zur Videoaffäre um Strache
: Kein Opfer

Mit dem Ibiza-Video ist der Rechtspopulist Strache in eine Falle gelockt worden. Zurücktreten musste er trotzdem.
Von
Guido Bohsem
Berlin
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Guido Bohsem

Thomas Koehler/photothek.net

Wodka-selig plauderte er sich in einer gemieteten Villa auf Ibiza um Kopf und Kragen. Er ließ dabei eine Einstellung zu seinen künftigen Ämtern erkennen, die sich auch ein schlechter Serien-Drehbuchautor hätte ausdenken können.

Großspurig versprach er staatliche Aufträge, feuerte in Gedanken schon mal ein paar Journalisten und vermittelte seiner Gesprächspartnerin – einer mutmaßlichen russischen Oligarchentochter – einen Eindruck davon, was in Österreich alles laufen könne, wenn Strache nur das Sagen habe. Mit dem Ausdruck „verstörendes Sittenbild“, wie ihn Bundespräsident Van der Bellen verwendet hat, dürfte das nach mitteleuropäischen Maßstäben noch freundlich beschrieben sein.

Straches erschreckend offene Bereitschaft zur Korruption, seine Verachtung für die Regeln und Normen seines Landes machte seinen Rücktritt unvermeidbar, nicht das Video selbst. Jemand hat Strache eine Falle gestellt, und er ist mehr als bereitwillig hineingetappt.

Tatsächlich wirft die Art und Weise, wie das Video entstanden ist, viele Fragen auf. Waren gewiefte TV-Scherzkekse die Täter? War es der politische Gegner in Österreich? Oder doch die Geheimdienste fremder Länder? Wer kann vor solchen illegalen Aktionen noch sicher sein – egal, ob es sich nun um Schauspieler, Sportstars oder Politiker handelt? Das Strache-Video zeigt sehr eindeutig, wie durch die neuen technischen Möglichkeiten weitere Breschen in die Privatsphäre geschlagen werden. Erpresserische Fotos oder Tonaufnahmen hat es natürlich auch schon früher gegeben. Der Unterschied ist aber, dass sie nun von so ziemlich jedem angefertigt werden können.

Der „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ haben auch deshalb genau geprüft, ob es sich um manipulierte Aufnahmen oder Fälschungen handelt, und sie haben abgewogen, was schwerer wiegt: das Recht des Privatmannes Strache oder die Bedeutung seiner Aussagen für Österreich und womöglich für ganz Europa. Sie haben richtig entschieden, auch darin, nicht das gesamte Video zu zeigen, sondern nur die relevanten Passagen.

In Kreisen der FPÖ, im gesamten rechten Milieu, dürfte sich all das zu einem Verschwörungsbrei über die mächtige Gegnerschaft aus anderen Parteien und Medien verdicken. Doch diese und andere unappetitliche Legenden dienen letztlich nur zwei Zielen. Sich erstens zum Opfer zu erklären und zweitens wegen der Opferrolle die Mittel im Kampf gegen die anderen zu rechtfertigen. Das wird auch im Strache-Fall wieder funktionieren, die rechten Trolle laufen schon auf Hochtouren. Nein, das Ibiza-Video wird die Rechtspopulisten nicht entscheidend schwächen. Doch hoffentlich hält der nun offenbare Charakter des Mannes auch ein paar Menschen davon ab, ihn oder seinesgleichen zu wählen.

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