zur Sprache der AfD: Gefährliche Worte

Dorothee Torebko
privatUm die Macht der Sprache weiß die AfD. Sie vereinnahmt Worte für sich. Der Duktus der AfD–Politiker ist folgender: Wir sagen das, was die „Altparteien“ nicht sagen. Wir sagen „die Wahrheit“. Die „Systempresse lügt“. Das ist harmlos, solange die Adressaten die politische Botschaft hinter den Worten erkennen und einordnen können. Gefährlich wird es dann, wenn Begriffe wie „Volksverderber“, „entartet“ und „vollständiger Sieg“, die aus der NS–Terminologie stammen, normal werden. Genau das wollen Teile der AfD.
Allen voran der Thüringer Landeschef Björn Höcke. Es ist unumstritten, dass er sich einer NS–Sprache bedient. Das sagt selbst die eigene Partei: Ein AfD–Gutachten von 2017 attestiert seiner Haltung „eine Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus“. Bei Höcke fänden sich Bilder, die auch in Wahlkampfreden von Adolf Hitler zu finden seien. Mit der von ihm verwendeten NS–Sprache in einem ZDF–Interview konfrontiert, versuchte Höcke die Begriffe zu relativieren. Worte wie „entartet“ habe es schon vor dem Nationalsozialismus gegeben. Sie stammten aus der Biologie. Sie zu benutzen, sei keine „Erfindung“ Höckes. Deutschland leide eher „unter der Herrschaft der politischen Korrektheit“. Und die AfD sei die Partei, die dieser Herrschaft ein Ende machen wolle.
Der Rechtsaußen versucht, die Sprache der Unmenschen des NS–Systems positiv umzudeuten. Er formt aus Worten, die Hass und Gewalt propagieren, Begriffe der Befreiung. Er kleidet Formulierungen der NS–Zeit ungeniert in ein bürgerliches Gewand und verharmlost eine Sprache, die dazu führte, dass Millionen Menschen ausgelöscht wurden. Je mehr Worte aus der NS–Terminologie in den allgemeinen Sprachgebrauch einfließen, umso normaler werden sie, prophezeien Sprachforscher. Das ist gefährlich und gilt auch 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, warnen sie. Was irgendwann selbstverständlich ist, kann man nicht mehr problematisieren. Es wird schwieriger, dagegen anzugehen. Denn dann ist es da — wie eine Wahrheit.
Sogar in der AfD kommen Höckes Reden nicht besonders gut an. Doch das hat machtpolitische Gründe. So unterzeichneten im Sommer 100 AfD–Politiker einen Aufruf, wonach die Partei den Personenkult um Höcke unterbinden müsse. Die Unterzeichner befürchteten, Macht zu verlieren. Zudem rechneten sie kurz vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen mit Stimmenverlusten bei rechtskonservativen Wählern, die der völkisch–nationalistische Duktus abschrecken könnte. Es ist bezeichnend für die Partei, dass zwar der Kult um Höcke, nicht aber die Worte oder die Politik dahinter kritisiert wurde. Und so ist es an jedem Einzelnen, genau hinzuhören, wie Höcke spricht. Denn anzunehmen, er wüsste nicht, welche Worte er wählt, ist naiv.
