Wirbel um Katie Zacharia
: „Alles eine Lüge“ – Schwere Vorwürfe gegen Trumps neue Sprecherin

Jahrelang gab sich Katie Zacharia als Anwältin aus. Doch Recherchen enthüllen nun Lücken im Lebenslauf. Warum ihr jetzt Ärger droht.
Von
Michael Maier
Washington/Stuttgart
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Pressesprecherin Zacharia: Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Katie Zacharia, betritt in Washington den James-Brady-Presseraum im Weißen Haus, um mit Reportern zu sprechen. (zu dpa: «Trumps neue Sprecherin ist bei Anwaltsprüfung durchgefallen»)

Katie Zacharia, betritt in Washington den James-Brady-Presseraum im Weißen Haus, um mit Reportern zu sprechen.

Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Neue Trump-Sprecherin Katie Zacharia steht wegen falscher Berufsangaben in der Kritik.
  • Sie nannte sich „Lawyer“, scheiterte aber am Bar Exam und ist nirgends als Anwältin zugelassen.
  • Ihr erster Auftritt im Weißen Haus dauerte 14 Minuten – nur drei Fragen, teils Spott über Patzer.
  • Zacharia sagt, sie habe in China bei Zhong Lun im Transaktionsrecht gearbeitet und nie „Attorney“ genutzt.
  • Eine Watchdog-Gruppe reichte Beschwerde in Kalifornien ein, eine offizielle Feststellung fehlt bisher.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Selten hat eine Premiere im Press Briefing Room des Weißen Hauses so viel Gesprächsstoff geliefert – und so wenig Antworten. Katie Zacharia, seit dem 9. Oktober die neue Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, hat in ihrer kurzen Amtszeit bereits ein veritables Glaubwürdigkeitsproblem.

Am Dienstag trat Zacharia erstmals ans Podium. Was folgte, war nach einhelliger Meinung von Journalisten und sogar Mitarbeitern des Weißen Hauses eine Katastrophe. Gerade einmal 14 Minuten dauerte der Auftritt – einer der kürzesten überhaupt. Nur drei Fragen wurden zugelassen, alle von handverlesenen, wohlgesonnenen Medien. Zacharia las nervös von einem Zettel ab, stockte immer wieder und sorgte für den Lacher des Tages, als sie sagte: „Mein Präsident – Entschuldigung, mein Mann.“ Trump-treue Offizielle kommentierten hinter vorgehaltener Hand gegenüber CNN, der Auftritt sei „brutal“ gewesen. Das Weiße Haus selbst sprach hingegen von einem „befehlsgewaltigen Auftritt“. Die Diskrepanz zwischen Eigenwahrnehmung und Realität war kaum zu übersehen.

Zur Entschuldigung ließ Zacharia ausrichten, sie habe weniger als 24 Stunden Zeit zur Vorbereitung gehabt und ihre Unterlagen erst am Morgen des Briefings erhalten. Sie erfuhr von ihrer Ernennung, während sie mit ihrem Sohn auf einem Kürbisfeld war – Trump hatte sie persönlich angerufen.

Weit schwerwiegender als der holprige Auftritt sind jedoch die Fragen rund um ihren Lebenslauf. Zacharia hat sich jahrelang als „Lawyer“ bezeichnet – in TV-Auftritten, in ihrer Instagram-Bio, in Podcasts. Trump selbst nannte sie in seinem Truth-Social-Post, mit dem er ihre Ernennung verkündete, „Attorney“. Doch die Realität sieht anders aus.

Als Journalisten sie nach dem Briefing fragten, in welchem US-Bundesstaat sie ihre Anwaltszulassung erworben habe, antwortete sie: „Als ich nach China gezogen bin.“ Diese Aussage entpuppte sich als falsch und löste eine Welle von Recherchen aus. Tatsächlich dürfen in China nur chinesische Staatsbürger das Staatsexamen für Juristen ablegen. Zacharia, die 2011 ihr Jurastudium an der Pepperdine University abschloss, ist nach eigener Aussage im selben Jahr zum sogenannten Bar Exam angetreten, der US‑amerikanischen Anwaltsprüfung, und ist gescheitert. Das bestätigte sie schließlich am Donnerstag gegenüber mehreren US-Medien.

Der Guardian überprüfte 38 Bundesstaaten sowie Washington, D.C. und die Virgin Islands – nirgendwo findet sich Zacharia als zugelassene Anwältin. Kalifornien bestätigte auf Anfrage, keinerlei Eintrag unter ihrem Namen zu haben. NBC News fand ebenfalls keine Hinweise auf eine Zulassung in einem US-Bundesstaat.

Zacharias' Verteidigung ist interessant: Gegenüber Medien erklärte sie, nach ihrem Scheitern beim Bar Exam nach China gezogen zu sein, wo sie bei der Kanzlei Zhong Lun im Bereich internationales Transaktionsrecht gearbeitet habe. Die Ergebnisse der Prüfung seien für sie „irrelevant“ gewesen. Sie berief sich darauf, vom Präsidenten der Pepperdine University beraten worden zu sein, dass der Begriff „Lawyer“ für jemanden mit Jurastudium zulässig sei – „Attorney“ hingegen nicht.

Zacharia bestreitet Vorwürfe

Zacharia bestreitet, ihre juristischen Qualifikationen falsch dargestellt zu haben. Sie sagt, sie habe sich bewusst nicht als „Attorney at Law“ oder „Esquire“ bezeichnet und lediglich rechtliche Analysen, nicht aber Rechtsberatung, angeboten. Mehrere Rechtsexperten bezweifeln jedoch, dass diese Unterscheidung die öffentliche Verwendung des Begriffs „Lawyer“ rechtlich oder ethisch unproblematisch macht.

Die Watchdog-Organisation „Campaign for Accountability“ hat inzwischen eine formelle Beschwerde bei der Anwaltskammer in Kalifornien eingereicht. Grundlage ist Section 6126 des California Business and Professions Code, wonach es ein Vergehen ist, sich als zur Anwaltspraxis berechtigt darzustellen, ohne tatsächlich zugelassen zu sein. Zacharia lebte bis zu ihrer Ernennung mit ihrer Familie in Ventura County, Kalifornien.

US-POLITICS-BRIEFING-ZACHARIA: Newly appointed White House Press Secretary Katie Zacharia concludes her first press briefing in the James Brady Briefing Room of the White House in Washington, DC, on October 13, 2026. (Photo by Jim WATSON / AFP)

Selten hat eine Premiere im Press Briefing Room des Weißen Hauses so viel Gesprächsstoff geliefert – und so wenig Antworten. Katie Zacharia ist seit dem 9. Oktober die neue Sprecherin von US-Präsident Donald Trump.

Jim Watson/afp

Michelle Kuppersmith von der Watchdog-Organisation brachte es auf den Punkt: „Zacharia hat sich jahrelang als Anwältin ausgegeben, um ihre Glaubwürdigkeit als TV-Kommentatorin und nun als Sprecherin zu untermauern. Es scheint, dass das alles eine Lüge war.“ Eine offizielle Feststellung der California State Bar oder ein strafrechtliches Verfahren gibt es bislang nicht.

Die Frage, ob Zacharia eine Hochstaplerin ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig mit Ja oder Nein beantworten. Fest steht jedoch: Sie besitzt zwar einen juristischen Abschluss, hat aber nach den vorliegenden Berichten keine US-amerikanische Anwaltsprüfung bestanden und ist in keinem US-Bundesstaat als Anwältin zugelassen.