zu Corona und Handyortung
: Die Corona-App kann helfen, die Pandemie einzudämmen

Durch Handyortung könnte das Coronavirus eingedämmt werden, ohne das Land lahmzulegen und ohne, dass der Datenschutz leidet.
Von
Igor Steinle
Berlin
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Igor Steinle

Marc Hörger

Per Handy-Ortung lassen sich die Kontakte erkrankter Nutzer zurückverfolgen. Diese könnten so leicht informiert und in Quarantäne geschickt werden. Kritiker jedoch mahnen: Hart erkämpfte Grundrechte wie die informationelle Selbstbestimmung würden unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes abgeschafft. Gerne wird das Schreckensszenario chinesischer Zustände bemüht. Kann Corona nicht anders bekämpft werden als durch staatliche Zwangsbeobachtung?

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Gesundheitsminister Spahn erweckte diesen Eindruck, als er Mobilfunkfirmen per Gesetz verpflichten wollte, Bewegungsdaten erkrankter Kunden an die Gesundheitsämter weiterzugeben. Datenschützer geißelten den Vorstoß als Angriff auf die Intimsphäre der Bürger, Spahn musste seine Pläne aufgeben.

Dabei ist unklar, was den ehrgeizigen CDU-Politiker überhaupt dazu getrieben hat. Denn die Funkzellendaten, die er anzapfen wollte, sind viel zu grob, als dass damit Infektionsketten rekonstruiert werden könnten. Schon seit Längerem arbeitet das dem Gesundheitsministerium unterstellte Robert-Koch-Institut deswegen an einer ganz anderen, zielgenaueren Lösung: einer Handy-App.

Wem bei dieser Vorstellung bereits der Daten-Angstschweiß auf der Stirn steht, kann sich beruhigen. Denn Datenschutz und Handy-Tracking widersprechen sich nicht per se. Eine datenschutzkonforme Corona-App könnte das Virus eindämmen helfen und gleichzeitig die Anonymität der Nutzer wahren. Vorbild könnte eine Anwendung sein, die in Singapur bereits großen Erfolg hatte.

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Über die Bluetooth-Schnittstelle des Smartphones würde das Programm sich merken, mit wem man länger als 15 Minuten Kontakt auf engerem Raum hatte. Voraussetzung dabei ist, dass möglichst viele die App installiert haben. Diese Daten würden anonym auf dem eigenen Gerät gespeichert. Wird ein Nutzer positiv getestet, gibt er dies auf dem Handy ein. Kontaktpersonen würden dann darauf hingewiesen, dass sie sich besser testen lassen und in Quarantäne gehen sollten. Niemand müsste seine Identität preisgeben.

Ein derart fortschrittliches System könnte nicht nur dazu beitragen, Covid-19 einzudämmen. Hätte es Erfolg, könnte es helfen, das deutsche Gesundheitssystem endlich aus der digitalen Steinzeit zu führen. Seit Jahren verhindern Bedenkenträger und Besitzstandswahrer hier unter dem Vorwand des Datenschutzes jeglichen Fortschritt. Technologien wie elektronische Patientenakten, Rezepte oder die Tele-Sprechstunde, die jetzt dringend gebraucht würden, sind deswegen noch immer nicht verfügbar. Mit einer funktionierenden Corona-App wäre der Beweis erbracht, dass Digitalisierung, Gesundheit und Datenschutz gut zusammengehen.