1. FC Union Berlin
: Neues Trainerteam, neue Ideen – so konsequent baut Svensson um

Der neue Cheftrainer Bo Svensson soll endlich wieder für sportliche Kontinuität bei Union Berlin sorgen. Dafür hat der Verein dem Dänen viele Wünsche erfüllt.
Von
Frank Noack
Berlin
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1. FC Union Pressekonferenz 2024/25: Fussball, Herren, Saison 2024/2025, 1. Bundesliga, 1. FC Union Berlin, Pressekonferenz, Trainer Bo Svensson (1. FC Union Berlin), 26.06. 2024, Foto: Matthias Koch

Der neue Cheftrainer übernimmt das Zepter: Bo Svensson bereitet den 1. FC Union Berlin auf die Bundesliga-Saison 2024/25 vor und soll den Verein in ein sportlich ruhigeres Fahrwasser führen als zuletzt.

Matthias Koch

Das weiße T-Shirt von Bo Svensson besitzt durchaus Symbolcharakter. Der 1. FC Union Berlin hat mit dem 44 Jahre alten Dänen nicht nur einen neuen Cheftrainer für die Bundesliga-Saison 2024/25 verpflichtet, sondern macht auch generell im Trainerteam einen personellen Neuanfang.

Genau das war eine der zentralen Botschaften von Union-Präsident Zingler am Mittwoch im Stadion an der Alten Försterei, als neben Bo Svensson auch Horst Heldt als künftiger Geschäftsführer Sport in einer Medienrunde vorgestellt worden ist. Zingler machte sehr deutlich: Die Eisernen aus Köpenick wollen die unbefriedigende Vorsaison endlich hinter sich lassen. „Wir haben uns ganz bewusst für einen unbelasteten Neuanfang entschieden. Das war nach der vergangenen Saison relativ schnell klar“, erklärte Zingler mit Blick auf die Achterbahnfahrt zwischen Champions-League-Teilnahme, zähem Kampf um den Klassenerhalt und natürlich mehreren Trainerwechseln.

Union Berlin baut Trainerteam um

Interessant ist, wer zu diesem Neuanfang dazugehört – und wer nicht. In jedem Fall wird das Trainerteam konsequent neu strukturiert. Neben seinem langjährigen Co-Trainer Babak Keyhanfar bringt Svensson weiteres Personal mit nach Köpenick zum Trainingsstart am kommenden Montag (1. Juli). Sein dänischer Landsmann Kristoffer Wichmann wird als weiterer Co-Trainer installiert. Er war zuletzt Chefcoach bei Kolding IF in der 2. Liga Dänemarks. Ebenfalls neu ist Video-Analyst Tijan Nije, mit dem Svensson schon in Mainz zusammengearbeitet hat. Der Umbau erfolgt auf ausdrücklichen Wunsch von Bo Svensson. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, dass Trainerteam optimal funktioniert“, betonte Svensson.

Aus der legendären Ära unter dem beliebten Urs Fischer sind damit nur noch Torwarttrainer Michael Gspurning, Athletiktrainer Martin Krüger und Rehatrainer Johannes Thienel übriggeblieben. Sebastian Bönig, der am Ende der vergangenen Saison vorübergehend ins Trainerteam zurückgekehrt war, übernimmt künftig wieder die Betreuung der ausgeliehenen Spieler. Marco Grote und die bei den Fans mit vielen Sympathien behaftete Marie-Louise Eta wechseln zurück zur U19. Video-Analyst Adrian Wittmann nimmt auf eigenen Wunsch eine Auszeit. Für Vereinschef Zingler ist klar: „Es gibt keine Verlierer, sondern nur Gewinner. Das ist die beste Lösung.“

