protesten in Frankreich»)

    Die Gewerkschaft CGT spricht landesweit von fast 800.000 Protestteilnehmern.

    Thibault Camus/dpa
  • Proteste in Bordeaux: 24.10.2026, Frankreich, Bordeaux: Ein Demonstrant geht an einem Feuer in der Nähe der Place de la Bourse vorbei, die in einer Demonstrationssperrzone liegt, während einer Demonstration für Kaufkraft, den Schutz öffentlicher Dienstleistungen sowie steuerliche und soziale Gerechtigkeit im Rahmen eines landesweiten Aufrufs zur Mobilisierung. Foto: Philippe Lopez/AFP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    In Bordeaux gab es brennende Barrikaden.

    Philippe Lopez/dpa
  • Proteste in Straßburg: 24.10.2026, Frankreich, Straßburg: Polizisten nehmen Demonstranten während einer Kundgebung gegen steigende Lebenshaltungskosten fest. Foto: Jean-Francois Badias/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Polizisten nehmen Demonstranten in Straßburg fest.

    Jean-Francois Badias/dpa
  • Proteste in Paris: Zahlreiche Demonstranten ziehen von der Porte d'Italie in Richtung Porte de Vincennes. (zu dpa: «Neue Proteste von Frankreichs Gelbwesten angekündigt»)

    Trotz der Ausschreitungen blieb der Großteil der Demonstranten friedlich.

    Marcus Golejewski/dpa
  • Proteste in Paris: 24.10.2026, Frankreich, Paris: Ein Demonstrant wirft nach einer Demonstration gegen steigende Lebenshaltungskosten einen Gegenstand in Richtung der Polizei. (AP Photo/Thibault Camus) Foto: Thibault Camus/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Ein Demonstrant wirft in Paris nach einer Demonstration einen Gegenstand in Richtung der Polizei.

    Thibault Camus/dpa
  • Proteste in Straßburg: 24.10.2026, Frankreich, Straßburg: Ein Demonstrant hält während einer Demonstration gegen steigende Lebenshaltungskosten eine französische Flagge hoch. Foto: Jean-Francois Badias/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Demo in Straßburg: Ein Demonstrant hält eine französische Flagge hoch.

    Jean-Francois Badias/dpa
  • Proteste in Paris: 24.10.2026, Frankreich, Paris: Polizisten blockieren im Tränengasnebel eine Straße. Foto: Marcus Golejewski/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Die Polizei war mit 70.000 Ordnungshütern im Einsatz.

    Marcus Golejewski/dpa
  • Marseille France Street Protests: Marseille France Street Protests Protesters take cover behind a wooden barrier while a tear gas canister releases smoke during a protest in Marseille, France on October 24, 2026. Authorities deployed around 70,000 security personnel across France for renewed protests over the cost of living, after unrest a week earlier saw public buildings damaged, hundreds of shops looted and about 2,700 people arrested. Marseille Provence-Alpes-CÃ te France Copyright: xNaelxChahinex

    In Marseille werfen Protestanten die von der Polizei abgefeuerten Gaskartuschen wieder in Richtung der Einsatzkräfte.

    IMAGO/Nael Chahine
  • Marseille France Street Protests: Marseille France Street Protests A protester holds a French flag atop a monument during unrest in Marseille, France on October 24, 2026. Authorities deployed around 70,000 security personnel across France for renewed protests over the cost of living, after unrest a week earlier saw public buildings damaged, hundreds of shops looted and about 2,700 people arrested. Marseille Provence-Alpes-CÃ te France Copyright: xNaelxChahinex

    Ein Protestant vor einer Kirche in Marseille.

    IMAGO/Nael Chahine
  • Second Day Of Yellow Vests Mobilization: October 24, 2026, Bordeaux, Nouvelle-Aquitaine, France: In Bordeaux, the march on the second day of protests against the rising cost of living initially proceeded peacefully. At the end of the route, violent clashes broke out on the sidelines between groups of demonstrators and law enforcement officers. Projectiles were thrown at riot police, who used tear gas to disperse the groups. Participants in the mobilization also included members of the Yellow Vests movement. Bordeaux France - ZUMAh207 20261024_zip_h207_027 Copyright: xFabricexHebertx

    Viele Franzosen nutzten den Tag, um ihren Protest friedlich und kreativ auf die Straßen zu bringen.

