Waldbrände
: Klimawandel: Brennende Probleme der Zukunft

Höhere Temperaturen und ausbleibender Regen machen vor Mitteleuropa nicht halt.
Von
Stefan Kegel
Berlin
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  • Ein Feuerwehrmann versucht, ein Feuer zu löschen, das sich auf den angrenzenden Wald auszubreiten droht.

    Ein Feuerwehrmann versucht, ein Feuer zu löschen, das sich auf den angrenzenden Wald auszubreiten droht.

    Philipp Weitzel/dpa
  • Anzahl der Waldbrände und Waldbrandflächen in Deutschland

    Anzahl der Waldbrände und Waldbrandflächen in Deutschland

    MMH
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Infernalische Bilder von riesigen brennenden Waldflächen und Vororten kennt man hierzulande nur aus Kalifornien, aus Griechenland oder Portugal. Aber höhere Temperaturen und ausbleibender Regen machen vor Mitteleuropa nicht halt. Die Anzeichen mehren sich, dass sich mit dem Klimawandel auch Deutschland auf solche Katastrophen einstellen muss. Das Problem: Die Feuerwehren sind auf diese Szenarien kaum vorbereitet.

„Wir müssen uns fragen: Welches Wetter haben wir in zehn Jahren, welche Vegetation haben wir in 20 Jahren, und welche Waldbrände haben wir dann?“, sagt Jochen Stein, der die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Berufsfeuerwehren leitet. Einen Hinweis auf die Zukunft liefert die aktuelle Risikoanalyse des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. „Mindestens seit dem Jahr 2015 hat sich ein Niederschlagsdefizit aufgebaut“, erklärt Mitarbeiter Alexander Esser. Sein Amt hat ein Szenario durchgespielt: Schon bei sechs aufeinanderfolgenden Dürrejahren würde der deutsche Wald durch abgestorbenes Unterholz und nicht verrottete Blätter brennen wie Zunder.

Es drohen riesige Waldbrände. Und mitten drin: Wohnhäuser, Stromtrassen, Tanklager, Gas-­Übergabestationen. „Die stehen alle mitten in der Vegetation“, schildert der Bonner Feuerwehrmann Stein das Dilemma. Im Notfall erreichen die 40 000 deutschen Löschfahrzeuge solch abgelegene Orte gar nicht. „Es werden zusätzliche Spezialfahrzeuge für Waldbrände gebraucht“, erklärt er. Geländegängig müssten sie sein und große Wassertanks besitzen. Und sie sollten die Möglichkeit bieten, dass Feuerwehrleute sich in ihnen in Sicherheit bringen können. Solche Autos sind allerdings sehr teuer für die Städte und Gemeinden.

Als eine der großen Herausforderungen gilt bei Fachleuten das Heranschaffen von ausreichend Löschwasser. Elf Kilometer lange Wasserförderstrecken aufzubauen wie beim Moorbrand von Meppen im vergangenen Jahr würde bei akuten Waldbränden viel zu lange dauern.

Eine Alternative bietet die Brandbekämpfung aus der Luft. Sie ist auch für unzugängliche oder munitionsverseuchte Flächen eine Lösung. Bislang setzen die Länder hier auf Löschhubschrauber. Der Vorsitzende des Deutschen Wasserfliegerverbandes kämpft jedoch für eine andere Lösung: Löschflugzeuge. „Für den Wassertransport zu weit entfernten Brandherden sind Flugzeuge ideal“, sagt er. Sie könnten mit zwölf Tonnen doppelt so viel Wasser transportieren wie Hubschrauber, und ihr Radius betrage bis zu 100 Kilometer. Allerdings gibt es bislang in Deutschland nur eine einzige zugelassene Entnahmestelle, in der solch ein Flugzeug Wasser aufnehmen könnte: den Sedlitzer See am Flughafen Welzow in der Lausitz.

Sogar die EU hat Interesse daran. Anfang dieser Woche war EU–Krisenschutzkommissar Christos Stylianides dort. Er baut unter dem Stichwort RescEU gerade ein europaweites Katastrophenschutzsystem auf. Dazu gehören auch Löschflugzeuge, die bislang nur in Südeuropa eingesetzt werden. Degens große Hoffnung ist, die erste Flugzeugstaffel für Nordeuropa nach Deutschland zu holen. Stylianides findet die Idee gut: „Ich schließe mich der Bewertung unseres Expertenteams an, dass sich das Flugfeld in Welzow gut eignet.“

Bei den Innenministerien der Länder gibt man sich allerdings skeptisch. 60 Millionen Euro Anschaffungspreis allein für eine Maschine seien viel Geld, heißt es dort. Man halte sich lieber an die bewährten Hubschrauber. Die Innenministerkonferenz will sich im Herbst damit befassen.

Aber Technik allein genügt nicht. Zur Vorbeugung brauche es Mischwald statt riesiger schnell austrocknender Nadelholzforste, fordert Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel. In seinem Land lodert jeder dritte deutsche Waldbrand. Er plädiert für handfeste Eingriffe: „Wir müssen akzeptieren, Brandschutzschneisen im Wald zu haben“, sagt er. Bisher sind diese Kahlschläge bis zu 20 Meter breit, Engel fordert 50.