Der Bundesvorstand der Grünen nominierte Annalena Baerbock am Montag für den Spitzenposten, wie die Partei in einem Rundschreiben an Unterstützer mitteilte. Die Kanzler-Entscheidung muss noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden, die Zustimmung gilt aber als sicher.

Baerbock wirbt direkt für einen Neuanfang

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock hat direkt für einen Aufbruch in Deutschland geworben. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht“, sagte sie am Montag in Berlin. Sie wolle eine Politik anbieten, die vorausschaue. Der Bundesvorstand der Grünen hatte die 40-jährige Baerbock zuvor als Kanzlerkandidatin nominiert. Die Bundestagswahl findet am 26. September statt.

Habeck macht Werbung für seine Kollegin

Grünen-Chef Robert Habeck hat für seine Co-Chefin Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin seiner Partei geworben. Er beschrieb sie als „kämpferische, fokussierte, willensstarke Frau“, die genau wisse, was sie wolle. Zuvor hatte die Partei mitgeteilt, dass der Vorstand Baerbock als Kandidatin nominiere. Der Parteitag Mitte Juni muss noch zustimmen, was aber als sicher gilt.
Habeck sagte, er selbst und Baerbock hätten in den vergangenen Wochen vertraute, manchmal auch schwierige Gespräche darüber geführt, wer von beiden die Kandidatur übernehmen solle. „Wir beide wollten es, aber am Ende kann es nur eine machen“, sagte er. Er selbst wolle sich aber gleichfalls in den Wahlkampf werfen. Die Gemeinsamkeit habe die Grünen so erfolgreich gemacht. „In dieser Situation führt der gemeinsame Erfolg dazu, dass einer einen Schritt zurücktreten muss.“

Wahlkampf ohne eine Koalitions-Präferenz

Baerbock will ihre Partei ohne Präferenz für eine bestimmte Koalition in den Wahlkampf führen. „Wir trotten nicht anderen hinterher“, sagte die Parteivorsitzende in Berlin. Gleichzeitig machte sie ganz klar, dass die Grünen das Ziel haben, bei der Bundestagswahl am 26. September das Kanzleramt zu erobern. „Wir möchten am liebsten diese Regierung anführen“, sagte die 40-Jährige. „In diesem Jahr ist alles drin und alles möglich. Und dafür geben wir unser Bestes.“
Nach den aktuellen Umfragewerten könnten die Grünen Juniorpartner in einer Koalition mit der Union werden. Aber auch für eine Ampel-Koalition unter Führung der Grünen mit SPD und FDP oder eine grün-rot-rote Koalition mit SPD und Linken könnte es bei der Wahl rechnerisch reichen.
Baerbock betonte, es bringe jetzt nichts, darüber zu spekulieren. „Wir definieren uns nicht entlang anderer“, sagte sie. „Damit gestaltet man nicht. Damit läuft man nur anderen hinterher.“

Begeisterung in Brandenburg über Nominierung

Die Nominierung der Grünen-Chefin sorgt bei den Brandenburger Grünen - ihrer politischen Heimat - für Begeisterung. „Sie hat den klaren politischen Kompass, die Energie und die Willensstärke, die eine Kanzlerin braucht, um das Land durch Krisen zu führen und um die nötigen Veränderungen voranzutreiben“, teilte die Co-Landesvorsitzende Alexandra Pichl am Montag mit und sagte, sie freue sich riesig. „Annalena Baerbock steht für ein neues, besseres Verständnis von politischer Führung - entschieden und transparent, lernfähig und selbstkritisch.“

Berlin mit Hoffnung für Klima und Umwelt

Die Berliner Grünen werten die Nominierung ihrer Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin als „großartiges Signal“. „Wir Grüne verbinden die Themen dieser Zeit mit der Kandidatin für diese Zeit“, erklärten die Landesvorsitzenden Nina Stahr und Werner Graf am Montag. „Klimaschutz muss endlich oberste Priorität fürs gesamte Regierungshandeln bekommen - auf allen Ebenen.“ Das sei drängende Herausforderung unserer Zeit. „Um ihr gerecht zu werden, braucht es Grüne auch an der Spitze von Regierungen.“ Die Grünen hätten die Riesenchance, Deutschland und Berlin nach der Corona-Pandemie krisenfester zu machen.
„Wir sind dankbar, dass Annalena Baerbock und Robert Habeck diese Entscheidung so vertrauensvoll und verantwortungsbewusst miteinander geklärt haben und weiterhin gemeinsam alles daransetzen werden, unsere Partei als stärkste Kraft in die nächste Regierung zu führen“, fügten Stahr und Graf hinzu.
Der Grünen-Bundesvorstand hatte Baerbock am Montag als Kanzlerkandidatin nominiert. Das macht auch das Rennen im Wahlkreis Potsdam noch spannender: Dort tritt Baerbock für die Grünen als Direktkandidatin zur Bundestagswahl am 26. September unter anderem gegen SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz an.

Linke freut sich über starke Frauen in der Politik

Die Linke hält sich mit inhaltlichen Bewertungen zur Grünen-Kanzlerkandidatin zurück. Sie gratuliere Baerbock von Frau zu Frau, sagte Co-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow am Montag in Berlin. Es brauche mehr Frauen an der Spitze von Politik, um Frauen zu ermutigen sich einzumischen. Sie fügte aber hinzu: „Wir werden als Linke uns überhaupt gar nicht in personelle Fragen anderer Parteien einmischen.“
Entscheidend sei, welche Inhalte man mit Parteien umsetzen könne. „Wenn unsere politischen Inhalte zusammenpassen, und das bedeutet eben nicht nur über die Bekämpfung des Klimawandels zu reden, sondern zu begreifen, dass auch der Klimawandel nur bekämpft werden kann, wenn wir eine soziale Absicherung und Existenzsicherung schaffen, dann kommen wir mit den Grünen übereinander“, sagte Hennig-Wellsow.
Zur Kanzlerkandidatensuche in der Union sagte sie, damit werde Vertrauen in Politik und demokratische Prozesse zerstört. Das sei „kein Ruhmeszeichen für eine Partei, die im Moment die Regierung stellt“. Die Linke selbst will die Frage ihrer Spitzenkandidatur nach Angaben von Hennig-Wellsow voraussichtlich in der ersten Mai-Woche klären.

Bundeskanzlerin lässt Glückwünsche ausrichten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Baerbock zu ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin ihrer Partei gratuliert. „Da kann ich gerne von hier aus einen Glückwunsch aussprechen von der Kanzlerin“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin, Ulrike Demmer.

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