    IMAGO/Fabrice Hebert
  • Second Day Of Yellow Vests Mobilization: October 24, 2026, Bordeaux, Nouvelle-Aquitaine, France: In Bordeaux, the march on the second day of protests against the rising cost of living initially proceeded peacefully. At the end of the route, violent clashes broke out on the sidelines between groups of demonstrators and law enforcement officers. Projectiles were thrown at riot police, who used tear gas to disperse the groups. Participants in the mobilization also included members of the Yellow Vests movement. Bordeaux France - ZUMAh207 20261024_zip_h207_016 Copyright: xFabricexHebertx

    Vielerorts ist die Polizei zahlreich angerückt und mit Granatwerfern ausgerüstet, mit denen sie Tränengas verschießt.

    IMAGO/Fabrice Hebert
  • Proteste in Frankreich: Die Eingänge und Fenster von Geschäften werden mit Holzplatten verbarrikadieren. (zu dpa: «Anspannung in Frankreich vor Demos und möglichen Krawallen»)

    Um sich vor Plünderungen zu schützen, verbarrikadierten viele Ladenbesitzer ihre Geschäfte, wie hier in Paris.

    Alexander Franz/dpa
1 / 13

70.000 Sicherheitskräfte in Frankreich im Einsatz

Die Behörden hatten in Vorbereitung auf dieses Protest-Wochenende strenge Auflagen erlassen und viele Kundgebungen verboten. Außerdem war ein Großaufgebot von etwa 70.000 Sicherheitskräften im Einsatz.

Die französische Regierung reagierte damit auf die massiven Ausschreitungen, zu denen es am vergangenen Wochenende am Rande von Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem gekommen war. Tausende Geschäfte wurden dabei geplündert, Rathäuser und Polizeistationen angegriffen und Gebäude in Brand gesetzt. Die Behörden meldeten rund 2700 Festnahmen am vergangenen Wochenende.

Gewerkschaft zählt 800.000 Demonstranten

Trotz der nun verhängten Beschränkungen nahmen am Samstag erneut hunderttausende Menschen an den Protesten teil. Die Gewerkschaft CGT sprach am Samstagabend (24. Oktober) von landesweit fast 800.000 Protestteilnehmern. Allein in Paris seien 250.000 Menschen auf die Straße gegangen. Nach Angaben des Innenministeriums waren es 410.000 Protestteilnehmer landesweit, davon 110.000 in der Hauptstadt.

Am Samstagnachmittag hatte die Polizei noch erklärt, in der französischen Hauptstadt sei es ruhig geblieben. Gegen 14. Uhr war an der Porte de Vincennes am Stadtrand von Paris ein Protestzug gestartet. Am Abend gab es in Paris Ausschreitungen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Einsatzkräfte der Polizei setzten Schlagstöcke und Tränengas gegen Demonstrierende ein, nach Behördenangaben kam auch ein Wasserwerfer zum Einsatz.

Zu den Auseinandersetzungen kam es laut Nuñez, als sich die Menschenmenge auflöste. Der Innenminister machte dafür „500 Randalierer“ am Ende des Demonstrationszuges verantwortlich. „Die Polizei hat angefangen, auf alle loszugehen“, sagte Demonstrant David, der nur seinen Vornamen nennen wollte. Die Einsatzkräfte hätten Demonstrierende zu Boden geworfen und geschlagen. Die Pariser Polizeipräfektur erklärte ihrerseits, die Randalierer hätten nach dem Protestmarsch die Polizei angegriffen.

Vor der Eskalation in Paris hatte die Polizei bereits in mehreren anderen französischen Städten Tränengas gegen Demonstrierende eingesetzt. AFP-Journalisten beobachteten dies etwa in Lille, Montpellier und Toulouse.

Im westfranzösischen Nantes durchbrachen tausende Demonstrierende die Reihen der Polizei, um ins Stadtzentrum vorzudringen. Die Einsatzkräfte versuchten, sie mit Tränengas und Wasserwerfern zu stoppen. Einige am Rand der Menge schleuderten Feuerwerkskörper und andere Wurfgeschosse in Richtung der Polizisten.

Im südfranzösischen Marseille sowie in Grenoble im Südosten des Landes kam es am Rande der Demonstrationen zu Plünderungen, wie die Polizei mitteilte. Geschäftsinhaber in Paris und anderen Städten hatten vorab ihre Schaufenster mit Holzplatten geschützt, um Plünderungen zu verhindern.

Auch in anderen europäischen Ländern gingen erneut Tausende auf die Straßen. In Barcelona kamen Berichten zufolge Hunderte Jugendliche und junge Erwachsene am Samstagabend bis in die Nacht hinein zu Protesten zusammen. In Albanien gab es Proteste gegen Missstände im Hochschulwesen und gegen die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama. Auch in Belgien gab es kleinere Demonstrationen und in Italien kam es am Rande von Demonstrationen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Ordnungskräften und Protestierenden.