Über allem steht bei dieser Neustrukturierung natürlich Bo Svensson. Der Däne soll beim 1. FC Union endlich wieder für sportliche Kontinuität und eine Saison sorgen, an deren Ende im Mai 2025 mindestens der Klassenerhalt im sechsten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit steht. Nach dem Aus beim FSV Mainz 05 im Herbst und einer schöpferischen Pause präsentierte sich Svensson am Mittwoch an seiner neuen Wirkungsstätte voller Tatendrang. Er habe die vergangenen Monate genutzt, um die eigene Arbeit zu reflektieren und viel Zeit mit der Familie und Freunden verbracht. „Es war das erste Mal in meinem Leben eine Zeit, wo der Fußball nicht im Mittelpunkt stand. Es war eine gute Erfahrung für mich, dass ich auch ohne Fußball funktioniere“, berichtete Bo Svensson schmunzelnd.

Für den künftigen Geschäftsführer Profifußball, Horst Heldt, passt Svensson mit seiner extrovertierten Art, die Mannschaft von der Seitenlinie aus zu coachen, „wie die Faust aufs Auge“ zu Union Berlin: „Bo ist sehr intensiv. Bei ihm überlegt man manchmal, ob der Spieler oder Trainer ist. Aber das spricht ja für seine Authentizität.“

Horst Heldt selbst teilt sich aktuell noch die Aufgaben mit Oliver Ruhnert. Ab Montag (1. Juli) darf sich Heldt dann auch ganz offiziell Geschäftsführer Profifußball nennen und trägt dabei die Hauptverantwortung bei der Zusammenstellung der neuen Mannschaft. Mit dem slowakischen Nationalspieler Laszlo Benes (26) steht nach übereinstimmenden Berichten von „Bild“ und „Kicker“ der nächste Neuzugang für das offensive Mittelfeld schon fest.

Bo Svensson will Union flexibler machen

Inwieweit er auch den spieltechnischen Ansatz des 1. FC Union umbauen will, darüber hielt sich der neue Cheftrainer am Mittwoch noch recht bedeckt. Er wolle die jahrelang bewährten Erfolgstugenden der Eisernen wie Kompaktheit und mannschaftliche Geschlossenheit beibehalten, aber natürlich neue Impulse einbringen, sagte Bo Svensson. Zum Beispiel eine frühzeitigere Balleroberung in der gegnerischen Hälfte. Und er will das Spiel des FCU flexibler machen. „Union Berlin war für die Gegner zwar relativ einfach zu analysieren, aber schwer zu bespielen. Es gibt klare Prinzipien, über die sich Union definiert“, fasste Svensson seine Ausgangsposition als neuer Cheftrainer zusammen.

1. FC Union Berlin stellt neuen Trainer und Geschäftsführer vor: 26.06.2024, Berlin: Fußball, Bundesliga, Pressekonferenz Union Berlin, Stadion An der Alten Försterei. Horst Heldt (l) und Bo Svensson stehen vor dem Vereinslogo. Der Bundesligist 1. FC Union Berlin stellte Heldt in seiner neuen Funktion als Geschäftsführer Profifußball Männer vor. Svensson ist als neuer Trainer verpflichtet. Foto: Andreas Gora/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der neue Cheftrainer Bo Svensson (rechts) und Horst Held als designierter Geschäftsführer Profifußball leiten jetzt die Geschicke bei Union Berlin.

Andreas Gora/dpa

Klar ist: Der 1. FC Union hat Bo Svensson bei der Zusammenstellung des neuen Trainerteams nahezu alle Wünsche erfüllt. Der Däne stützt sich auf Vertraute aus seinen bisherigen Stationen. Wenn Svensson wirklich wie von Horst Heldt prophezeit „die Faust aufs Auge“ ist, dann könnte die Eisernen und ihre Fans in der Tat eine deutlich unaufgeregtere Saison erwarten, als das zuletzt der Fall war. Nicht mehr, aber auch nicht weniger ist die Aufgabe von Bo Svensson. Blaue Augen gab es zuletzt schließlich genug. Dann schon lieber weißes T-Shirt.