zur Organzüchtung in Tieren: Eine Vision

Günther Marx
Gerd MarkertGemach, darum geht es nicht. Doch hat das nun vor der Genehmigung stehende Vorhaben japanischer Wissenschaftler, menschliche Zellen in tierische Embryos zu injizieren und diese vom Muttertier auch austragen zu lassen, von Neuem eine Grundsatzdebatte über die Grenzen menschlichen Forschergeists entfacht.
Von einem „ethischen Megaverstoß“ spricht etwa der Mediziner und SPD–Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Das Mitglied im Deutschen Ethikrat, der Moraltheologe Andreas Lob–Hüdepohl, argumentiert, bei der Züchtung von Mensch–Tier–Mischwesen würden Gattungsgrenzen verletzt, was nicht zuletzt unser Selbstverständnis als Menschen berühre. Und natürlich darf die Warnung nicht fehlen, dass die Forscher mit ihrem Experiment etwas beginnen, dessen Ergebnis im Zweifelsfalle nicht mehr zu kontrollieren ist, so der Mediziner und Molekularbiologe Jens Reich.
Dabei ist die Idee bestechend. Die Japaner wollen menschliche Zellen injizieren, damit diese sich im Tierkörper zu menschlichen Organen entwickeln, die Menschen wiederum transplantiert werden können. Das Experiment startet mit Mäusen und könnte bei erfolgreichem Verlauf mit Schweinen oder Schafen fortgesetzt werden. Auf diese Weise könnten eines Tages etwa Herz, Leber oder Nieren „produziert“ werden – Organe also, auf deren Transplantation allein in Deutschland tausende Patienten warten.
Schon jetzt, darauf verweist der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, auch er ein Theologe, werde Humaninsulin genetisch auf der Grundlage von Bakterien hergestellt oder Herzklappen von Schweinen beim Menschen eingesetzt. Am Mensch–sein ändere sich dadurch nichts. Er rät zu verbaler Abrüstung.
Dennoch sehen Forscher, die keine ethischen Probleme mit den japanischen Experimenten haben, deren Ansatz als wenig aussichtsreich an. Aus wissenschaftlichen Gründen. Zu komplex. Sie gehen mit der so genannten Xenotransplantation sozusagen den umgekehrten Weg. Dabei sollen originär tierische Organe genetisch so modifiziert werden, dass sie dem Menschen transplantiert werden können, ohne die befürchteten Abstoßungseffekte hervorzurufen. Ein Ziel also, zwei Wege.
Ob am Ende beide beschritten werden können und wie weit nach dem jeweiligen Fall differenziert werden muss, ist eine offene Frage. Eine kritische Begleitung, die auch einschließt, was wir Tieren bei solchen Versuchen zumuten, ist unabdingbar. Eine Grenze wäre erreicht, wenn sich menschliche Zellen im Tierkörper nicht auf das Wachstum von Wunschorganen eingrenzen lassen, sondern Nervenzellen im Gehirn des Tieres bilden und dort menschliches Bewusstsein entstünde, wie rudimentär auch immer. Das ist dann wirklich eine Vorstellung, die Gruseln lässt.