zu Giffeys Doktorarbeit: Die Hoffnung der SPD

Guido Bohsem
Thomas Koehler/photothek.netFür die Sozialdemokraten ist es einerseits ein Glück, dass die 41–jährige Familienministerin nicht vor dem plötzlichen Aus ihrer noch so frischen Karriere steht. Auf der anderen Seite kommt das Urteil der Prüfungskommission eben die paar Wochen zu spät, die es Giffey ermöglicht hätten, sich zusammen etwa mit Olaf Scholz für den Vorsitz ihrer kriselnden Partei zu bewerben. Immerhin, sollte die SPD auch die nächsten Parteichefs in Rekordzeit verschleißen, hätte sie mit Giffey eine geeignete Kandidatin in Reserve.
Für den Wissenschaftsbetrieb ist der Fall Giffey wie auch alle anderen Fälle zuvor eine Katastrophe. Nicht, weil er enttarnt wurde, sondern weil er ein weiteres Schlaglicht darauf wirft, mit was für einer Nachlässigkeit hierzulande Doktortitel verliehen werden. Jeder bislang aufgetauchte Fall ist im Grunde viel peinlicher für die Universitäten als für die überführten Träger der Doktorentitel. Denn jeder einzelne davon zeigt, wie erbärmlich die Kontroll–Mechanismen in Zeiten der Massenuniversität versagen, die eigentlich die Qualität der Wissenschaft hoch halten sollten. Dass die Bewerber es sich leicht machen, darf man annehmen. Dass auch die Prüfer so verfahren, untergräbt die Autorität der Forschung. Wer sich darüber wundert, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr respektiert werden, darf in Sachen Doktortitel–Schummelei nicht milde urteilen.
