zum Weltfrauentag: Das zähe Ringen um das Selbstverständliche

André Bochow
Thomas Koehler/photothek.netAber in Deutschland, so sollte man meinen, sind wir in Sachen Gleichberechtigung längst auf der Zielgeraden. Nun, das sind wir nicht. Die Hälfte der Frauen, die arbeiten, geht einer Teilzeitbeschäftigung nach. Nur acht Prozent der Vorstände von deutschen börsennotierten Unternehmen sind weiblich. Der Anteil der Frauen im Bundestag beträgt nicht einmal ein Drittel und ist auf den schlechtesten Stand seit 20 Jahren gesunken. Im gesamtdeutschen Parlament sitzen Abgeordnete, die am liebsten so etwas wie das Mutterkreuz wieder einführen wollen. Und die Debatte über die angebliche Werbung von Ärzten, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, hat noch einmal auf den eigentlichen Skandal hingewiesen. Auf den Paragrafen 218 des Strafgesetzbuches. Der stammt aus dem Jahr 1871 und sagt noch heute: Frauen, die sich für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden, tun etwas Verbotenes.
Immer wieder wird auch hierzulande, was Frauen sich erkämpft haben, in Frage gestellt. Aber es hat sich andererseits Entscheidendes geändert. Dass so wenige Frauen in der Politik, in Führungsetagen oder auf Vollzeitarbeitsstellen auftauchen, wird gesamtgesellschaftlich als Mangel empfunden. So wie umgekehrt das Fehlen von Männern bei der Kindererziehung beklagt wird. Damit sind die Probleme nicht beseitigt, doch es ist immerhin ein Fortschritt, dass sich ein Bewusstsein für sie entwickelt hat. Wenn man in Betracht zieht, wie finster es für Frauen in vielen Teilen der Welt aussieht, sind wir dann doch vorangekommen. Zu langsam. Es besteht allerdings die Hoffnung, dass hierzulande bis zur vollen Gleichberechtigung weniger als 100 Jahre vergehen.